Aufnahme: 1975
Bildstock wurde zum dritten Mal restauriert
Dreifaltigkeitsdarstellung wieder in Oberpleis
"Seit Monaten haben sich sicherlich viele Oberpleiser Bürger gefragt, was wohl mit dem alten Bildstock in der Mauer des Probsteihofes gegenüber der Post geschieht. Die alte Dreifaltigkeitsdarstellung war plötzlich verschwunden, und man ging daran, das mittlerweile morsch gewordene Mauerwerk auszubessern. Es tauchte die Frage auf, wer hier die Initiative ergriffen habe und sich bemühe, dieses schon seit Jahrzehnten zum vertrauten Ortsbild gehörende Bauwerkchen vor weiterem oder totalem Verfall zu bewahren. Der Arbeitskreis Heimatkunde hat in Zusammenarbeit mit der Kolpingsfamilie die in ihren Möglichkeiten stehenden Renovierungsarbeiten übernommen und versucht nun über die Denkmalpflege die kunsthistorisch wertvollen Kapitelle, Basen und Säulen in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen. Wir erinnern an dieser Stelle an den Leserbrief des Herrn Wilhelm Krey, der im September 1973 in dieser Zeitung an den interessierten Leserkreis die Frage stellte, wer Einzelheiten über das Alter des Bildstockes und die darin befindliche Dreifaltigkeitsdarstellung berichten könne. Auf diesen Aufruf hin kamen mehrere Zuschriften an die Redaktion, in denen jedoch keine eindeutigen Angaben zu der Entstehungszeit und dem Schöpfer des Bildes gemacht werden konnten.
Kurze Zeit später erreichte den Arbeitskreis Heimatkunde ein Brief von Frau Tony Bachem-Heinen.
Brief von Tony Bachem- Heinen, an den Vorsitzenden des Arbeitskreises Heimatkunde, vom 27. September 1973
"Lieber Fritz Karl,
Du staunst gewiss, dass ich Dir schreibe, genauso gern käm ich Euch mal besuchen, aber die Zeit fehlt mir. Vielleicht finde ich sie doch bald mal. Der Anlass meines Schreibens ist das Titelblatt der Siebengebirgs-Zeitung Nr. 36, wo das Heiligenhäuschen von der Herresbacherstraße wiedergegeben ist. Die Redaktion fragte nach der Geschichte des Häuschens, darüber weiß ich nichts, wohl aber, wer das Bild malte: ich! Vielleicht ist Dir das aber längst bekannt. Ich habe das Bild nach einer Vorlage von Raffael od. Leonardo 1930 gemalt. Ich hatte gerade als Primanerin von meinem Vater einen Oelmalkasten geschenkt bekommen. Die Anregung, das Bild neu zu malen, kam damals vom 'Verein Heimatpflege', bei dem mein Vater maßgebend tätig war, so wie Du heute mit der Fortsetzung dieses Vereins. Herr Falderbaum brachte mir damals die passende Sperrholzplatte, und ich gab mich 'frisch-fromm-fröhlich- frei' ans Malen. Es war leider nicht viel dabei herausgekommen. Mein Bruder Klemens hatte meine Arbeit schwer kritisiert. Nun ja, 'Kitsch ist das, was der andere macht!' Es war ja auch mein erstes Bild und ich malte es auch noch kostenlos für den Verein. Mittlerweile ist das Bild stark verwittert und ich möchte es gerne neu malen, aber nach meinem Entwurf. Was hältst Du von den drei Eisheiligen mit dem Patron der Oberpleiser Kirche? Wie es technisch am besten zu machen ist, ist mir noch nicht ganz klar, und wir können uns mal darüber unterhalten.
Herzliche Grüße
Deine Tony"
Dankend nahm der Arbeitskreis dieses großzügige Angebot an. Das Bild wurde herausgetrennt und nach Unkel, dem jetzigen Wohnsitz des Ehepaares Bachem, gebracht. Auf der Rückseite der Holzplatte entdeckte man folgende Inschrift: 'Der Verein Heimatpflege ließ 1912 dieses um 1850 auf die alte Platte gemalte Bild zur Erinnerung an die Dreifaltigkeitskirche zu Oberpleis von C. Schmitz-Pleis erneuern', (was auch in einer Leserzuschrift schon erwähnt wurde). 'Der Centralvorstand: Schonauer, Harth, Dr. F. Heinen, Oberpleis, am 18. 10. 1912. 2. Erneuerung im Mai 1930 von Frl. Tony Heinen, Oberpleis.'
Frau Tony Bachem-Heinen verzichtete mit Absicht auf eine modernere Darstellungsweise der Dreifaltigkeit und hielt sich an die alte Vorlage. Am Kirmessamstag, dem Tag vor dem Dreifaltigkeitsfest, wurde nun das Bild an seinen alten Aufstellungsort zurückgebracht — sicherlich zur Freude aller Oberpleiser Bürger, die recht zahlreich erschienen waren, um der Enthüllung des Bildstocks in der Mauer des Propsteihofes beizuwohnen. Fritz Karl Birkhäuser vom Arbeitskreis Heimatkunde dankte bei seiner Ansprache allen, die durch ihre Hilfe mit dazu beigetragen haben, das örtliche Kleinod zu erhalten und zu restaurieren. Er appellierte an die Bürger, auch weiterhin die Initiativen des Arbeitskreises Heimatkunde zu unterstützen. Martin Niederstein, der Besitzer des Grundstückes, auf dem das Heiligenhäusdien steht, schloss sich im wesentlichen den Worten seines Vorredners an und betonte weiter, dass er selbst schon beim Landeskonservator vorstellig geworden sei, um eine finanzielle Unterstützung für die weitere bauliche Restaurierung des Bildstocks zu erreichen — bisher aber ohne Erfolg. Niederstein erklärte sich aber gerne bereit, auch selbst dafür zu sorgen, dass das Heiligenhäuschen weiter gepflegt und in Ordnung gehalten wird. Diese Versicherung unterstrich er mit der Überreichung eines Schecks zu Händen des Arbeitskreises Heimatkunde und mit der Bitte, dieses Geschenk im Sinne der Denkmalspflege zu verwenden."
Die obige Abbildung zeigt den Bildstock vor und nach der dritten Restaurierung.
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