Aufnahme: 1965
Philemon und Baucis, ein Linolschnitt von Tony Bachem-Heinen
Die Sage von Philemon und Baucis stammt aus den Metamorphosen des Ovid:
Göttervater Zeus und sein Sohn Hermes sind auf die Erde gekommen und suchen in einer Stadt eine Unterkunft. Doch keiner ist bereit, sie aufzunehmen, bis auf ein altes Ehepaar, das in ganz ärmlichen Verhältnissen in einer winzigen Hütte am See wohnt.
Mit dem Wenigen, das sie haben, bereiten sie den Gästen ein Mahl und erkennen plötzlich, wen sie da als Gäste bewirten. Sie entschuldigen sich bei den Göttern für die karge Mahlzeit. Diese sind so gerührt von der Gastfreundschaft der beiden Alten, dass sie die Hütte in einen goldenen Tempel verwandeln mit den beiden als Priester.
Philemon und Baucis, die sich noch immer innigst lieben, haben noch einen Wunsch, sich niemals trennen zu müssen und gemeinsam zu sterben. Dieser Wunsch geht in Erfüllung. Am Ende ihres Lebens verwandeln die Götter die beiden in Bäume, die dicht beieinander stehen. Die Stadt lassen sie im See untergehen.
Auf dem Linolschnitt von 1965 verzichtet Tony Bachem bewusst auf die Darstellung des eigentlichen Geschehens in der Sage von Philemon und Baucis, um sich ganz auf die beiden zu konzentrieren. Diese sitzen an Weihnachten (?) vor dem Tannenbaum, drei Kerzen schmücken ihn.
Der Ofen ist ausgegangen und es ist kalt in der ärmlichen Hütte. Das Paar hält sich liebevoll und zärtlich an den Händen. Verliebt, aber leicht sorgenvoll schaut die Frau ihren Mann an. Der versucht sie zu trösten.
Ihre Liebe macht sie stark gegen die Unbilden der Welt, die von außen auf sie eindringen wollen. Ihr Häuschen ist nahtlos mit einem Schiffsrumpf verbunden, zu erkennen an den vier parallel verlaufenden Linien. Wellen, Sturm und Platzregen können den beiden nichts anhaben.
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