Aufnahme: 2024

Oberpleis im Wandel der Zeit

Wo der Pleisbach rauscht am Waldessaum
noch Rehe äsen im Ackerraum,
dieses Fleckchen tausch ich um keinen Preis,
denn dort liegt mein schönes Oberpleis.

Als mitten im Ort noch die Schule stand,
Lehrer Niederstein großes Gefallen an Schmetterlingen fand.
Zuhause hatte er der Kühe sieben,
sie wurden über die Pflasterstraße zur Weide getrieben.

lm Salon Pütz ließ man die Haare locken,
im Haus Dreesen kaufte man Hemd und Socken.
Beim Willi Krause gab's Fritten und Wurst,
und bei Frau Stärk löschte man den heißen Durst.

Gut behütet ging man bei Frau Henseler raus,
Radio Lissem' s Rekorder ein Ohrenschmaus.
Beim Buchholz Mähnes gab es Bier und Wein,
auch Gurken und Soleier konnten es sein.

lm Gasthof Bramkamp kann man so sagen,
da war was los an Kirmestagen.
Es wurde getanzt, getrunken und gelacht
am späten Abend bis in die Nacht.

Bäcker Schäfer, gleich nebenan,
backte Brot und Torten für Jedermann.
Ein kleiner Landen für große Belange,
ein jeder hat maI klein angefangen.

Bei Kreidler Willi brauchte man nicht laufen,
Motorräder und Mofas konnte man bei ihm kaufen.
Frau Lehmacher führte einen Gemüseladen,
nebenan in der Backstube hatten Vedders das Sagen.

Dr. Becker und Dr. Ritter aus medizinischer Sicht
hielten in Oberpleis das Gleichgewicht.
En Pleeser Jung, Dr. Bussen, kam an,
gleich hatten es ihm alle angetan.

Mit der kleinen Bimmelbahn
fuhren alle bergab, bergan.
Alle Sorgen waren schnell vergessen,
bei denen, die in der schnaufenden Bahn gesessen.

Die Propsteikirche im Ort aus alter Zeit
wurde dem heiligen Pankratius geweiht.
Pastor Wichert wirkte dort ohne Gleichen,
Pfarrer Stein konnte dieses Ziel nie erreichen.

Ein Kino war damals auch schon vor Ort,
Heimat- und Trickfilme immerfort.
In der Woche Berichte vom Zeitgeschehen,
so etwas konnte man nur im Kino sehen.

lm dunklen Saal an Post Mattes Eck
wurde Kirmes Montag getanzt wie jeck.
Wenn der Jüdd von Bachem auf der Liste stand,
waren die Pleeser außer Rand und Band.

Die Metzgerei Mirbach stand hoch im Kurs,
dort gab es frisches Fleisch, Schinken und Wurst.
Über Zustrom brauchte man nicht klagen,
Kunden standen zur Tür raus an manchen Tagen.

Das Gasthaus Lichtenberg, gleich nebenan,
hatte es den Dörflern angetan.
Beim kühlen Bier man Ruhe fand,
noch ein kleiner Saal im Garten stand.

War Tapetenwechsel angesagt,
war das Farbengeschäft Wendel sehr gefragt.
Bei Höhnscheid's konnte man Lebensmittel kaufen,
wie bei Knochs und Edeka ohne zu laufen.

Zwei Drogisten, Birkhäuser und Oppermann
kamen gut bei den Kunden an.
Besonders Oppermann's Feldwebet Müller
für viele abends ein Alltagsstiller.

In Röttgens Schmiede ganz ohne Hast,
bekamen Pferde neue Schuhe verpasst.
lm Haushaltsladen nebenbei
gabs Schalen, Becher für en Appel und en Ei.

In der Bäckerei Henseler gabs schon verschiedene Sorten
an Brötchen, Teilchen , Kuchen und Torten.
Zwei Elektroläden, Vogt und Lichtenberg unverdrossen,
sind schon über Jahre geschlossen.

Warum dann zum Bauern laufen,
bei Dahs gabs Milch und Sahne zu kaufen.
Und Bilder gemacht von eigener Hand,
hingen bei Foto Balensiefen an der Wand..

In der Löwenapotheke im Heinen Haus,
gingen die Menschen ein und aus.
Auch sie mussten einen neuen Standort suchen,
die neue Raiffeisenbank konnte das Grundstück verbuchen.

Bestecke, Gläser, Tasse, Teller en gros
Fahrräder mit und ohne Schloss.
Eine Tankstelle noch vor dem Hause stehen,
bei Hödtkes konnte man dies alles sehen.

Fünf Tankstellen standen in Oberpleis,
doch alle sind sie heute leider verwaist.
Viele alte Dinge sind gegangen,
um Platz zu schaffen für neue Belange.

Verletzte gab es immer und überall,
ein Krankenhaus stand bereit für so einen Fall.
Plötzlich war das Haus zu klein,
ein Müttergenesungsheim musste es sein.

Viele Kinder, in die Schule gehen,
sie darf heute 300 m weiter stehen.
Der Busbahnhof hat diesen Platz eingenommen,
in alle Richtungen kann man jetzt kommen.

Diese gute alte Zeit,
man nehme was noch übrig bleibt.
Viele werden kommen, andere gehen,
in diesem hektischen Zeitgeschehen.

Oberpleis hat Bestand, ist immer bereit,
ein Zeichen für die Ewigkeit.

 Federzeichnung von Tony Bachem-Heinen (Original von Bild 1)

Zur Verfügung gestellt von
Maria Meurer: Autorin (Gedicht); Willi Joliet: Bild 1; Tony Bachem Heinen Bild 2 (Original von Bild 1)
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