Markus Hoitz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela.

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Aufnahme: 2025

Markus Hoitz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela.

Siebengebirgspfarrer auf dem Jakobsweg - „Man lernt, nicht an einem Ideal hängenzubleiben“

Auf dem Jakobsweg hat Pfarrer Markus Hoitz aus dem Siebengebirge Kraft getankt für die neuen Aufgaben, die ab September auf ihn zukommen werden. Fünf Wochen lang ist der 65-jährige Theologe auf dem Camino del Norte über 800 Kilometer gewandert und hat dabei besondere Erfahrungen gemacht.

Ab dem 1. September wird Hoitz alleiniger Leitender Pfarrer für die 32 000 Katholiken in der Pastoralen Einheit Siebengebirge sein. Neben Königswinter wird er dann zusätzlich für die Seelsorgebereiche Bad Honnef und Unkel und insgesamt 16 Kirchengemeinden zwischen Eudenbach und Erpel verantwortlich sein.

In seiner Zeit als Pfarrer in Köln-Chorweiler zwischen 2000 und 2008 war er bereits den Camino Francés in zwei Etappen gewandert – beim ersten Mal von Saint-Jean-Pied-de-Port an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien bis León und beim zweiten Mal dann bis Santiago de Compostela. Mit einer Sehnenscheidenentzündung hatte er sich damals ins Ziel gerettet. Im Jahr 2020 wollte er dann den Camino del Norte wandern, die Corona-Pandemie kam jedoch dazwischen.

Mit dem Rucksack durchs Siebengebirge – zur Vorbereitung auf den Weg

Bevor ihn ab September die neuen Herausforderungen erwarten, holte er die Reise nun nach. „Nach 25 Dienstjahren kann man den vierwöchigen Jahresurlaub um eine Auszeit mit spirituellem Charakter verlängern“, berichtet er. Um auch körperlich dazu in der Lage zu sein, trainierte er vor der Reise im Siebengebirge. Dabei wanderte er einmal mit einem 12-Kilo-Rucksack von der Fähre in Königswinter auf den Oelberg. Ein anderes Mal ging er von Oberpleis über Aegidienberg und das Schmelztal nach Bad Honnef.

So fühlte er sich gut vorbereitet, als er am 2. Juni in Irun an der französisch-spanischen Grenze startete. Bis zum 8. Juli warteten auf den Pilger insgesamt 828 Kilometer und tägliche Etappen zwischen 20 und 35 Kilometern bis zum Ziel im Wallfahrtsort Santiago de Compostela. „Der Camino del Norte ist anstrengender als der Camino Francés. Es geht dort noch mehr rauf und runter. Auf den Geröllstrecken, die oft nass waren, musste man aufpassen“, so der Pfarrer. Wanderstöcke waren da durchaus hilfreich. Los ging es stets früh am Morgen. „Pilger sind Frühaufsteher. Meistens starteten wir zwischen 6.30 Uhr und 7 Uhr. Gegen Mittag war die Strecke dann oft schon geschafft.“ Während es im Rheinland zu dieser Zeit zum Teil über 35 Grad heiß war, waren es im Norden von Spanien oft nur knapp 20 Grad.

Wunder hat der Pfarrer auf dem Jakobsweg nicht erlebt, wenn man davon absieht, dass er in der Kathedrale von Bilbao nach längerer Zeit mit seinem Handy endlich wieder Zugang zum Internet hatte oder dass ihm in ähnlicher Situation die PIN für sein Mobiltelefon wieder einfiel. Wunder waren für ihn schon eher die Begegnungen und Gespräche mit anderen Menschen, die ihn immer wieder beeindruckten.

Begegnungen, die bleiben – und ein Menü mit Rotwein

Bereits am Anfang des Weges lernte er Simone und Manuel, ein Ehepaar aus Fürth, kennen, denen er ein peruanisches Restaurant empfohlen hatte. Der Tipp erwies sich als gut, und als man sich später auf dem Weg wieder traf, ging es von dort an bis nach Santiago gemeinsam. „Auf dem Jakobsweg kann man etwas erleben, was man sonst im Alltag und selbst im Gemeindeleben nicht erlebt. Die Pilger achten aufeinander und helfen dem anderen, wenn er Probleme hat“, erzählt Hoitz. Dabei ginge es oft nur um Kleinigkeiten, die auf einer Wanderung aber oft wichtig seien. Manchmal würde man sich gegenseitig mit einem Blasenpflaster aushelfen oder auf dem Weg verlorene Gegenstände in die nächste Herberge mitbringen. Diese Grundhaltung würde der Pfarrer sich auch im Alltag wünschen. Zur guten Stimmung unter den Wanderern trage dabei auch das tägliche Pilgermenü bei, das in der Regel aus drei Gängen und einer Flasche Rotwein bestehe.

Die mehr als 800 Kilometer bewältigte der Pilger aus dem Siebengebirge ohne eine einzige Blase an den Füßen. Trotz der vielen Wanderer auf dem Camino blieb Markus Hoitz dabei ausreichend Zeit für Besinnung. „Man ist viel mit sich selbst beschäftigt. Wenn man wieder mal einen Berg vor sich hat, lernt man, das Tempo anzupassen. Das hilft mir jetzt auch bei der Arbeit zu Hause“, sagt er. Vor allem aber mache man die Erfahrung, dass es nichts bringt, vom Reich Gottes zu träumen und sich gleichzeitig über die Wirklichkeit zu ärgern. „Man lernt, nicht an einem Ideal hängenzubleiben, sondern sich zu fragen, was der nächste Schritt ist, den man tun muss.“ Auf den Alltag des Pilgers reduziert, bedeute das oft einfach nur, genug Wasser und eine Rolle Toilettenpapier bei sich zu haben.

Pilger Markus Hoitz im Regen irgendwo in Galicien.  

Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 04.08.2025 - siehe Link unten

Quelle
General-Anzeiger vom 13.12.2024; Foto 1: Markus Hoitz; Foto 2 und Bericht: Hansjürgen Melzer Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 04.08.2025
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