Aufnahme: 2025

Heinz Wolter findet seit 57 Jahren Schätze in Äckern

Königswinter · Ob Keramik oder keltischer Schmuck: Landwirt Heinz Wolter aus Rübhausen entdeckt immer neue Spuren der Vergangenheit. Tausende Fundstücke hat der Hobby-Archäologe inzwischen gemacht. Sogar ein etwa 6000 Jahre altes Stück eines Gefäßes war dabei – und das alles ganz in der Nähe seines Bauernhofs.

In den vergangenen 57 Jahren hat Hobby-Archäologe Heinz Wolter aus Königswinter-Rübhausen im Pleiser Hügelland mehrere Tausend Zeugnisse der Vergangenheit gefunden. Der 70-jährige Landwirt, der seit fast 35 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege ist, hat unter anderem Werkzeuge aus der Steinzeit und Glasschmuck aus der Eisenzeit entdeckt. Sein ältestes Fundstück ist ein etwa 6000 Jahre altes Teil von einem Kugelbecher aus der mittleren Jungsteinzeit.

Wenn Wolter Fundstellen zeigen will, muss er sich nur wenige Meter von seinem Hof in Rübhausen entfernen. Auf einem Feld, auf dem zurzeit eine Zwischenfrucht gut gedeiht, hat er in früheren Jahren Bruchstücke von Steinbeilen, Klingen und Keramik aus der Steinzeit gefunden. Auf einem anderen nahen Acker, auf dem die ersten Keimlinge des Winterweizens aus der Erde schauen, machte er zahlreiche Funde aus der Steinzeit und dem Mittelalter. Für den Fotografen zeigt er einen Kugeltopf aus dem 13. Jahrhundert, der damals als Kochgefäß gedient haben dürfte. Die Rußspuren waren noch zu sehen, als er den Topf vor 50 Jahren fand. „Ein Allerweltsfund“, sagt er heute.

Von Keramikscherben bis zu keltischem Glasschmuck

Im zarten Alter von 13 Jahren entdeckte Wolter beim Kartoffelsammeln auf den elterlichen Äckern rund um Rübhausen die ersten Keramikscherben. Das war 1968, als der archäologische Eifer durch den Zufallsfund getriggert wurde. „Die Siedlungsgeschichte hat mich schon immer interessiert“, sagt er. Fragen wie es in Rübhausen, wo der elterliche Hof um das Jahr 1850 herum erbaut wurde, früher einmal ausgesehen hat, wie und wovon die Vorfahren der eigenen Familie in vergangenen Zeiten gelebt haben.

Wolter kann nicht genau sagen, wie viele Keramikscherben er im Laufe seines Lebens gefunden hat. Die Gegenstände aus Keramik landeten damals meistens auf dem Mist und wurden als Dünger auf den Feldern verwendet. Sein Vater habe sich wie er für die Geschichte der heimischen Scholle interessiert, sei aber auch überrascht gewesen, dass sein Sohn bald schon das Alter der Fundstücke ziemlich exakt benennen konnte. Als 15-Jähriger hatte Heinz Wolter bei einer Keramikausstellung in Kommern Abbildungen von rheinischer Keramik gesehen, sodass er die Funde danach zeitlich gut einordnen konnte.

Es blieb jedoch nicht bei Keramikscherben. Wolter fand auch über 2000 Jahre alten keltischen Glasschmuck. Nach und nach suchte er auch nicht nur rund um Rübhausen, sondern auch mit Genehmigung der Eigentümer auf den Feldern oder Baustellen in Nachbarorten. Interessant war für ihn dabei vor allem die Erkenntnis, dass die Gegend im Pleiser Hügelland schon seit über 2500 Jahren durchgängig besiedelt wurde. Einzelne Funde reichen sogar bis in die Zeit 8000 v. Chr. zurück. Auch wenn die erste urkundliche Erwähnung von Rübhausen auf das Jahr 1458 datiert, war klar, dass hier schon viel früher Menschen gelebt und gearbeitet hatten.

Wolter: „Die Welt kommt zu einem“

Sein alter Freund Werner Dahm, den er aus der Oberpleiser Pfarrjugend kannte, stellte ihm vor 35 Jahre den Kontakt zum LVR-Amt für Bodendenkmalpflege her, deren ehrenamtlicher Mitarbeiter er dann wurde. Wolter verpflichtete sich damals, ab diesem Zeitpunkt alle Fundstücke an das Amt weiterzugeben. Neben der weiteren Suche nach Fundstücken eignete er sich auch immer mehr theoretisches Wissen an. Über 200 archäologische Bücher, viele vom Verein von Altertumsfreunden im Rheinlande, füllen seine Regale. Sie wird er behalten, während er zurzeit mehrere Kisten mit Fundstücken, die er vor seiner LVR-Zeit gesammelt hat, an das LVR-Amt übergibt.

Wolter ist fasziniert von seinem Hobby. „Die Welt kommt zu einem“, sagt er zu seiner Leidenschaft für die Archäologie. Durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit erfuhr er von der Magdalenenflut von 1342, die für das Pleistal noch dramatischere Folgen als die Ahrflut gehabt haben soll. „Die Erosion ist damals an wenigen Tagen so stark wie sonst in 2000 Jahren gewesen, was große Folgen für die Landwirtschaft hatte“, sagt er.

Wolter entdeckte Scherben aus der Römerzeit

Seit über einem Jahrzehnt steht er auch in engem Kontakt mit der Bonner Universität. Vor 17 Jahren hatte er 200 Keramikscherben aus der Römerzeit in Wurzeltellern umgestürzter Bäume bei Bennerscheid gefunden. Dort waren in vier verschiedenen Epochen von der Eisenzeit bis ins 19. Jahrhundert Bleierze abgebaut worden. Archäologiestudenten der Universität förderten bei Ausgrabungen zwischen 2018 bis 2024 unzählige Funde zutage. Im vergangenen Jahr gelang der Nachweis, dass die Römer bei Bennerscheid nicht nur Blei abbauten, sondern auch wohnten. „Wir haben Heinz Wolter die Entdeckung fast aller Fundstellen zu verdanken“, sagt Ausgrabungsleiter Torsten Rünger.

Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger - siehe Link unten.

Quelle
General-Anzeiger vom 05.11.2025, Foto: Ralf Klodt; Bericht: Hansjürgen Melzer Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger
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