Aufnahme: 1969
Die Unschuld des Kindes
Diesen Linolschnitt schuf Tony Bachem nach dem Tode der kleinen Tochter eines guten Bekannten. Sie war nur ein paar Monate alt geworden.
Im Mittelpunkt des Bildes steht ein kleines Mädchen, den Kopf leicht zur Seite geneigt, mit fragendem und verständnislosem Gesichtsausdruck. Licht umgibt den ganzen Körper des Kindes, und Strahlen dringen rundum in die Dunkelheit, in die Welt des Bösen, die gekennzeichnet ist durch die „Sieben Todsünden“, Faulheit, Geiz, Hochmut, Neid, Völlerei, Wollust und Zorn.
Mit geringen Bildmitteln hat Tony Bachem es verstanden, die Todsünden anschaulich darzustellen.
Der nichts Tuende, faul in der Sonne Sitzende verkörpert die Faulheit. Neben ihm prostet ein schon vom Alkohol gezeichneter Trinker zu. Seine Wangen und die Nase sind stark gerötet. Übermäßiger Genuss wird zur Völlerei. Der Hochnäsige setzt sich selbst die Krone auf und sieht verächtlich auf die anderen herab. Zwei Männer ringen miteinander. In seinem Zorn erhebt der Rechte sogar ein Messer gegen seinen Widersacher, während dieser ihm den Hals zuhält.
Fest umschlossen hält der Geizige seinen Geldbeutel in den Armen. Angst um sein Geld zeichnet sich in seinem Gesicht ab. Er ist in Abwehrhaltung. Zwei hässliche alte Weiber tratschen miteinander. Neid spricht aus ihren Gesichtern. Ganz dezent stellt Tony Bachem die Wollust dar. Eine junge Frau blickt herausfordernd den Betrachter an und sieht sich im Geiste nackt tanzend.
Die Unschuld des Kindes überstrahlt alle Bosheiten dieser Welt.
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