Aufnahme: 1973

Vogelfütterung zur Winterszeit

Es ist eine schöne Sitte, in der kalten Jahreszeit die frei lebenden Tiere mit Nahrung zu versorgen. Die Jäger nehmen sich des jagdbaren Wildes an und  helfen ihm über die schlimmen Wintermonate hinweg. Die Winterfütterung der Vögel aber ist die Herzensangelegenheit vieler Menschen. Davon künden die Futterhäuschen, die man in den Gärten und auf den Fensterbänken sieht. Die Zeiten sind vorbei, wo nur an den Weihnachtstagen der Vögel  gedacht wurde. Wer Vögel füttern will, muß damit beim Eintritt der kalten Tage und mit kleinen Portionen beginnen; sie so an die Futterstelle gewöhnen, um ihnen im Laufe des Winters je nach Notwendigkeit größere Mengen Nahrung anbieten zu können.

Das Beobachten der einzelnen Vögel an den Futterstellen ist für Kinder und Erwachsene gleich schön. Sie werden dann feststellen, wie die Finkenvögel gleich am Futterplatz sitzen bleiben und die Hanfkörner im Schnabel drehen bis sie sich öffnen und dann gleich futtern. Das Verhalten der Meisen ist ganz anders: Sie holen sich meist einen Sonnenblumenkern, fliegen in den nächsten Baum oder Strauch und verzehren dort nach dem Aufknacken den Inhalt; kommen dann zurück, und so geht es hin und her. Vielleicht hat jemand das Glück und sieht einen kleinen braun-grauen Vogel mit spitzem Schnabel und roten Beinchen, der nur kleinste Samen nimmt oder an der Erde nach kleinen Stückchen sucht, die von größeren Körnern abgesprungen sind. Es ist dies eine Heckenbraunelle. Sie ist ein Vogel, der gerne allein lebt und ein kleiner, tüchtiger Sänger. Doch was soll ich weiter über das Verhalten der Vögel am Futterplatz schreiben - beobachten kann ja jeder selbst.

Ich will heute etwas mehr über das notwendige Futterangebot für die Winterfütterung bei den Vögeln sagen. Die körnerfressenden Vögel in den Städten und Ortschaften werden meist zur genüge versorgt. Es werden ihnen Samenmischungen verschiedenster Qualitäten hingestreut, und jeder muß selbst herausfinden, ob sie den Vögeln zusagen. Ich nehme immer eine Mischung von zwei größeren Teilen Sonnenblumen und Hanf und kleinere Mengen Hirse und Mohn.

Armer sind dagegen die Weichfutterfresser dran. Zu ihnen gehört auch der Zaunkönig. An sie sollte doch auch gedacht werden. Wenn man z. B. Fetttöpfe für die Meisen herstellt - die gekauften Futterringe werden von ihnen oft gar nicht gerne genommen, kann man auch gleich an sie denken. Hier das Rezept dazu: Man nehme reinen Rindertalg, erwärme ihn, gebe Haferflocken und vielleicht noch ein wenig geriebene Nüsse hinein, nehme von der Masse etwas ab und fülle es in kleine, flache Schälchen. Jetzt kann man noch Körner in die Masse geben und dann in die bekannten Futtertöpfe gießen (Blumentöpfe, die man am einfachsten herrichtet, indem man kleine Hölzchen nimmt, diese in der Mitte zweimal mit Kordel oder Draht umwickelt, verknotet und die beiden zum Befestigen bestimmte Enden von innen durch die Öffnung zieht). So können sie dann angebracht werden, wo es zweckmäßig ist. Die kleinen Schälchen kann man vielfach verwenden, z. B. seitlich ins Futterhäuschen stellen oder auf die Fensterbank und zwischen die Sträucher am Boden im Garten.

Für die Rotkehlchen hält man am besten Mehlwürmer bereit. (Mehlwürmer sind in Tierhandlungen zu haben. Mit Kleie oder Mehl in ein altes Einmachglas getan und in Abständen von einigen Tagen mit etwas geriebenen Möhren versorgt, kann man sich einen Vorrat davon anlegen).

Den Meisen ist es ein Genuß, Haselnüsse aus einem grobmaschig gehäkelten Säckchen herauszunaschen. Ein Stück ungesalzener Speck, an einer Kordel befestigt, ist immer angebracht. Angefaultes Obst gehört im Winter nicht in den Mülleimer, sondern in den Garten, wo die Amseln sich darüber freuen, sowie über in warmem, ungesalzenem Fett gedrehte Haferflocken, die durch den Fettüberzug nicht so schnell schlecht - und am besten an geschützten Stellen ausgestreut werden. Vögel sind auch Feinschmecker, sie ziehen die Margarine dem reinen Talg vor. Dies soll aber keine Empfehlung sein und nur im äußersten Notfall Anwendung finden, denn ob es auf die Dauer für die Vögel zuträglich ist, bleibt fraglich.

So wird für die Vögel zwischen den Häusern gut gesorgt; aber wie sieht es im Wald aus?

Wäre es nicht denkbar, daß man als Wanderer, im Siebengebirge z. B. regelmäßig etwas Vogelfutter mitnimmt, es in Schutzhütten oder sonst geeigneten, trockenen Plätzen deponiert, und so die Vögel im Winter an derlei Futterstellen gewöhnt und ihnen dadurch größere Überlebenschancen einräumt?  Diese  Winterfütterung würde sicherlich nicht nur den Vögeln von Vorteil sein, auch der Wanderer selbst würde bestimmt seine Freude daran haben, wenn er bemerkt, wie gerne die gefiederten Freunde seine  Hilfsbereitschaft annehmen.

Gertrud Müllenholz

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 49 vom 07.12.1973; Bericht: Gertrud Müllenholz
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
Räume & Galerien
Flora und Fauna im Oberpleiser Hügelland Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
Aufrufe
100

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.