Aufnahme: 2024
Die Kreissparkassen-Filiale in der Dollendorfer Straße 20
Wenn’s um’s Geld geht… Die Sparkasse Oberpleis
Den Begriff „Sparkasse“ kennt man seit dem 18. Jahrhundert; darunter verstand man „eine öffentliche Einrichtung zur Aufbewahrung von Ersparnissen mit Zinszahlung“. Die Idee entsprang dem Wunsch, die Armenversorgung und -gesetzgebung zu reformieren und finanzärmeren Bevölkerungsschichten eine sichere Möglichkeit zu geben, kleine Beträge verzinslich zurückzulegen und damit für das Alter oder einen Krankheitsfall vorsorgen zu können. Durch den Aufbau eines flächendeckenden Sparkassennetzes wollte man die wirtschaftliche Lage der Arbeiter und kleinen Landwirte verbessern. Die ersten Vorläufer der Sparkasse in Deutschland hießen Waisenkassen oder Leihkassen. Nachdem 1801 in Göttingen die erste städtische Sparkasse eröffnet worden war, entstanden daraufhin etliche solcher Einrichtungen, so dass die kommunale Sparkasse nach und nach üblich wurde. Um Sparangelegenheiten auch in kleineren Orten außerhalb der Verkehrsknotenpunkte zu schaffen, entstanden später die Kreissparkassen. Die erste wurde 1831 in Thüringen eröffnet. Das erste Sparkassengesetz regelte ab 1838 vor allem die Verwaltung der Sparkassen und die Sicherheit der Spargelder. Man ging vorsichtig an das Geldgeschäft heran. Besonders schwierig war die Auswahl geeigneten Fachpersonals, das häufig aus anderen Berufen kam.
Im Siegkreis wurden ab 1906 neben der Kreissparkasse in Siegburg in zahlreichen Gemeinden sogenannte „Nebenrendanturen“ eingerichtet, in denen die Nebenrendanten Sparbeträge bis zu 1.000 Mark entgegennehmen konnten, die dann binnen acht Tagen in der Siegburger Hauptstelle abgeliefert werden mussten. Ab 1909 durften die Nebenrendanten auch Rückzahlungen an die Kunden vornehmen. Damit war der Weg zur Zweigstelle geebnet. Der erste Hinweis auf eine Nebenrendantur in Oberpleis findet sich für das Jahr 1912, möglicherweise gab es aber auch schon vorher eine Annahmestelle. Vom 8. April 1913 existiert ein Vorstandsbeschluss, den durch Krankheit ausgefallenen Nebenrendanten Müller durch den Taxator Franz Bellinghausen als Verwalter der Annahmestelle zu ersetzen. Dieser wurde jedoch schon am 24. Juni 1913 durch den Bautechniker und Unternehmer Koch abgelöst. Zweigstellen der Kreissparkasse Siegburg wurden erst 1913 eingerichtet. Neben acht weiteren Zweigstellen und elf Annahmestellen (Nebenrendanturen) im Siegkreis wurde die spätere Hauptzweigstelle in Oberpleis am 10. November 1914 gegründet. Untergebracht war sie im Haus Schurff, Dollendorfer Straße 17 (den späteren Geschäftsräumen von Elektro Vogt, jetzt Geers Hörgeräte). Damit hatten die Oberpleiser Bürger neben der „Kass“ des 1890 gegründeten Oberpleiser Darlehenskassen-Vereins eine zweite Möglichkeit, ihre Geldgeschäfte abzuwickeln. Der Regierungspräsident genehmigte die Zweigstellen-Gründung jedoch erst am 25. Januar 1916, nachdem der Vorstand der Kreissparkasse argumentiert hatte, dass man damit „den Bewohnern des Siegkreises den Geschäftsverkehr mit der Kreissparkasse erleichtern und den Sparsinn des Publikums heben“ wolle.
Anfangs hatte die Kreissparkasse mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Sparkassengründung fiel in eine wirtschaftlich sehr schwierige Zeit. Das Vertrauen der Bevölkerung in das neue Kreditinstitut musste erst noch gefestigt werden und durch den Ersten Weltkrieg verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage in der Region wieder deutlich. In seiner Broschüre „Leben in Oberpleis“ schreibt Karl Hermann Uhlenbroich, dass im Jahre 1922 die monatliche Vergütung des Herrn Koch, der die Zweigstelle Oberpleis leitete, sich auf 120 Mark belief und die Miete mitsamt Nebenkosten 10 Mark betrug. Da der Gegenbuchführer Raderschall gekündigt hatte, sollte angesichts der schwierigen Verhältnisse die Zweigstelle künftig nur mit einer Kraft besetzt werden. Zusätzlich zu seiner Vergütung erhielt der Zweigstellenleiter auch eine jährliche Provision von zehn Prozent auf die Steigerung der Spareinlagen. Über die folgenden Jahre gibt es keine Informationen zu der Zweigstelle in Oberpleis; sie scheint für einige Zeit geschlossen worden zu sein. Am 13. August 1925 wurde die Filiale laut Vorstandsbeschluss wieder eröffnet. Danach gibt es wieder nur einzelne Hinweise auf die Existenz der Zweigstelle. Eine im Folgenden schlechte Geschäftsentwicklung schrieb man unter anderem der ungünstigen Lage der Zweigstelle im Ort zu. Verhandlungen über den Kauf eines Hauses an der Siegburger Straße 10, in die sich auch der damalige Bürgermeister Rudolf Hahn einschaltete, scheiterten jedoch an unterschiedlichen Preisvorstellungen.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte nicht die erhoffte Besserung mit sich. Aus ab 1935 vorhandenen den Rohbilanzen der Zweigstelle Oberpleis kann man die geschäftliche Entwicklung direkt verfolgen: Die Spareinlagen stiegen von 1935 bis 1945 von 434.000 auf fast 3.166.000 Reichsmark an. Die Giroeinlagen wuchsen im gleichen Zeitraum von knapp 9.000 auf annähernd 440.000 Reichsmark, während das Volumen der gewährten Kontokorrentkredite sich mit einem Rückgang von 27.000 auf 13.000 Reichsmark halbierte. Der Jahresumsatz von 2.496 Millionen Reichsmark in 1938 erhöhte sich im Jahre 1944 auf 8.275 Millionen Reichsmark. Damit wurde die geschäftliche Entwicklung der Sparkasse Oberpleis von den Tendenzen bestimmt, die seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten für die gesamte Kreditwirtschaft und besonders für die Sparkassen bestimmend waren: Ab 1939 wurden fast alle Gelder zur Finanzierung des Krieges bereitgestellt und Sparen zur „nationalen Pflicht“ erklärt. Nach der Währungsreform im Juni 1948 belief sich der Halbjahresumsatz auf 2.480 Millionen D-Mark.
1941 war die Oberpleiser Filiale als Hauptzweigstelle mit einem Geschäftsbereich von etwa 70 Ortschaften immer noch mit nur einer Kraft besetzt. Trotz mancher Behinderungen während des Krieges wurde der Geschäftsbetrieb bis zum Kriegsende aufrechterhalten. Doch wie andere Zweigstellen der Kreissparkasse Siegburg auch wurde die Oberpleiser Filiale kurz vor der alliierten Besetzung des Ortes im März/April 1945 beschossen. Der Bank-Safe wurde nach den Kampfhandlungen beschädigt vorgefunden. Von Schäden durch Bomben- oder Granateinschlägen an den Gebäuden, in denen die Zweigstelle untergebracht war, ist nichts bekannt. So wurde die Hauptzweigstelle Oberpleis im Juni 1945 neben der Kirche (jetzt befindet sich dort ein Juweliergeschäft) wiedereröffnet und die Kassengeschäfte dort wieder aufgenommen. Dabei hatte die Oberpleiser Filiale mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen wie die Hauptstelle in Siegburg: dem Mangel an politisch unbelastetem Fachpersonal, insbesondere für die leitenden Positionen, und der allgemein sehr instabilen wirtschaftlichen Lage bis zur Währungsreform 1948. Am 16. Mai 1950 beschloss der Vorstand der Kreissparkasse, die Räumlichkeiten der Hauptzweigstelle in ein günstiger gelegenes Geschäftslokal zu verlegen. Auch eine erhöhte Monatsmiete und die anfallenden Einrichtungskosten wurden genehmigt. 1955 wurde der Plan endlich realisiert und in der Dollendorfer Straße 20 ein Neubau errichtet, in den die Zweigstelle im gleichen Jahr umzog.
Kurzfristig erweiterte sich ab dem 31. Mai 1950 das Geschäftsgebiet der Sparkasse: Die bisherige Hauptzweigstelle Aegidienberg wurde in dieser Zeit intern als Nebenzweigstelle der Hauptzweigstelle in Oberpleis geführt.
Die Jahre nach 1951 waren geprägt vom deutschen Wirtschaftswunder. Durch die Wahl Bonns zur Bundeshauptstadt im Jahr 1949 brach in den 1950er Jahren ein wahrer Bauboom in der Region aus. Der Wirtschaftsaufschwung spiegelte sich auch in der geschäftlichen Entwicklung der Sparkasse wider. Die Kreditvolumina stiegen langsam aber stetig an. Eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des Ortes und seiner weiteren erfolgreichen Entwicklung spielten auch die Kommunalkredite. Hier waren bis zum Anfang der 1960er Jahre in erster Linie Sparkassen gefragt, deren Gewährsträger die Kommunen waren. Eingesetzt wurden die Kredite für die Verbesserung der Infrastruktur. Mit der positiven Entwicklung der geschäftlichen Lage der Oberpleiser Sparkasse wurden auch ihr Erscheinungsbild und die vorhandene Technik stetig verbessert. Bis zur Einführung der EDV 1970 wurden beispielsweise alle Buchungsvorgänge und die Kontoführung in der Oberpleiser Filiale abgewickelt. Das erforderte einen für die Filiale im Verhältnis zum umgesetzten Volumen relativ hohen Personalbestand von zehn Mitarbeitern.
1971 fiel die Unterscheidung zwischen „Hauptzweigstelle“ und „Nebenzweigstelle“ weg und die Differenzierung wurde nur noch intern verwendet.
1979 begann der Um- und Anbau der Zweigstelle in der Dollendorfer Straße 20 und das damit deutlich erweiterte Gebäude konnte am 28. April 1980 eingeweiht werden. 1987 bekam die Kreissparkassen-Zweigstelle in Oberpleis auch einen ec-Automaten.
Auch in Oberdollendorf gab es seit 1928 eine Zweigstelle, jedoch als Filiale der 1905 eröffneten Amtssparkasse Oberkassel. Diese fusionierte 1935 mit der Siegburger Kreissparkasse und brachte dabei auch ihre Dollendorfer Zweigstelle mit ein. Damit befanden sich im Gebiet der heutigen Stadt Königswinter bis 1960 insgesamt drei Zweigstellen: in der Altstadt, in Oberpleis und in Dollendorf. Dazu gesellten sich später Geschäftsstellen in Ittenbach (ab 1960), Stieldorf (ab 1970) und Thomasberg (stationär ab 1979, nachdem zunächst eine mobile Zweigstelle, die an „Fremdenverkehrswochenenden“ auch in der Altstadt eingesetzt wurde, die dortigen Kunden versorgt hatte). Da sich die Stadtteile Oberpleis und Dollendorf baulich und auch gewerblich schwungvoll entwickelten, kam den dortigen Geschäftsstellen ab den 1970er Jahren eine besondere wirtschaftliche Bedeutung zu.
Die Zahl der Kunden und damit auch der Beratungsbedarf wuchsen ständig an. Wie Bezirksdirektor Herbert Krämer 1993 feststellte, hatte sich der Geschäftsumfang in den vergangenen 20 Jahren mehr als verfünffacht. Ein Neubau wurde also dringend nötig. Den ursprünglichen Plan einer Erweiterung gab man bald auf. Denn aufgrund schlechter Bodenverhältnisse wären bei einem Teilabriss umfangreiche Stützungsmaßnahmen notwendig und die Erweiterung somit teurer geworden als ein Neubau. So wurde das alte Gebäude einschließlich eines 1986 hinzuerworbenen Nebengebäudes abgerissen und durch einen modernen, funktionalen Neubau ersetzt. Dazu zog die Bank vorübergehend in einen Container.
Nach elfmonatiger Bauzeit konnte 1994 Richtfest gefeiert werden. Der Rohbau an der verkehrsreichen Ecke Dollendorfer Straße / Weiler Weg ließ schon erkennen, dass sich das große Wohn- und Geschäftshaus harmonisch in das Ortsbild einfügen würde. Im November 1995 wurde die neu erbaute und auf den neuesten Stand der Technik gebrachte Filialdirektion der Kreissparkasse mit rund 650 Quadratmeter Nutzfläche eingeweiht. Aus diesem Anlass feierten Filialdirektor Willi Sülzen und sein Team mit allen Bürgerinnen und Bürgern einen Tag der offenen Tür. Im Zentrum des Gebäudes zeigten sich die neugestalteten großzügigen Geschäftsräume, die ein optimales Umfeld für die service- und kundenorientierten Dienstleistungen der Kreissparkasse boten. Im Foyer war ein rund um die Uhr zugänglicher Service-Bereich mit einem Geldautomaten sowie Überweisungs- und Auszugsdrucker eingerichtet. Die nach den neuesten Sicherheitsauflagen konstruierte Tresoranlage verfügte über zahlreiche Kundenfächer.
Zu den wesentlichen Neuerungen zählte die Einrichtung einer speziellen Zone für die persönlichen und diskreten Kundenberatungsgespräche mit acht Beraterplätzen. So konnten die Kunden nun an einer einzigen Anlaufstelle alles Wesentliche erledigen. Neu war der Geldrollenautomat, an dem zu jeder Zeit Kleingeld zu bekommen war. Im großen Kunden- und Kassenraum standen 400 Briefabholfächer und 200 Schließfächer für Sparkassenbücher zur Verfügung und 900 moderne Safes konnten für Wertsachen angemietet werden. Auch auf eine behindertengerechte Ausstattung wurde besonders wert gelegt: Neben einer Rampe im Eingangsbereich boten abgesenkte Schreibmöglichkeiten und höhengerechte Geldautomaten Rollstuhlfahrern eine einfache Bedienung. Inklusive Tresorraum verfügte der Neubau über 640 Quadratmeter Nutzfläche. Im Ober- und Dachgeschoss des neuen Gebäudes waren fünf Wohnungen entstanden. Zudem erhielt die Polizei in dem Neubau Diensträume und neben dem Gebäude standen den Kunden 30 Parkplätze zur Verfügung. So entwickelte sich die Sparkasse in Oberpleis zu einer modernen Universalbank mit einer breiten Angebotspalette sowohl für die Geschäfts- wie auch die Privatkunden.
1997 übernahm Jürgen Henseler die Leitung der Oberpleiser Kreissparkassen-Filiale; anschließend leitete sie Detlef Heß; ihm folgte Markus Schardt, ab 2015 leitete Theo Thiemann sie acht Jahre. Im April 2023 übernahm die bisherige stellvertretende Leiterin und Vermögensberaterin Marina Neumann die Leitung der Filiale.
Im Rahmen der Fusion der Kreissparkasse Siegburg mit der Kreissparkasse Köln am 31. August 2003 wurden die seinerzeit sechs Geschäftsstellen, deren Standorte in den vergangenen Jahrzehnten gelegentlich wechselten, Teil des flächendeckenden Filialnetzes der großen Kölner Zweckverbandssparkasse. Insgesamt etwa 35 Mitarbeiter halten ein umfassendes Angebot - vom Zahlungsverkehr/ Banking über Geld- und Kapitalanlagen, Vorsorge und Finanzierungen bis zu Beratungsdienstleistungen - bereit. Auf den ersten Regionaldirektor für Königswinter, Ernst Peter Schäfer, folgte 2005 Gudrun Börter. 2019 wurde Lisa Limmer ihre Nachfolgerin.
Eine große Bedeutung in der Unternehmensphilosophie der Sparkasse spielt bis heute die finanzielle Unterstützung des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in der Region. So werden beispielsweise jedes Jahr gemeinnützige Vereine der Stadt aus den Erlösen des PS-Sparens gesponsert und seit Jahren beteiligt sich die Kreissparkasse in Oberpleis an der Weihnachtswunschbaum-Aktion des Sozialamts Königswinter. Im Jahr 2019 schloss die Kreissparkasse eine KURS-Lernpartnerschaft mit der Petersberg-Gesamtschule Oberpleis. Mit dieser Lernpartnerschaft werden Schülerinnen und Schüler an Fragen aus Wirtschaft und Berufsleben herangeführt. Zudem werden ihnen mögliche Perspektiven für eine berufliche Zukunft (Ausbildung oder Studium) aufgezeigt. Der Unterricht orientiert sich näher an der Praxis, etwa indem Mitarbeiter der Kreissparkasse stundenweise den Mathematik– oder Wirtschaftslehreunterricht übernehmen.
Auch am Karneval beteiligt sich die Kreissparkasse gerne. Der erste karnevalistische Prinzenempfang in der Oberpleiser Filiale fand 2012 statt. Nach der Fusion der Kreissparkasse Köln und der Stadtsparkasse Bad Honnef im Jahre 2019 fand 2024 der erste gemeinsame Tollitäten-Empfang der Regionaldirektion in der Bad Honnefer Filiale statt.
Heute hat die Oberpleiser Filiale ein rund 15-köpfiges Mitarbeiterteam, das sich aus Auszubildenden, Service-Mitarbeitern, Privat- und Vermögensberatern und der Leitung zusammensetzt.
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