Aufnahme: 2025

Steinbruch „Chicken Hill“ im Siebengebirge - Wie ein 50 Hektar großer Krater einfach verschwinden soll

Siebengebirge · Der „Chicken Hill“: das letzte noch aktive Abbaugebiet von Basalt im Siebengebirge. Bald steht die Rekultivierung des Geländes an. Dabei werden um die neun Millionen Kubikmeter Erde zum Einsatz kommen.

Seit 22 Jahren wird die Rekultivierung des Basaltsteinbruchs Hühnerberg im Siebengebirge geplant. In den nächsten beiden Jahren könnte das Jahrhundertprojekt in Königswinter endlich starten. Neun Millionen Kubikmeter unbelastete Erde, 300.000 Kubikmeter pro Jahr, sollen dann rund 30 Jahre lang in den 140 Meter tiefen und 50 Hektar großen Krater verfüllt werden.

Wer im Krater des Steinbruchs steht, fühlt sich ein wenig an den Kölner Dom erinnert. Wie die Pfeiler in der gotischen Kathedrale stehen die schwarzen Basaltsäulen an vielen Stellen der jeweils rund 20 Meter hohen Wände der insgesamt sieben Sohlen nebeneinander. Die Säulenform verdanken sie einem Prozess, bei dem Magma vor rund 30 Millionen Jahren durch dünne Schlote an die Oberfläche gelangte und dort erkaltete.

Die Menschen in der Umgebung des Steinbruchs am Hühnerberg, der im Volksmund „Chicken Hill“ genannt wird, sehen den Krater nicht und nehmen stattdessen nur die rund 35 Meter hohe, grün gestrichene und weithin sichtbare Produktionsanlage wahr, die am höchsten Punkt des Geländes, rund 300 Meter über dem Meeresspiegel, steht. In der Anlage befindet sich der große Brecher, der bis zu 600 Tonnen Basalt pro Stunde zerkleinert. Der Hühnerberg selbst war früher einige Meter höher als der 321 Meter hohe Drachenfels, inzwischen liegt der Grund der untersten Sohle auf rund 160 Metern.

Rund 692.000 Lkw-Ladungen Erde erforderlich

Die Produktion in den Randbereichen des Steinbruchs soll gleichzeitig mit der Rekultivierungsmaßnahme noch rund 20 Jahre aufrechterhalten werden. Das bestätigte Thomas Blau, Geschäftsführer der Rheinischen Provinzial Basalt- und Lavawerke (RPBL), denen der Steinbruch-Betrieb am Rande des Siebengebirges gehört, dem General-Anzeiger. Aus Umweltschutzgründen sollen die gleichen Lastwagen, die den Basalt abtransportieren, in Zukunft auch die unbelastete Erde aus Baumaßnahmen in der Region für die Verfüllung heranschaffen. Um die neun Millionen Kubikmeter Erde zum Steinbruch zu transportieren, sind rund 692.000 Lkw-Ladungen erforderlich.

Der Krater soll weitgehend mit Erde gefüllt werden. Seit Blau die Pläne für die Rekultivierung mit unbelasteter Erde aus dem gesamten Kreisgebiet vor drei Jahren im Naturschutzbeirat des Rhein-Sieg-Kreises vorstellte, sind weitere Gutachten erstellt worden. Ein Standsicherheitsgutachten soll noch in diesem Sommer die letzten offenen Fragen beantworten. Die ersten Gespräche mit der Bezirksregierung und dem Kreis fanden bereits im Jahr 2002 statt.

„Wir sind sehr intensiv in den Planungen“, sagt Blau. In den vergangenen beiden Jahren sei noch mal alles von innen nach außen gekehrt worden. Die Auflagen sind besonders hoch, weil man sich im Naturschutz- und im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) befinde. Das Naturschutzgebiet „Basaltsteinbruch Hühnerberg" wurde 2004 unter Schutz gestellt. Gemeinsam mit dem Naturschutzgebiet Eudenberg und der Tongrube Eudenbach ist es ein FFH-Gebiet mit einer Größe von 144 Hektar.

Zurzeit arbeitet das Fachbüro Geotechnik-Team Mainz an dem von den Genehmigungsbehörden geforderten Standsicherheitsgutachten und wird dabei vom Geologischen Dienst NRW begleitet. „Die Standsicherheit ist zurzeit das wesentliche Thema“, so Blau. Ein 3D-Modell soll simulieren, welche Prozesse bei der Verfüllung in den nächsten Jahrzehnten ablaufen. Die spezielle Situation in Hühnerberg ist dabei, dass sich der Basalt in einer Wanne aus anstehendem Tuffgestein befindet, das verhindert, das Wasser im Krater stehen bleibt.

Kein Baggersee möglich

Normalerweise würde nach Ende des Abbaus ein See entstehen, wie es früher bei Steinbrüchen üblich war. Das jedoch möchte der Naturschutz nicht, weil die bereits entstandenen Biotope mit schützenswerten Pflanzen sowie Reptilien- und Amphibienarten wie der Zauneidechse oder dem Kammmolch das nicht überleben würden. Andererseits besteht die Gefahr, dass der anstehende poröse Tuff bei eindringendem Wasser aufbricht, sodass die Wände des Steinbruchs instabil werden.

„Wir erwarten im Sommer 2024 in dem Gutachten eine Aussage zur Standsicherheit, die von den Behörden dann geprüft wird. Wenn die Genehmigungen vorliegen, könnten wir voraussichtlich in zwei Jahren mit der Teilverfüllung im nördlichen Bereich des Steinbruchs loslegen“, sagt Blau. Mit der Rhein-Sieg Erdendeponiebetriebe GmbH (RSEB) wurde ein Vertrag unter dem Vorbehalt der Genehmigungen abgeschlossen. Die RSEB ist eine Gesellschaft der RSAG und namhafter Straßen- und Tiefbauunternehmen. „Das Unternehmen hat weiter ein hohes Interesse, die Erdentsorgung über unseren Steinbruch zu organisieren“, sagt Blau.

Die zweite wichtige Frage sei, wie der Restabbau in den nächsten 20 Jahren sicher gestaltet werden kann. Die Verfüllung soll schließlich im Regelbetrieb erfolgen. Im Hinblick auf den Natur- und Artenschutz biete die Größe des Areals aber auch die Chance, die Habitate im Randbereich nach und nach in andere Bereiche umzusiedeln.

Inzwischen wurde die Produktion im Steinbruch auf unter eine Million Tonnen Basalt pro Jahr und rund 5000 Tonnen am Tag heruntergefahren. Statt im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten die zurzeit 27 Mitarbeiter nur noch im Ein-Schicht-Betrieb. Dazu kommen acht Mitarbeiter einer Fremdfirma, die die 60-Tonnen-Monstertrucks von Caterpillar beladen und fahren. „Unsere Produkte werden gebraucht. Es gibt nur wenige Steinbrüche, die so leistungsfähig produzieren, und wir genießen im Naturschutzgebiet Bestandsschutz“, sagt Blau.

Basaltsteine aus Chicken Hill schützen vor Sturmfluten

Der Basalt der RPBL wird heute überwiegend in Form von Splitten und Brechsanden in der Asphalt- und Betonindustrie eingesetzt. Häufig wird er aber auch zur Uferbefestigung vor allem am Rhein gebraucht. „Wir sind der größte Wasserbauproduzent in Deutschland“, sagt Blau. Früher wurden die Steine vom Hühnerberg auch zur Küstenbefestigung in den Niederlanden wie beim Bau des Abschlussdeiches am Ijsselmeer verwendet. Dorthin wurden allein 100.000 Tonnen geliefert.

Aber auch Premiumprodukte mit Mikrokörnungen wie zum Beispiel der Mondsand für die Esa in Köln gehören zum Sortiment. „Wir können vor allem Masse, aber auch fein“, sagt Blau. Das abgebaute Material wird von der Produktionsanlage entweder über ein 1,2 Kilometer langes Förderband nach Nonnenberg zur Verladung transportiert oder mit Lkw zum Lagerplatz in Willmeroth gebracht, wo das Gestein auf riesigen Halden darauf wartet, abgeholt zu werden.

Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 25.05.2024 - siehe Link unten.

Quelle
General-Anzeiger vom 25.05.2024; Foto: Rolf Klodt, Bericht: Hansjürgen Melzer Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 25.05.2024
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