Aufnahme: 2023
Tag der offenen Tür am Sonntag - Sammlerscheune in Gratzfeld ist ein kleines Freilichtmuseum
Unter anderem allerhand Motorzweiräder hat Karl-Heinz Bluhm in einer Abteilung seiner Sammlerscheune in Gratzfeld untergebracht.
Hühott! Karl-Heinz Bluhm hat seine Kuh eingespannt. Zum 80. Geburtstag während der Coronazeit hatte er Frieda geschenkt bekommen. Beim Tag der offenen Tür in seiner Sammlerscheune in Königswinter-Gratzfeld am Sonntag, 20. August, wird das lebensgroße schwarz-weiße Modell eines wahren Milchvieh-Prachtexemplars erstmals ein Blickfang fürs Publikum sein.
Bluhm band die Kuh fachmännisch an die Deichsel eines alten Bauernwagens, der auch zum Heueinfahren geeignet ist. Frieda trägt Stirnjoch und sogar einen Maulkorb als Fressbremse. Das Drahtgestell soll sie daran hindern, dass sie angespannt vor Wagen oder Pflug auf jeden Halm aus ist.
Wer mit Karl-Heinz Bluhm durch die Sammlerscheune geht, erhält für wirklich jedes Detail der Sammlung eine Erklärung. Die Bedeutung vieler Stücke ist heute nur noch den Älteren klar, denn der Sassenberger hat alles gesichert, was ihm auf Flohmärkten oder bei Haushaltsauflösungen unter die Finger kam und einst Groß- und Urgroßeltern diente – vom alten Herd mit darüber zum Trocknen aufgehängten Schlüpfern über die Kaffeemühle bis zum Bügeleisen in der Wohnküche und von der Egge über den Heuwender bis zum Pflug aus der bäuerlichen Fraktion.
Für jedes Detail der Sammlung eine Geschichte
Viele Teile erhielt er von Landwirten, die ihren Hof aufgegeben oder einfach keinen Platz mehr hatten für die ausgedienten Gerätschaften, oder von Handwerkern, andere Relikte seines Museums sind Dachbodenfundstücke. Neu ist der Dengelstock, auf dem das Sensenblatt geschärft wird. Und das Vorkriegsfahrrad mit Melkerschemel, Eimer und Kannen steht zur Abfahrt zum Melken bereit.
Als Bluhm, der – wie er selbst sagt – noch nie etwas wegwerfen konnte, um 1990 das landwirtschaftliche Anwesen in Gratzfeld pachten konnte, baute er nach und nach ein Museum auf; das Sammelsurium von Relikten der letzten 200 Jahre hat er wohldurchdacht in Sparten aufgeteilt. Die Bevölkerung überließ dem einstigen Bergmann ihre ausgedienten Schätze.
„Es scheint mittlerweile alles leergeräumt zu sein; was jetzt noch kommt, ist meist vom Flohmarkt“, berichtet Bluhm. Aber er hat ja auch wirklich alles, was für das Leben und Arbeit erforderlich war. Der Besucher tritt eine Zeitreise an.
Die letzte alte Tafel aus der Eudenbacher Schule ist zu finden, der Stempel vom alten Oberpleiser Postamt, eine große Büchse „Jedo-Caffee“ von Jean Dohle, der 1927 in Quirrenbach mit einem Lädchen den Grundstein für das große Handelsunternehmen Hit legte, ist zu entdecken. Die Gerätschaften des Hausschlachters, eine Schusterwerkstatt oder eine ebenfalls komplett ausgerüstete Schmiede, Sattlerei und Schreinerei, der Friseursalon … – die Vielfalt ist umwerfend.
Vom eigenen Beruf Bluhms künden die Bergmannsutensilien, und als Gründungsmitglied der Veteranenfreunde Siebengebirge hat er in der Scheune eine Sammlung historischer Zweiräder aufgebaut. Eine Augenweide.
Kanonenkugel aus der Zeit Napoleons ist Teil der Sammlung
Auch zu sehen: Bluhms erstes Motorrad, eine BMW, Baujahr 1953. Und wer eine Kanonenkugel von Napoleon in Augenschein nehmen möchte – eine kleine Kugel sowie Bleigeschosse liegen in einer kleinen Kiste, Relikte der Schlacht von Kircheib im Juni 1796, als die französischen Revolutionstruppen auf die Österreicher stießen. Gar nicht so weit von Gratzfeld entfernt – die Ortsbewohner von damals wären mit der Ausstattung der Sammlerscheune bestens zurechtgekommen.
Zu den Berichten im General-Anzeiger - siehe Links unten.
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