Aufnahme: 2015

Hier in der Steimelstraße 6a in Pleiserhohn fing alles an.

Von der Keller-Werkstatt zur Nummer Eins im Gewerbepark.

Alles begann in Pleiserhohn, Steimelstraße 6a. Günther Herr, der 1974 seine Meisterprüfung als Elektroinstallateur bestanden hatte und anschließend bei Bosch in Bonn und in einer Seelscheider Firma tätig gewesen war, wollte endlich auf eigenen Beinen stehen und sich selbständig machen. Also gründete er am 1. April 1977 mit seiner Frau Therese, einer ausgebildeten Industriekauffrau, das Unternehmen „Elektro Herr“ im eigenen Wohnhaus. Werkstatt und Lager der Firma befanden sich in den Kellerräumen des Hauses. Ein halbes Jahr später, am 15. August 1977, wurde der erste Auszubildende, Jürgen Geue, eingestellt, der bis 2001 in der Firma blieb. Im darauffolgenden Jahr wurden der zweite Auszubildende und mehrere Monteure angestellt, denen weitere folgten. Wenig später konnte Herr eine Garage in der Nachbarschaft anmieten, um sie als weiteres Lager zu nutzen. Nebenbei übernahm er auch Sanitärinstallationen. Das Geschäft florierte und das Ehepaar ging mit der Zeit: Als eine der ersten kleineren Elektrofirmen in der Region stellte „Elektro Herr“ bereits zum 1. Januar 1989 die Buchhaltung auf EDV um. Dazu fuhr Therese Herr regelmäßig nach Hagen zur Schulung. Trotz aller Mühsal gelang es ihr, Firma, Haushalt und zwei Töchter unter einen Hut zu bekommen.

Mit der Zeit wurde es jedoch in Pleiserhohn zu eng. Als in der Nähe von Ruttscheid der Gewerbepark Siebengebirge erschlossen werden sollte, griff das Ehepaar zu und sicherte sich dort ein Grundstück. Nach achtmonatiger Bauzeit zog „Elektro Herr“ am 6. Dezember 1993 als dritte Firma in den Gewerbepark Siebengebirge und nahm in dem neuen Gebäude an der Eduard-Rhein-Straße ihre Arbeit auf. Günther und Therese Herr waren die ersten, die 1994 ihr neues Gebäude offiziell seiner Bestimmung übergaben und es von Pfarrer Willi Müller segnen ließen.
Zur feierlichen Eröffnung waren mehr als 150 Gäste aus Politik, Handwerk und Wirtschaft geladen - und die höchsten Repräsentanten der Narrenzunft Oberpleis, der auch Günther Herr angehörte: Prinz Heinz II. und Adelheid I. (Ehepaar Vogt) mit ihrem närrischen Gefolge.

Auf 300 Quadratmetern Firmengelände konnte man sich nun ausbreiten und die Firma konzentrierte sich neben Dienstleistungen mit Elektroinstallationen im Neubau-, Altbau-, gewerblichen und industriellen Bereich verstärkt auf den Direktverkauf von Installationsmaterialien, Elektrogeräten und Beleuchtungskörpern. Um bekannter zu werden, veranstaltete der Familienbetrieb – nach einer Ausbildung zur Fachwirtin des Handwerks arbeitete auch Tochter Barbara in der Firma - gemeinsam mit den benachbarten Firmen regelmäßig „Schnuppertage“ und verkaufsoffene Samstage mit verschiedenen Aktionen. Die Nachfrage nach bewährtem, schnellem Service und Kundendienst wuchs stetig. Besonders stolz ist Günther Herr auf die Neuinstallation im 1994 bis 1996 renovierten Bonner Beethovenhaus und die Beleuchtung in der Drachenbrücke in Königswinter. Auch die israelische Botschaft und der jordanische Botschafter gehörten zu seinen Kunden.
 
Außerhalb der Firma engagierte sich Günther Herr in vielfältiger Weise in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. So war er beispielsweise jahrelang als CDU- Stadtratsmitglied, stellvertretender Obermeister der Innung im Rhein-Sieg-Kreis, Vorsitzender des Werbekreis Oberpleis (jetzt Siebengebirge) und in der Narrenzunft der Kolpingsfamilie tätig. Als Handwerksmeister war ihm die Ausbildung der Jugend immer besonders wichtig. Daher rief er einen jährlichen Berufsinformationstag für die Schüler der Oberpleiser Abschlussklassen ins Leben. Diese Veranstaltung war bei den jungen Leuten sehr beliebt und wurde stets gut besucht.  Ab Juni 1998 nahm die Elektrofirma Herr an dem europäischen Verbundprojekt „Code one“ zur Verbesserung der Abläufe und der betrieblichen Steuerung teil. Das Projekt wurde vom Land NRW und von der Europäischen Union gefördert und von mehreren Organisationen, vor allem vom Rationalisierungs- und Innovationszentrum (RKW) in Düsseldorf durchgeführt.

Von diesem Projekt versprach sich die Firma „Elektro Herr“ die Möglichkeit einer modernen Betriebsführung und eine in die Zukunft gerichtete Unternehmensplanung.  „Bei der Eröffnung des Projekts war sogar das Fernsehen dabei. Gesendet wurden davon auf RBB aber nur etwa fünf Minuten“, erinnert sich Günther Herr. Beim 25-jährigen Betriebsjubiläum 2002 zählte die Firma 15 Mitarbeiter. Im Lauf der Zeit hatten 22 junge Erwachsene ihre Ausbildung in der Elektrofirma erfolgreich abgeschlossen. Einige von ihnen hatten sogar den Schritt zur eigenen Firmengründung gewagt. Bis zur Schließung der Firma bildete Günther Herr insgesamt 32 Elektroinstallateure und einen Elektro-Kaufmann aus. 2016 wechselten Günther und Therese Herr in den Ruhestand. Da sich kein Nachfolger fand, wurde die Firma am 30. September 2016 verkauft.

Zur Galerie: "Elektro Herr" – siehe Link unten

Zur Verfügung gestellt von
Christa Gast, freie Journalistin: Fotos und Firmengeschichte
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