Aufnahme: 2024
Steinbruch Hühnerberg - Im Siebengebirge wird Mondsand für Raumfahrt-Training gewonnen
Der Steinbruch im sogenannten Hühnerberg im Siebengebirge liefert ab Juni „Mondsand“ für eine Trainingshalle der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Köln. Was den vulkanischen Sand so einzigartig macht und wie daraus Mondsand gewonnen wird:
Was vor 55 Jahren mit einigen wenigen Schritten von Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond begann, soll nun in einer Trainingshalle in Köln fortgesetzt werden – mit Mondsand aus dem Hühnerberg-Steinbruch in Königswinter. Die europäische Weltraumagentur Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bilden zurzeit auf einem Übungsgelände die Mondoberfläche nach, damit sich Astronauten dort auf die nächste Mondmission vorbereiten können. Und dabei kommt das Siebengebirge ins Spiel.
„Ein echtes Premiumprodukt“
Ab Juni liefern die Rheinischen Provinzial Basalt- und Lavawerke (RPBL) aus ihrem Werk in Hühnerberg 900 Tonnen Mondsand für die Mond-Trainingshalle am Europäischen Astronautenzentrum der Esa in Köln. Dies teilte Thomas Blau, Geschäftsführer der RPBL, dem General-Anzeiger auf Nachfrage mit. „Der Mondsand ist ein echtes Premiumprodukt aus Hühnerberg“, sagt Blau. Der feine Sand wird in einem aufwendigen Produktionsprozess durch zahlreiche Brech- und Siebvorgänge des Basalts aus dem 130 Meter tiefen Krater mit den gigantischen Ausmaßen von 900 mal 500 Metern gewonnen.
Die spezielle Feinsandaufbereitung wurde seit dem Jahr 1986 in Hühnerberg selbst entwickelt. Der Königswinterer Mondsand, der exakt die gleiche chemische Zusammensetzung und Körnung hat wie der Sand auf dem Mond, wird dabei durch Mischung von drei verschiedenen Komponenten mit Körnergrößen zwischen 0,02 und einem Millimeter erzeugt. Am Auswahlprozess waren 50 Universitäten und Labore beteiligt, die die Gesteinsproben mehrerer Hersteller analysierten. Nirgends war die Übereinstimmung so groß wie beim Mondsand vom Hühnerberg. Der Astronaut Alexander Gerst nahm den Sand vor Ort selbst in Augenschein.
Im Europäischen Astronautenzentrum in Köln entsteht zurzeit die „Luna"-Trainingshalle, in der sich Astronauten auf künftige Mond-Einsätze vorbereiten können. „Die Halle sieht gut aus, da kommen zigtausend Tonnen simuliertes Mondgestein rein“, berichtete kürzlich Alexander Gerst. Deutsche Astronauten und ihre internationalen Partner sollen dort in Zukunft trainieren, bevor sie zum Mond fliegen. Die Situation auf dem Erdtrabanten wie Oberfläche und Strahlung werden dort realistisch nachgebildet. Gerst ist Kandidat für die Teilnahme an kommenden Mond-Missionen, wobei die ersten Flüge zunächst noch nicht mit europäischer Beteiligung geplant sind.
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