Wie Irina und Pavel Brochin die Chorlandschaft in der Region prägen

Abgebildete Personen

Aufnahme: 2025

Wie Irina und Pavel Brochin die Chorlandschaft in der Region prägen

Vor über 30 Jahren aus Moskau nach Königswinter gekommen.

Königswinter · Sie wollten ursprünglich nur einen Schulchor in Königswinter aufbauen, heute leiten Irina und Pavel Brochin mehr als 20 – auch preisgekrönte – Chöre. In Oberpleis haben sie nicht nur ein musikalisches Zuhause gefunden.

Vor mehr als 30 Jahren kamen Irina und Pavel Brochin aus Moskau auf Einladung des Gymnasiums am Oelberg nach Königswinter, um dort einen Schulchor aufzubauen, und verschafften ihm unter ihrer professionellen Leitung weithin zu einem exzellenten Ruf, sogar international. Das Ehepaar blieb und leitet bis heute nicht nur gemeinsam den national und international preisgekrönten Chor, sondern über 20 Chöre in der Region, darunter auch den traditionsreichen Kammerchor Oberpleis.

Viele Chorkonzerte der Region sind mit beiden Chorleitern verbunden. Besonderes Herzensprojekt ist ihr erster Chor in Deutschland geblieben. Aus ihm heraus entstand im vergangenen Jahr die Idee für einen Projektchor aus Lehrern, Eltern und Ehemaligen. Im November meldeten sich auf die Ausschreibung 100 Interessierte aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Nach einem halben Jahr wird das spannende Experiment am 14. Mai 2025 beim Schulkonzert des Gymnasiums zu hören sein.

Generationen von Kindern musikalisch ausgebildet

Die Anfänge des musikalischen Engagements der Brochins im Siebengebirge und Bonn liegen in der Zeit der Perestroika der ehemaligen Sowjetunion, Mitte der 1980er-Jahre durch den Präsidenten Gorbatschow begründet. Damals lockerte sich der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West und machte auch einen musikalischen Austausch zwischen Chören beider Länder möglich. Eine spannende Aufbruchzeit auch für Irina und Pavel, die gerade eine exzellente Ausbildung als diplomierte Musiker und Musikpädagogen in berühmten Moskauer Musikkaderschmieden absolviert hatten und bereits erste Chöre leiteten. Mehrmals waren sie mit ihren Moskauer Chören in Deutschland, darunter auch in Oberpleis, wo sie begeistert empfangen wurden.

1991 folgten beide, dann bereits als verheiratetes Paar, dem Ruf des ehemaligen Direktors des Gymnasiums am Oelberg, um einen Kinder- und Jugendchor an der Schule aufzubauen. Fünf Jahre später tauften die jungen Mitglieder den Chor nach dem beliebten ukrainischen Lied „Schedrik-Schulchor“. Mittlerweile verbinden mehrere Generationen von Kindern mit dem Schedrik-Chor eine profunde musikalische Grundausbildung, Konzert- und Festivalerlebnisse und Chor-Reisen, die sie sogar bis nach Kanada führten. „Heute singen bereits die Kinder unserer ersten Schülerinnen und Schüler im Chor“, erzählt Pavel, „und das sehr erfolgreich. Im März haben wir gerade den Bonner Klassik Slam gewonnen.“

Kein Tag ohne Chormusik

Für ihn und seine Frau sollte Deutschland anfangs ein Projekt bleiben. „Aber schon nach zwei Jahren wurde deutlich, dass es hier jede Menge Arbeit für uns gab“, sagt Pavel. Beide fühlten sich willkommen und sahen hier die Möglichkeiten und Freiheiten, sich einzubringen. Heute ist Königswinter-Oberpleis ihre Heimat, auch musikalisch. Hier leben sie mit ihrem 16-jährigen Sohn und bestreiten einen Alltag, der von morgens bis abends der Chormusik gewidmet ist. Vormittags wird korrespondiert, telefoniert, geplant und Bürokratie erledigt, Pavel komponiert Chormusik und Kinderlieder, arrangiert und ist als Herausgeber vor allem russischer Chormusik tätig, Irina arbeitet in Einzelunterricht auch als Stimmbildnerin. Am frühen Nachmittag beginnen die Kinder- und Jugendchöre und abends wird dann in den Chören der Erwachsenen geprobt. Am Wochenende ist das Ehepaar oft für Konzerte unterwegs.

Sieben Tage die Woche seit 30 Jahren ein Leben für die Musik – was bedeutet das? „Wir haben uns hier in Deutschland etwas aufbauen können, was uns jeden Tag erfüllt. In Zeiten wie heute ist es vielleicht wichtig, zu sagen, dass wir ja eigentlich Ausländer sind, uns aber nicht mehr so fühlen. Es gibt hier immer Chancen sich zu verwirklichen und seine Nische zu finden, man muss nur hart arbeiten. Das Wort Integration gilt nur für die, die wollen. Wer nicht will, wird auch nach 30 Jahren nicht integriert werden“, so Irina.

Musik ist eine Weltsprache, die Grenzen überwinden kann. Bis 2014 waren die Brochins auch in Russland oft zu Gast mit Chören oder als Gastdozenten für Meisterklassen. Das änderte sich mit dem Überfall Putins auf die Ukraine, ein schmerzhaftes Thema für sie bis heute, auch weil ihre Familien in Moskau leben und Pavel selbst im ukrainischen Mykolajiw geboren wurde.

Chorlandschaft der Region mit entwickelt

Hier in Deutschland sind ihr Engagement und ihr Können im Chorleben, aber auch im kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken. Irina ist zwischen Bad Honnef und Köln unterwegs, unter anderem als Chorleiterin der Kinderchöre der Beethoven-Musikschule der Stadt Bonn und eine gefragte Dozentin bei verschiedenen Chorseminaren. Dazu kommt ihr Engagement als Solistin. Vor zehn Jahren gründete sie auch den Bonner Workshopchor, in dem immer mehr jüngere Menschen eine Gelegenheit sehen, ohne Vereinsbindung dem Singen mit anderen nachgehen zu können.

Pavel leitet seit über 30 Jahren den überregional bekannten Kammerchor Oberpleis, der mit breitem klassischem Repertoire von a cappella bis großer Chorsinfonik auftritt, aber auch weitere Chöre. Darüber hinaus ist er ein gefragter Korrepetitor, Dozent und Dirigent. Seine Bearbeitungen und Werke wurden bei Wettbewerben ausgezeichnet. In diesen Tagen erhält er vom Fränkischen Sängerbund einen weiteren Preis für seine jüngste Chorkomposition.

Mit Spannung begleiten sie gerade ihr bisher größtes ehrenamtliches Chorprojekt, den Projektchor am Gymnasium am Oelberg mit etwa 100 Mitgliedern. Pavel erklärt. „Der ist so groß, dass bisher aus Termingründen alle Proben nur in zwei Gruppen stattfinden konnten, manche der Ehemaligen waren sogar bisher nur virtuell dabei und reisen erst aus dem Ausland zur Generalprobe und zu den Konzerten an. Ein einmaliges Erlebnis für Chor, Gäste und uns“, da sind sich Irina und Pavel Brochin sicher.

Quelle
General-Anzeiger vom 13.05.2025; Foto: Ralf Klodt; Bericht: Ines Nowack Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 13.05.2025
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