Erneuerbare Energie - Wie aus Gülle Strom für 400 Haushalte entstehen soll - David und Franciska Nietzer vor dem neuen Endlager für die Gülle

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Aufnahme: 2024

Erneuerbare Energie - Wie aus Gülle Strom für 400 Haushalte entstehen soll - David und Franciska Nietzer vor dem neuen Endlager für die Gülle

Oberpleis · Mit einer Klein-Biogasanlage auf ihrem Bauernhof bei Oberpleis will die Familie Nietzer ab dem kommenden Sommer Strom für rund 400 Haushalte erzeugen. Die Energie in der einzigen Anlage dieser Art in Königswinter wird aus der Gülle der Milchkühe gewonnen. Zurzeit entsteht auf dem Wahlfelder Hof ein Endlager für die Gülle mit einem Fassungsvermögen von rund 10.000 Kubikmetern.

Wenn man vor der gewaltigen Baustelle steht, die es seit drei Wochen gibt, fragt man sich, ob es sich tatsächlich nur um eine Klein-Anlage handelt. Durch die Erdarbeiten, die die Familie mit einem Nachbarn selbst durchgeführt hat, ist ein tiefer Krater entstanden, in den die Mitarbeiter einer Fachfirma nun das Endlager für die Gülle mit einem Durchmesser von 40 Metern und einer Tiefe von acht Metern einbauen. Auf das Lager kommt dann noch ein acht Meter hohes Emissionsschutzdach. Anschließend wird ein Großteil der Anlage wieder mit Erde bedeckt.

Der Neubau ist nur eines von drei Bauwerken der Biogasanlage, wenn auch mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Kubikmetern das größte. Dazu gehören ein weiteres Endlager mit einem Volumen von 4000 Kubikmetern und der so genannte Fermenter mit 2500 Kubikmetern. Dabei wird ein vorhandener Güllebehälter in den Fermenter umgebaut, in dem die Gülle auf 40 Grad erwärmt wird. In dem luftdichten Behälter beginnt die Gärung ohne Sauerstoff. Die Energie wird aus der Gülle der Milchkühe gewonnen. 430 Milchkühe und Jungtiere – die Jungtiere werden auf einem Betrieb in Hennef-Eulenberg gehalten – gehören zum Unternehmen.

Im Februar gab es einen Termin vor Ort, bei dem die Familie das Projekt vorstellte, und an dem alle Genehmigungsbehörden teilnahmen. Auch für die Behörden ist der Bau einer Biogasanlage etwas Besonderes. Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es laut Nietzers solche Anlagen nur in zwei landwirtschaftlichen Betrieben in Hennef und eine Anlage der RSAG in Niederpleis. „Man braucht für eine solche Anlage auch eine gewisse Menge an Tieren“, sagt Senior-Chef Johannes Nietzer, der den Hof mit seinen drei Kindern führt.

Die Obergrenze für eine Klein-Biogasanlage liegt zurzeit bei 150 Kilowatt. Sie wurde in den vergangenen Jahren immer weiter angehoben. „Wir hoffen, dass das irgendwann erweitert wird. Wir sind sicherlich auch in der Lage, das Doppelte an Strom zu produzieren“, so Nietzer. Die 15 kW-Anlage liefere rund 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr – genug, um 400 Haushalte zu versorgen. Als 2009 die Subventionen für Strom aus Biogas im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhöht wurden, gab es einen Boom. Innerhalb von drei Jahren wurden bundesweit mehr als 3800 Anlagen gebaut. Viele Landwirte wurden vom Nahrungsproduzenten zum Energieproduzenten, was die Politik dann als Problem erkannte. 

Seitdem wurden die Subventionen zurückgefahren. Darunter leidet die deutsche Biogasbranche massiv. Die Nietzers argumentieren damit, dass sie nur aus der ohnehin vorhandenen Gülle und dem Mist ganzjährig Energie erzeugen und mit dieser Kreislaufwirtschaft einen Beitrag zur Klimawende leisten. Ihre Kühe produzieren pro Tag 40 Kubikmeter Gülle, die in Zukunft direkt in den Fermenter geleitet wird. Dort wird diese mit der Abwärme, die ebenfalls im Prozess gewonnen wird, auf 40 Grad erwärmt, sodass das Biogas entweicht. Der Gärrest wird danach als organischer Dünger eingesetzt. „Die Gülle ist dann dünner und besser für die Pflanzen verfügbar. Ohne Gas stinkt sie auch weniger“, nennt Junior-Chef David Nietzer positive Nebeneffekte.

Quelle
General-Anzeiger vom 13.12.2024; Fotos und Bericht: Hansjürgen Melzer
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ) Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 13.12.2024er vom 05.12.2023 - Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 29.08.2025
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