Aufnahme: 2025
Kommunalwahl in Königswinter - Rennen ums Bürgermeisteramt geht in die Verlängerung, im Rat droht ein Patt
Heike Jüngling (CDU) feiert ihr Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl in Königswinter. Sie geht am 28. September in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Lutz Wagner (KöWi).
Kopfrechnen – und immer wieder Kopfrechnen stand am späten Sonntagabend im Königswinterer Sea Life Center an. Bei jedem neuen Zwischenstand zur Wahl des Stadtrates übten sich die Teilnehmer der Wahlparty der Stadt, die erstmals im Ende 2022 geschlossenen Großaquarium über die Bühne ging, in der immer gleichen Aufgabe: Welcher politischen Kraft im Stadtrat gelingt es, die Mehrheit in dem Gremium zu erringen? Die Antwort gab es dann um 22.26 Uhr: Im Königswinterer Rat droht ein politisches Patt.
Auch beim Nachrechnen kam letztlich immer wieder das gleiche Ergebnis raus: Die CDU-Fraktion im Rat wird mit 21 Sitzen vertreten sein, und die bisherige Koalition, bestehend aus Königswinterer Wählerinitiative (KöWi), die acht Mandate errang, SPD (sieben Mandate) und Grünen sechs Sitze), kommt addiert ebenfalls auf 21 Mandate. Ebenfalls im Rat vertreten wird die AfD mit jetzt fünf statt bislang zwei Sitzen sein, Die Linke mit weiterhin zwei Sitzen und die FDP mit nur noch einem Sitz – statt bislang zweien.
Eine Unbekannte in dieser Rechnung gibt es allerdings noch: Da auch der Bürgermeister oder eine Bürgereisterin ein Stimmrecht im Rat hat, wird die Stichwahl am Sonntag, 28. September, letztlich darüber entscheiden, wer im Stadtrat dann mit einer Stimme Mehrheit vorne liegen wird.
In die Stichwahl in zwei Wochen gehen Amtsinhaber Lutz Wagner (KöWi), der auf 41,98 Prozent der Stimmen kam, und Dezernentin Heike Jüngling (CDU), die mit einem Votum von 45,58 Prozent etwa dreieinhalb Prozentpunkte vor ihrem politischen Konkurrenten lag, der von KöWi, SPD und Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen geschickt wird. Heike Jüngling freute sich „über den Zuspruch und das tolle Ergebnis, auf das ich total stolz bin“, wie sie im Gespräch mit dem GA sagte.
Da die Christdemokraten alle Direktmandate im Königswinterer Rat errungen haben, eröffne dies im Falle ihrer Wahl zur Bürgermeisterin „die hervorragende Möglichkeit, im Rat Dinge voranzubringen“. Was das Abschneiden der AfD mit 10,07 Prozent der Stimmen anbelangt, hat Jüngling mit einem Ergebnis unter zehn Prozent gerechnet, wie sie sagte. In manchen Teilen des Stadtgebietes habe die Partei doch „unerwartet hoch“ punkten können, so die CDU-Bewerberin. Hintergrund: Im Wahlbezirk Oberhau schaffte die Rechtsaußen-Partei 13,15 Prozent, in Boseroth/Weiler/Rüttscheid 11,97 Prozent und in Uthweiler, Eisbach und Pleiserhohn 11,90 Prozent. In einer früheren Version dieses Textes waren falsche Zahlen aufgetaucht: Es handelte sich dabei um die Ergebnisse des Stimmbezirkes ohne die Briefwahlergabnisse. Wir bitten diesen Fehler zu entschulden.
Ein „paar Prozentpünktchen mehr“ hätte sich Bürgermeister Lutz Wagner schon gewünscht, resümierte der 61 Jahre alte Amtsinhaber auf GA-Anfrage. Er wolle sich das Ergebnis zunächst einmal mit Muße genau ansehen, um die Stichwahl dann zu gewinnen. „Wir werden kämpfen, weil ich es für richtig halte, den vor vier Jahren begonnenen Weg für Königswinter unbedingt weiterzugehen“, so Wagner.
Für die Grünen bedauerte Thomas Koppe, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, dass es der Koalition nicht gelungen sei, ihre bisherige Mehrheit zu behalten, und dass Bürgermeister Lutz Wagner nicht direkt im ersten Wahlgang erneut zum Chef der Verwaltung gewählt worden ist. Die Grünen selbst sind im neuen Rat mit sechs statt bislang acht Sitzen vertreten.
Angesichts der Patt-Situation erwartet auch Klaus Ruppert, Chef des Grünen-Stadtverbands, eine „schwierige Arbeit im Rat“. „Wenn beide Lager für sich alleine keine Mehrheit haben, müssen die sich für jedes Einzelthema eine neue Mehrheit suchen“, erklärte er. Und: Der Wahlkampf habe die beiden Lager – CDU einerseits und die bisherige Koalition aus KöWi, SPD und Grünen andererseits – alles andere als zusammengeführt. „Wir müssen sehen, wie diese Wunden verheilen, die der Wahlkampf geschlagen hat“, meinte Ruppert.
„Ja, der Wahlkampf hat viel Energie gekostet“, erklärte auch Insa Thiel-Eich, eine von drei Spitzenkandidaten der KöWi. Gleichwohl sei dieser wegen der Stichwahl in zwei Wochen auch noch nicht vorbei. „Ich möchte, dass wir mit einem pragmatischen Lösungsansatz an den Herausforderungen der Zukunft arbeiten“, so die Meteorologin und ausgebildete Astronautin, die bisher noch auf einen Einsatz im All wartet. Sie erwartet, dass die gewisse Form der Zuspitzung im Wahlkampf auch noch anhält.
Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger - siehe Link unten.
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