Aufnahme: 1995
Das Team der Drogerie Oppermann in Oberpleis 1995. 1. und 2. Von rechts Rolf und Erich Oppermann
Heilende Natur, Tiermedizin und mehr - Bei „Oppermann“ in Oberpleis wurde jahrzehntelang jedem geholfen.
„Ihr Vater hat uns sehr geholfen.“ Diese Worte hörte Rolf Oppermann noch oft nach dem Tod seines Vaters im Jahre 2002, wenn Menschen von ihm erzählten. Der Drogist Erich Oppermann war eine Institution in der Region. Der 1904 in Gera (Thüringen) geborene Oppermann war bereits mit 14 Jahren in den Naturheilverein eingetreten, hatte eine Ausbildung zum Drogisten absolviert und anschließend die Meisterprüfung abgelegt. Bereits mit 23 Jahren machte Oppermann sich in Leipzig selbständig. Schon bald stellte er selbst „Thüringer Spezialitäten“ her und erweiterte sein Wissen ständig durch Vorträge, Lehrgänge, botanische Exkursionen und Besichtigungen. Mit den gesammelten Erkenntnissen begann er seine eigene Forschung, baute die Heilkräuterkunde aus und braute auch einen eigenen Gesundheitstropfen: „Feldwebel Müller“. Das Rezept zu diesem Kräuterlikör, der durch Pomeranzen seinen typischen Geschmack erhält, bekam er von seinem Schwiegervater, dem Thüringer Bäckermeister Müller.
Mit einem Kollegen errichtete er in Leipzig den ersten Heilkräutergarten Deutschlands, in dem Lehrlinge und andere Interessenten ausgebildet wurden. Seine Frau Charlotte führte im Krieg, während Oppermann an der Front kämpfte und in Gefangenschaft geriet, das Geschäft weiter, bis die gesamten Lagerräume durch einen Bombenangriff zerstört wurden, und begann nach dem Krieg eigenständig mit dem Wiederaufbau. Die Kinder Rolf und Ruth traten in die Fußstapfen des Vaters und erlernten ebenfalls den Beruf des Drogisten. Doch zehn Tage vor Rolf Oppermanns Examen musste die Familie 1953 die Heimat verlassen und in den Westen flüchten. Zum Glück konnte Rolf die Prüfungen in Bonn nachholen. 1953 kam die Familie nach Oberpleis und Erich Oppermann übernahm die Fach-Drogerie Bussen in der Dollendorfer Straße. Bereits ein Jahr später baute er in Thomasberg eine eigene Drogerie in der Wiesenstraße auf. Mit seinem zuvorkommenden Wesen und selbst hergestellten Heilmitteln wie verschiedenen Tees oder Tinkturen, Körperpflegemitteln, Schädlingsbekämpfungs- und Tierarzneimitteln konnte er fortan vielen Menschen aus der Region helfen. Auch der „Feldwebel Müller“ fand im Siebengebirge rasch neue Freunde und wurde weit über die Grenzen der Region geradezu berühmt. Sogar in Holland und Amerika trank man den Kräuterlikör gerne.
1961 errichtete Erich Oppermann in Thomasberg einen Neubau auf 60 Quadratmetern Verkaufsfläche, die 1969 schon auf 100 Quadratmeter erweitert wurde. Zugleich wurde das Sortiment um Neuform-Reformwaren erweitert. Sohn Rolf übernahm 1973 beide Drogerien. Doch Vater Erich stand noch bis ins hohe Alter täglich im Oberpleiser Geschäft und beriet die Kunden. Rolf Oppermann, bildete sich stetig weiter, hatte immer das Ohr am Puls der Zeit um sich auf Veränderungen einzustellen und stellte schon früh auf Teil-Selbstbedienung um. Der Schwerpunkt der Drogerie lag nun auf Reformwaren, hinzu kamen führende Produkte der Kosmetikbranche sowie Produkte und Service der Foto Quelle. Christa Oppermann hatte nach der Heirat eine Ausbildung zur ärztlich geprüften Kosmetikerin absolviert und war somit für die Kosmetikabteilung zuständig. In den 1970er Jahren war „die moderne Drogerie Oppermann“ das erste Geschäft in Oberpleis mit Hintergrundmusik per Satellit und bargeldloser Zahlung; zudem hatte Rolf Oppermann ein Händchen für Plakatschrift und individuelle Schaufensterdekoration. Er entwarf und fertigte selbst eigene Themenplakate in Wort und Bild an. Dazu gehörte auch die Großflächenwerbung an zehn verschiedenen Standorten und Radiowerbung. 1986 wurden die Geschäftsräume der Drogerie an der Dollendorfer Straße umgebaut und auf 120 Quadratmeter erweitert. Hochwertige Kosmetikprodukte waren jetzt auch in Oberpleis erhältlich. Mit der Geschäftsübergabe von Rolf und Christa Oppermann an ihren Neffen Martin Pothmann endete 1999 die Ära Oppermann.
(Text: Christa Gast)
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