Neubau der Raiffeisenbank Siebengebirge seiner Bestimmung übergeben

Aufnahme: 1981

Neubau der Raiffeisenbank Siebengebirge seiner Bestimmung übergeben

Der 18. März 1981 werde ein großer Tag in der 91jährigen Geschichte der Raiffeisenbank Siebengebirge werden, betonte Direktor Theodor Schleder. An diesem Tage wurde der Neubau der Bank an der Dollendorfer Straße in Anwesenheit von 130 Ehrengästen feierlichst eingeweiht. Die Feierstunde wurde von Georg Löbach, Vorsitzender des Aufsichtsrates, eröffnet, der im Foyer des Gebäudes einen Teil der Gäste namentlich willkommen hieß. Direktor Schleder erinnerte an das Jahr 1890, als die Bank in den Räumlichkeiten der Familie Matthias Bellinghausen, besser bekannt unter dem Namen Post Mattes Hein, gegründet wurde. Matthias Bellinghausen leitete die Bank denn auch seit der Gründung bis 1930, also genau 40 Jahre. Im Jahre 1928 konnte das erste Gebäude am bisherigen Standort Herresbacher - Königswinterer Straße errichtet werden. Darin hat dann der Sohn von Matthias Bellinghausen, Christian Bellinghausen, als Leiter gewirkt.

Er wurde in der Generalversammlung 1955 für seine 50jährige treue Tätigkeit im Dienste der Raiffeisenbank Oberpleis geehrt. Er befand sich übrigens am vergangenen Mittwochabend unter den Ehrengästen bei der Eröffnungsfeier. Die Arbeit im Dienste Raiffeisens hat ihn jung gehalten. Im Jahre 1956 wurde mit einem Kostenaufwand von 130 000 DM die zweite neue Bank unmittelbar an das alte Gebäude errichtet. Das geschah unter dem Vorsitz von Josef Giesen, dem heutigen Ehrenvorsitzenden. 1965 wurde schon wieder eine Erweiterung notwendig. Vor 16 Jahren glaubten die Verantwortlichen, so Schleder, dass man für eine unabsehbare Zeit räumlich ausgesorgt habe, zumal die raumsparende Technik ihren Einzug hielt. Bereits 1965 wurde der Betrieb auf die elektronische Datenverarbeitung umgestellt. Doch durch das schnelle Wachstum stellte sich bereits nach 6 Jahren heraus, dass der Bau den Anforderungen schon nicht mehr genügte. Die Bilanzsumme war von 4,2 Millionen im Jahre 1960 auf 27,5 Millionen im Jahre 1970 gestiegen. Ein weiterer Anbau war durch das zu kleine Grundstück nicht mehr möglich. Nach einer neuen Lösung zu suchen, war eine schwierige Sache, sagte Schleder. In den Jahren 1974, 1976 und 1977 wurden drei Grundstücke in guter Geschäftslage mit einer Größe von 3 340 Quadratmetern erworben.

Nach längerer Planungszeit konnte man dann mit dem Bau am 3. September 1979 beginnen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 22. November 1979. Trotz der schwierigen Bodenverhältnisse sind die Arbeiten dank des Einsatzes aller Beteiligten zügig vorangekommen, sodass der Einzug nach einer Bauzeit von 18 Monaten erfolgen konnte. Architekt Karl Heinz Görres betonte in seiner Ansprache, dass ihm der Bau dieses Bankgebäudes viel Freude bereitet habe. Das Grundstück habe sich förmlich dafür angeboten. Jedoch ein am Bau arbeitender Jugoslawe habe ihm gesagt: „Ich arbeite jetzt schon zehn Jahre in Deutschland, aber das ist der dämlichste Bau, an dem ich je mitgearbeitet habe, der hat so viele Ecken." Görres zeigte sich voller Stolz, dass während der Bauzeit kein schwerer Unfall geschah. In seiner weiteren Ansprache erklärte Görres, dass er um die Zukunft des deutschen Handwerks keine Sorgen habe. Als Geschenk überreichte er Direktor Schleder ein Kreuz eines Kölner Künstlers. Zugleich überreichte er auch die Schlüssel des Hauses. Die kirchliche Weihe führten die Geistlichen Wilhelm Müller und Horst Dieter Finke aus. Der katholische Geistliche Müller sagte lediglich, dass man mit Geld viel Gutes tun kann.

Mit Humor meinte er, dass er sich weitere Ausführungen sparen könne, denn Architekt Görres habe bereits eine gute Predigt gehalten. Der evangelische Geistliche überreichte als Geschenk der Bank ein Neues Testament. Er meinte, dass die Angestellten zwischendurch auch Zeit bekommen würden, in diesem Buche zu lesen. „Die wirtschaftliche Situation ist zur Zeit so kritisch wie noch nie zuvor." Mit diesen Worten begann Bürgermeister Hank seine Glückwunschansprache zu diesem prachtvollen neuen und zweckmäßigen Gebäude. „Seit 1969 hat sich die Inflationsrate verdreifacht. In den letzten zwei Jahren haben sich auch die Konkurse verdreifacht." Trotz dieser düsteren Bilanz sprach Bürgermeister Hank den Dank der Stadt für die Mitwirkung am Wirtschaftsleben der Stadt aus. Die Bank betreibe das größte Warengeschäft in der Stadt. Zudem sei die Bank der drittgrößte Arbeitgeber in der Stadt Königswinter mit über 60 Beschäftigten. Die Bank sei zudem auch der sechstgrößte Gewerbesteuerzahler der Stadt. Eine Schautafel mit örtlichem Inflationsgeld überreichte der Bürgermeister als Geschenk. Hermann Weber übermittelte als Sprecher der Raiffeisenbanken der Stadt Bonn und des Rhein Sieg Kreises Glückwünsche.

Urkunde zur Grundsteinlegung

"An dieser Stelle bauen wir, die Raiffeisenbank Siebengebirge eG, unser neues Bankgebäude.
Die Gründung unserer heutigen Bank erfolgte vor fast 90 Jahren im Jahre 1890.

Die anfängliche Leitung lag in den Händen des Mitbegründers Matthias Bellighausen, genannt Post Mattes (zugleich Briefträger), aus Oberpleis. In einem von ihm zur Verfügung gestellten Raum in Oberpleis, Dollendorfer Straße, dem jetzigen Kino, wurden die Bankgeschäft getätigt.

Der erste Bankbau erfolgte im Jähre 1928 an der Ecke Herresbacher und Königswinterer Straße.

Nach 41jähriger Tätigkeit als Rendant übergab Matthias Bellinghausen die Leitung an seinen Sohn Christian, genannt Post Mattes Christ. Unter der späteren Leitung von Johann Quirrenbach aus Berghausen (1953), Theodor Schleder ab 1962, wurde das Bankgebäude 1965 erweitert.

Durch die stetige Aufwärtsentwicklung, vor allen Dingen in den letzten 25 Jahren, wird der Neubau dringend erforderlich. Die Bank hat heute eine Bilanzsumme von 87 Millionen DM. Der Warenumsatz beträgt jährlich über 7 Millionen DM. Es werden 54 Mitarbeiter beschäftigt.

Wir geben der Hoffnung Ausdruck, dass dieser Bankneubau die Voraussetzung schafft, in Zukunft noch mehr Menschen Arbeit und Brot zu geben und darüber hinaus dem Wohle und Fortschritt der heimischen Bevölkerung, aber auch unserem Unternehmen dienen möge.

Dieser Urkunde fügen wir für die Nachwelt bei:
1) die lokale Zeitung, den Generalanzeiger vom 22.11.1979,
2) eine Festschrift vom 75jährigen Jubiläum unserer Bank im Jahre 1965,
3) einen Geschäftsbericht von 1978 und
4) die gültigen Hartgeldstücke von unserer jetzigen DM Währung.

Königswinter Oberpleis, den 22.11.1979

Raiffeisenbank Siebengebirge eG

Der Vorstand
Müller / Schleder"

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr 13 vom 27.03.1981
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
Räume & Galerien
Raiffeisenbank Oberpleis Gewerbe Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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