Aufnahme: 2024
Das neue Volksbank-Gebäude an der Dollendorfer Straße
Von der Pleeser Kass zur Volksbank Köln Bonn eG
Am Anfang stand „De Kass“: Nach dem Vorbild Friedrich Wilhelm Raiffeisens, der in der wirtschaftlichen Selbsthilfe des Landvolkes und deren genossenschaftlichem Zusammenschluss eine Möglichkeit sah, der ländlichen Not abzuhelfen, schlossen sich am 8. Mai 1890 auf Initiative des damaligen Hauptlehrers Karl-Josef Hardt und des Bürgermeisters Peter Heuser 72 Bürger aus Oberpleis und Umgebung zusammen und gründeten den Oberpleiser Darlehenskassen-Verein. Da es im Oberpleiser Gebiet keine Kasse gab und allen die zwingende Notwendigkeit einer Selbsthilfeeinrichtung klar war, konnte die Kasse bald ihre hilfreiche Arbeit aufnehmen. Laut Eröffnungsprotokoll beabsichtigten die Gründer die Verhältnisse der Vereinsmitglieder in jeder Beziehung zu verbessern und die dazu notwendigen Voraussetzungen zu schaffen: „die zu Darlehen an die Mitglieder erforderlichen Geldmittel unter gemeinschaftlicher Garantie zu beschaffen, besonders auch müßig liegende Gelder anzunehmen und zu verzinsen.“ Die Bewohner von Oberpleis und Umgebung hatten nun die Möglichkeit, bei ihrer Kasse ihre Ersparnisse gegen eine gute Verzinsung einzuzahlen. Dadurch konnte vielen Mitgliedern, beispielsweise Landwirten, die durch Unglücksfälle, Dürren, Viehverluste oder ähnliches in eine Notlage geraten waren, durch Bewilligung von günstigen Darlehen geholfen werden. Diese waren jetzt nicht mehr gezwungen, Geld zu Wuchersätzen zu leihen und manche Familie konnte so ihren Hof erhalten.
Auch der gemeinsame Bezug von Waren bot erhebliche Vorteile. 1894/95 etwa wurden 54 Waggons Kohlen bezogen und unter den Mitgliedern verteilt. 1896 wurde am Bahnhof ein Kohlenlager errichtet. Man begann Torf, Düngemittel und Saatgut gemeinsam zu bestellen. 1910 wurde die Anschaffung einer Fuhrwerkswaage und der Neubau eines Kohlenlagers beschlossen, um eine bessere und schnellere Versorgung mit Brennmaterialien zu gewährleisten. Im gleichen Jahr wurde Oberpleis an das Stromnetz angeschlossen.
In der „Kass“ wurden 1901 erstmals Darlehen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren gewährt. 1912 wurden – um das Sparen zu fördern - erstmals Heimspardosen ausgegeben. Im ersten Weltkrieg erhielten die eingezogenen Mitglieder zu Weihnachten Unterstützungsbeiträge zu je 20 Reichsmark. Auch der „Vaterländische Frauenverein“ wurde beim Versand von Weihnachtspäckchen an die Soldaten unterstützt.
Nach dem verlorenen Krieg wurde auch das Vermögen der Kasse durch die Inflation nahezu aufgezehrt. Doch danach fassten die Mitglieder der „Kass“ rasch neuen Mut und es setzte eine erstaunlich rege Spartätigkeit ein.
1926 machte man sich erstmals Gedanken darüber, ein Bankhaus zu bauen. An der Ecke Herresbacher/Königswinterer Straße wurde ein Grundstück erworben und im Jahr 1928 das neue Kassengebäude errichtet. Zuvor war die Kasse in der Wohnung des Mitbegründers und damaligen Geschäftsführers Matthias Bellinghausen, genannt „Post-Matthes-Hein“, in der Dollendorfer Straße untergebracht. Der Neubau bewirkte nun eine noch größere Aktivität der Mitglieder; trotz Weltwirtschaftskrise und steigender Arbeitslosigkeit konnte die stetige Aufwärtsentwicklung der Kasse nicht aufgehalten werden. 1931 trat Matthias Bellinghausen in den Ruhestand und sein Sohn Christian übernahm die Leitung der Genossenschaft. An der Landwirtschaftsausstellung 1934 in Oberpleis beteiligte sich auch die Kasse und in der Folge wurden für die landwirtschaftliche Kundschaft einige Landmaschinen wie eine Saatgutreinigungsanlage, ein Kleereiber und eine Kartoffeldämpfkolonne angeschafft. Zudem wurde 1938 am Bahnhof ein ausreichend großes Gelände für den Neubau eines Lagerhauses erworben. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren musste die Genossenschaft starke Rückschläge hinnehmen. Doch nach der Währungsreform 1948 setzte nach einer kurzen Stagnierung wieder eine erfolgreiche Geschäftsbelebung ein.
Johann Quirrenbach aus Berghausen übernahm 1953 die Geschäftsführung der Genossenschaft, die sich nun Raiffeisenbank Oberpleis nannte. Vollbeschäftigung und Hochkonjunktur brachten der Bank Anfang der 1950er Jahre ein schnelles Wachstum. Um das beachtliche Dienstleistungsgeschäft - Bearbeitung von Überweisungen und Daueraufträgen, An- und Verkauf von Wertpapieren und Reisezahlungsmitteln, Durchführung der verschiedenen Spar- und Anlageformen sowie die Vermittlung von Versicherungen und Bausparverträgen - durchführen zu können, erhielt das Bankgebäude 1956 einen neuen Anbau. Zudem wurden in Thomasberg und Eudenbach Zweigstellen errichtet, um die Kundenbetreuung zu verstärken.
Das Warengeschäft der Raiffeisenbank erlebte einen beachtlichen Aufschwung. War es ursprünglich für Landwirte gegründet worden, so konnte es inzwischen von allen Bürgern genutzt werden. 1958 übernahm der Hennefer Heinz Renn von Karl Reuter die Geschäftsführung des Warengeschäfts. Das Lagergebäude am Ortseingang von Oberpleis wurde in den folgenden Jahren kontinuierlich vergrößert; Lagerhallen wurden angebaut, bestehende Räumlichkeiten umgebaut und ein weiteres Grundstück für den Bau einer zusätzlichen Lagerhalle angekauft. Zudem wurde ein großes Getreidesilo gebaut und 1960 beispielsweise vier LKWs angeschafft, um den laufend steigenden Umsatz bewältigen zu können. Auch der Lagerplatz wurde erweitert.
Nach dem Ausscheiden von Johann Quirrenbach wurde Theodor Schleder 1962 neuer Geschäftsführer der Raiffeisenbank, die im Vorjahr in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt worden war. Der Umfang der Bankgeschäfte machte 1965 eine neue Erweiterung des Bankgebäudes nötig. Der Betrieb wurde auf elektronische Datenverarbeitung (EDV) umgestellt und ein Nachttresor wurde eingebaut.
Der Geschäftsbereich der Oberpleiser Bank wurde weiter ausgedehnt; im Rahmen einer Fusion übernahm die Raiffeisenbank Oberpleis 1969 die Spar- und Darlehnskasse Heisterbacherrott und änderte ihren Namen in Raiffeisenbank Siebengebirge. 1970 verschmolz die Raiffeisenbank mit der Spar- und Darlehnskasse Ittenbach. 1973 wurde der bisherige Geschäftsführer Theodor Schleder als stellvertretender Vorsitzender in den Vorstand berufen. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank, Josef Giesen, trat 1974 in den Ruhestand und wurde in Anerkennung seiner großen Verdienste zum Ehrenvorsitzenden der Genossenschaft ernannt. Zu dieser Zeit wurden bereits die Umstellung auf Datenverarbeitung mit einer Direktverbindung zum Rechenzentrum in Köln und der Neubau eines Bankgebäudes an der Dollendorfer Straße geplant.
In Hennef-Westerhausen richtete man eine Zweigstelle ein. Das Bankgeschäft konnte erheblich ausgebaut werden, doch an der Herresbacher Straße war kein weiterer Anbau möglich. Daher wurden drei zusammenhängende Grundstücke im Zentrum von Oberpleis erworben, die darauf stehende alte Löwenapotheke abgerissen und 1978 mit dem Bau eines neuen Bankgebäudes begonnen. Die neue Hauptstelle der Raiffeisenbank mit kundenfreundlichen Bankeinrichtungen und neuer Datentechnik wurde am 18. März 1981 eingeweiht.
Neben den üblichen Bankgeschäften betrieb die Raiffeisenbank auch weiterhin ein umfangreiches Warengeschäft. So mussten 1980 und 1985 wegen gestiegener Getreideanlieferungen neue und größere Getreidesilos angeschafft werden. Neben Bedarfsartikeln für die Landwirtschaft, für Hof und Garten, wurden auch verstärkt Baustoffe, Heizöle, Kohlen und Briketts angeboten. Die stetige Aufwärtsentwicklung der Raiffeisenbank Siebengebirge eG zeigte sich im guten Kontakt und dem ausgeprägten persönlichen Vertrauensverhältnis zwischen den Kunden und der Bank.
Bernd-Wilhelm Dahs, der als Aufsichtsratsvorsitzender mit seinem Weitblick die Bank am Ort voranbrachte, trieb 1988 die Fusion der Raiffeisenbank Siebengebirge mit der Raiffeisenbank Uckerath voran. Damit wurde die Bank zu einem leistungsfähigen Unternehmen, das den ständig steigenden Anforderungen der Zukunft gerecht wurde.
1989 trat Bankdirektor Theodor Schleder nach 27-jähriger erfolgreicher Tätigkeit in der Geschäftsführung der Genossenschaft in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Ulrich Kunze, den fortan Rudolf Alda und Gregor Sessenhausen im Vorstand unterstützten.
1990 wurde in Thomasberg eine neue moderne Geschäftsstelle in der Siebengebirgsstraße in Betrieb genommen. Auch in Ittenbach wurde eine neue Geschäftsstelle errichtet. Die Filialen in Heisterbacherrott und Eudenbach wurden modernisiert. Aufgrund steigender Beratungsanforderungen wurde die Schalterhalle der Geschäftsstelle in Oberpleis 1993 mit dem Einsatz moderner Technik neugestaltet. Eine Selbstbedienungszone und ein neuer Beratungsbereich wurden eingerichtet.
Um angesichts neuer Herausforderungen am Ende des 20. Jahrhunderts Kräfte zu bündeln, schlossen sich zahlreiche Genossenschaften in der Region zusammen; so auch die Raiffeisenbank Königswinter-Oberpleis (ehemals Siebengebirge), die Volksbank Bonn und die Raiffeisenbank Eitorf im Jahr 1996 zur Volksbank Bonn Rhein-Sieg.
Im Zuge dieser Fusion gab die Raiffeisenbank Königswinter-Oberpleis 1995 das Warengeschäft ab an eine Tochtergesellschaft, an der die Bank und die Raiffeisenwarenzentrale (RWZ) in Köln je zur Hälfte beteiligt waren. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Ulrich Kunze übernahm neue Aufgaben in der Bonner Zentrale der Gesamtbank. Die erste Regionaldirektorin für den Bereich Königswinter wurde Gisela Lehmann.
1997 kam die Volksbank Hennef, 1998 die Volksbank Vorgebirge und 1999 die Volksbank Siebengebirge in Bad Honnef hinzu.
2008 wurde das Volksbank-Gebäude modernisiert und umgebaut. Parallel dazu wurde in Kooperation mit den Grundstückseigentümern, der Familie Hödtke, das Areal zwischen Volksbank und Rewe-Markt umgestaltet und es entstand ein neuer gemeinsamer Kunden-Parkplatz, der auch einen Zugang zur Königswinterer Straße bietet.
Im Juni 2017 erfolgte die Fusion der Volksbank Bonn Rhein-Sieg mit der Kölner Bank eG zur neuen Volksbank Köln Bonn eG, einer der großen und leistungsfähigen Volksbanken im Rheinland. Mit Bankdirektor Volker Klein ist ein Vorstandsmitglied im Vorstandsgremium, der seine Banklehre in der Raiffeisenbank Oberpleis angetreten hat und alle vorgenannten Fusionen in den Folgeinstituten bis zu Volksbank Köln Bonn eG miterlebt und mitgestalten konnte.
Zur Galerie "Raiffeisenbank Oberpleis" - siehe Link unten.
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