Aufnahme: 2024
Knatschdoll mit Geist und Witz - Persiflage-Wagen des "Club Hupp 17" seit 1968
Oberpleis. Bis auf zwei Ausnahmen - während des Golfkriegs 1991 und in der Pandemie 2021/22 - nahm der der „Club Hupp 17“ seit 1968 alljährlich mit einem eigenen Mottowagen am Oberpleiser Karnevalszug teil und persiflierte lokale Begebenheiten oder allgemeine gesellschaftliche Phänomene wie etwa Rauchverbot in Gaststätten oder Online-Shopping. In einem kürzlich erschienenen, reich bebilderten Buch mit dem Titel „Jeck in Plees“ werden alle bisherigen Karnevalswagen vorgestellt. Aber wer oder was ist eigentlich der „Club Hupp 17“?
Zwölf junge Männer, die der katholischen Pfarrjugend von Sankt Pankratius allmählich entwachsen waren, beschlossen am Rosenmontag 1967, einen Club zu gründen und gaben diesem den fantasievollen Namen „Club Hupp 17“. Ein Teil der Clubmitglieder bereicherte zudem als „Dorfspatzen“ mit musikalischen Auftritten die Karnevalssitzungen der „Narrenzunft“ und von 1970 bis 1982 trat auch der gesamte „Club Hupp 17“ mit musikalischen Sketchen etwa als „katholischer Mütterverein“ oder Jugendfeuerwehr bei den Sitzungen auf. Auch die Oberpleiser Hymne „Pleeser Wind“, die 1972 erstmals auf der Sitzung der „Narrenzunft“ erklang, floss aus der Feder von Clubmitgliedern. Doch nicht nur im Karneval waren die Herren aktiv. In den 1970er-Jahren betätigten sich die Clubmitglieder auch als Pfingstjungen: Sie pflegten den alten Brauch des Pfingsteiersammelns und zogen „Jätt us noch e Pingsei ri-ra-röschen…“ singend von Haus zu Haus. Außerdem wurde, auch als noch kein Clubmitglied Vater war, der Vatertag mit einem feuchtfröhlichen Ausflug begangen.
Doch zu regionaler Berühmtheit gelangte der Club durch seine frechen Karnevalswagen. Die Jungs waren und sind nach eigenem Bekunden „naturbekloppt“, aber mit Stil. Die Bandbreite der persiflierten Themen ist groß und reicht von der Misswahl in den 1960er-Jahren, bei der die damals geltenden Modelmaße einer Twiggy nicht an den Sex-Appeal der „Pleeser Mädche“ heranreichten, über die damalige Obdachlosenunterkunft und das Kammer(pott)-Orchester am Ort bis zu Bausünden und politischen Themen. Auch ein moderner Beichtstuhl und die „Pleeser Pankratius Protz-Poller“ lieferten Stoff für knatschverdötschte Wagen. 1988 kam erstmals ein „Niedrigflurwagen“ zum Einsatz: Unter eine selbstgebastelte Holzplattform hatten die Clubbrüder niedrige Schwerlast-Lenkrollen geschraubt. Dazu Landrat Sebastian Schuster, der seit einigen Jahren mit im „Club Hupp 17“-Wagen fährt und es sich selbst 2016 als Siegburger Prinz nicht nehmen ließ, mit auf dem „Club Hupp 17“-Wagen mitzufahren: „Das Schöne an dem Wagen ist, dass man Bodennähe hat und nicht so hoch oben steht wie etwa im Elferrat- oder Prinzenwagen. Man ist näher bei den Jecken und kann schneller mal zum Bützen absteigen“. Ob Rad ab, fehlende Auflaufbremse oder schwächelnde Zugmaschinen - im Laufe der Jahre kamen unterschiedliche Traktoren zum Einsatz - „et hätt noch immer joot jejange“.
Zum vollständigen Bericht im Extra-Blatt vom 19.01.2024 - siehe Link unten.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.