Aufnahme: 2024
Notkirche in Oberpleis - Wie ein schlichtes Gotteshaus aus Holz zum zweiten Zuhause wird
Oberpleis · Von den nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten „Notkirchen“ gab es bundesweit nur 48 Stück - eine davon steht in Oberpleis. Nun feiert das kleine Gotteshaus an der Ittenbacher Straße, das auf eine ganz besondere Geschichte zurückblicken kann, 75. Geburtstag.
Sie besitzt keinen imposanten Kirchturm und keine bunten Glasfenster, die für kunstvolle Lichtspiele im Innenraum sorgen. Sie beherbergt auch keine Kunst- oder Kulturschätze und gehört auch keiner bedeutenden Stil-Epoche an, sie ist nicht einmal aus Stein erbaut. Trotzdem ist die evangelische Kirche in Oberpleis etwas ganz Besonderes – so besonders, dass sie seit 1985 unter Denkmalschutz steht. In diesem Jahr feiert das kleine Gotteshaus an der Ittenbacher Straße seinen 75. Geburtstag. Der Grundstein für die „Notkirche vom Typ D“ wurde am 14. Oktober 1949 gelegt.
Nur 48 dieser sogenannten Notkirchen, die der Architekt und Bauhaus-Mitbegründer Otto Bartning in den Nachkriegsjahren bis 1951 konzipierte, gibt es bundesweit. Von den ursprünglich 19 Modellen des Typs D sind noch 15 erhalten geblieben. Die Oberpleiser ist eine davon. Doch nicht nur das macht sie so besonders: Die Kirche wurde in nur sechs Monaten Bauzeit von den Gemeindemitgliedern größtenteils in Eigenleistung errichtet.
„Es haben damals alle mitgebaut“, erinnert sich Gerda Riediger aus Oberpleis. Auch ihr Vater war dabei. Riediger selbst war damals zwölf Jahre alt und weiß noch genau, dass dort, wo die Kirche errichtet wurde – heute übrigens eine beliebte Wohngegend – quasi Nichts war: „ein Kornfeld, das ein Bauer für billig Geld verkauft hat“, weit außerhalb des Ortszentrums. Eine eigene evangelische Kirche hatte es bis dato in Oberpleis nicht gegeben, überhaupt war die Zahl evangelischer Christen in der Region vor Kriegsbeginn gering gewesen. Gerade mal 150 Mitglieder zählte die „Landgemeinde der Kirchgemeinde Oberkassel“ im Jahr 1939.
Das änderte sich schlagartig in der Nachkriegszeit: Hunderte Ostvertriebener, die überwiegend evangelischen Glaubens waren, fanden vor allem in Oberpleis ein neues Zuhause. 1947 gehörten der Landgemeinde bereits 1000 Menschen an. Gottesdienste fanden in Oberpleis damals in einem Kinosaal statt. Ab März 1949 begannen die ersten Überlegungen zur Errichtung eines eigenen Kirchengebäudes – auch, um dadurch die „drohende Gefahr der Verwahrlosung der Jugend“ abzuwenden, wie es im Antrag des evangelischen Pfarramts Oberkassel an den Regierungspräsidenten in Köln steht, in dem es um einen Zuschuss zur Errichtung des Fundaments und des Kellergeschosses geht.
Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 11.10.2024 - siehe Link unten.
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