Nur wenige Oberpleiser gehen ins heimische Freibad - Besucher über Privatisierung zufrieden

Aufnahme: 1983

Nur wenige Oberpleiser gehen ins heimische Freibad - Besucher über Privatisierung zufrieden

gst. Junge Mädchen und Frauen, die gerne in diesen heißen Tagen „Oben ohne" baden, schwimmen und sich sonnen wollen, für die bleibt das Oberpleiser Freischwimmbad vorläufig noch tabu. Die Pächter des Bades, die Vettern Hans und Wilfried Rösgen, die ab 1. Juni dieses Jahres das Bad von der Stadt Königswinter im Pachtvertrag übernommen haben, weil die Stadt aus finanziellen Gründen das Bad nicht mehr betreiben könne, dulden das Halbnacktbaden des weiblichen Geschlechts nicht, obwohl das in den umliegenden Freibädern bereits möglich ist. Die Rösgens halten sich an die Badeordnung der Stadt, die ein solches Baden nicht vorsieht. Und wer dennoch wagt, sich des Bikini-Oberteiles zu entledigen, der wird freundlichst aufgefordert, es wieder anzuziehen oder das Bad zu verlassen.

Dies, obwohl das Bad nicht so frequentiert wird, wie man es erwarten könnte. Bei etwa 3.500 Besucher muß die Kasse dicht machen, doch mehr als 1.500 bis 1.800 Badende wurden an einem Tag noch nicht gezählt. Diese Höchstzahl erreichte das Bad am 3. Juli dieses Jahres.

Schon seit längerer Zeit suchte die Stadt einen Pächter für dieses Bad. Man fand keinen. Doch die in unmittelbarer Nähe gelegene Tennishalle, sie gehört Hans und Wilfried Rösgen, kamen eines Tages zur Stadt und baten um den Kauf des umliegenden Geländes, um dort ein Freizeitzentrum zu errichten und die Tennishalle zu erweitern.

Da bot die Stadt den Vettern Rösgen auch die Pacht des Freibades an. Hans und Wilfried erbaten sich daraufhin Bedenkzeit, sagten aber schon in Kürze zu.

Hans und Wilfried Rösgen sehen aber in dem Alleinbetrieb des Freibades keine Gewinnchancen, wohl aber in einem gemeinsamen Zentrum mit Tennishalle, Erweiterung der Tenniseinrichtungen, einem Freizeitpark und dem Freibad. Und deshalb äußerten sie sich positiv gegenüber den Wünschen der Stadt.

Auf die Frage unseres Mitarbeiters, ob sie denn mit einem schlechteren Besuch des Bades bisher gerechnet hätten, antwortete Hans Rösgen: „Ja, Petrus war uns sehr gut gesonnen, wir hatten nach dem verregneten Mai und den verregneten Sommern der letzten Jahre, eben mit schlechterem Wetter gerechnet.''

Von der Privatisierung haben die Badegäste bisher nicht viel gemerkt, zumal die Eintrittspreise geblieben sind. Und auch das beliebte Ehepaar Paul und Katharina Bellinghausen, welches 33 Jahre das Bad für die Stadt betrieben, werden weiter mitmischen. Paul Bellinghausen wirkt noch als Bademeister. Dies jedoch wegen seiner Altersgrenze als Hobby und „Mutter Kathrinchen" verkauft weiter die Eintrittskarten. Dazu gibt es auch weiterhin für Hungrige den beliebten „Bellinghausen-Kuchen". Den Kiosk betreiben die Frauen Rösgen, die Margret und die Susanne.

Bedauert wird nur, daß außer Kinder sowenig Oberpleiser ins Kühle Naß springen. Die meisten Besucher kommen aus Hennef und Bad Godesberg sowie aus Köln, weil das Bad direkt am Waldrand liegt und daher auch Schatten spendet. Die Rheintal­ Königswinterer zieht es mehr ins Inselbad nach Honnef, obwohl bei unserem Besuch auch Honneferinnen ins Oberpleiser Bad kamen.

An der Kasse befragten wir die Besucher, woher sie kämen. Ein Ehepaar antwortete: "Wir sind Frankfurter und kommen jetzt auf der Rückfahrt von Holland hier vorbei. Uns war es auf der Autobahn zu heiß, wir wollen uns hier abkühlen."

In letzter Zeit wurde öfters eingebrochen. Doch gestohlen wurde kaum etwas, es wurden mehr Beschädigungen vorgenommen. Ein Hund wird nachts jetzt das Gelände bewachen.

Übrigens: Das Bad wird in Kürze 50 Jahre alt. Und in Kürze beginnen die Rösgen mit dem Bau ihres Freizeitgeländes rund ums Bad.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 32 vom 11.08.1983; Foto und Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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