Aufnahme: 1976

Die Mehlschwalbe

Mehl- und Rauchschwalben werden in unseren Landen meist unter dem Sammelbegriff Schwalben geführt, doch ist ihre Lebensweise unterschiedlich. Von meinem Fenster aus sehe ich auf ein Haus, unter dessen Dachsims viele Jahre lang Mehlschwalben gebrütet haben, bis es zu der Katastrophe vor zwei Jahren kam. Der frühe Schlechtwettereinbruch damals hat vielen von unseren Schwalben - obwohl man ihnen große Hilfe angedeihen ließ - das Leben gekostet. Ich habe bei der Hilfsaktion viele Schwalben in der Hand gehabt - nein, was waren das für Fliegengewichte. Die Nester, auf die ich sehen kann, blieben im letzten Jahr verwaist. Hoffentlich hat das Schwalbenvolk sich soweit erholt, daß wir in diesem Jahre wieder welche um unser Haus fliegen sehen   können. Die Mehlschwalben brüten ausnahmslos draußen an den Häusern und legen oft größere Kolonen an. Hier am Rhein kann man sie tief über dem Strom fliegen sehen, wenn sie Wasser aufnehmen, um Erde und Lehm damit anzufeuchten, die dann in kleinen Klümpchen zu einem Nest zusammengefügt werden. Manchmal bauen sie ganz wenig Halme ins Nest mit ein. Ihre Nester sind im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand geklebt. Die Nestmulde legen sie mit kleinen Hälmchen und Federchen aus. Vier bis fünf reinweiße Eier kann man schon in der ersten Maihälfte im Nest finden, im Juli brüten sie ein zweites Mal.

Bei so kleinen Vögeln mit solchen großen Verlustquoten, vor allen Dingen auf dem Zug, ist das für die Arterhaltung auch notwendig. Aber Mehlschwalbenmänner sind nicht immer treu, für die zweite Brut nehmen sie sich manchmal ein anderes Weibchen, weil das erste mit der Fütterung der Jungen noch Arbeit ha. Die Mehlschwalben kann man beim Flug sehr gut an der reinweißen Unterseite und dem reinweißen Bürzel erkennen. Bekommt man sie näher zu Gesicht, so hat das schwarze Gefieder einen bläulichen Schimmer. Einen ausgesprochenen Gesang haben sie nicht, es ist nur ein sanftes Zwitschern, was sie von sich geben. Früher empfanden die Menschen es als Glück, wenn Schwalben an oder in ihren Häusern nisteten. Heute aber gehen manche Menschen hin und entfernen die Nester von den Häusern, weil die Schwalben ihnen zuviel Schmutz machen. Kommen dann die Fliegen und Mücken, spritzt man lieber Gift, um ihrer Herr zu werden. Auf die Dauer gesehen schaden sich aber die Menschen wohl mit all dem Gift mehr als sie heute ahnen können. Gertrud Müllenholz

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 22 vom 28.05.1976; Text: Gertrud Müllenholz
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ) Die Mehlschwalbe bei www.bing.com - Die Mehlschwalbe bei Wikipedia - Die Mehlschwalbe bei www.nabu.de
Räume & Galerien
Flora und Fauna im Oberpleiser Hügelland Mein Steckenpferd Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
Aufrufe
245

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.