Aufnahme: 2023

Das steckt hinter den Folientunneln im Siebengebirge

In diesen neu aufgebauten Folientunneln sollen ab Mai Erdbeeren und andere beliebte Obstsorten geerntet werden können.

Wenn Obstbauer Markus Schmitt vom Sonnenberger Hof mit seinen Mitarbeitern dieser Tage die Gerüste für die neue Tunnelanlage für den Anbau von Erdbeeren auf dem Hinsberg aufbaut, bekommt er schon mal ein paar unfreundliche Kommentare zu hören. „Wenn man den Leuten erklärt, warum wir das machen, reagieren sie aber meistens anders“, sagt er.

Im Mai sollen auf der Höhe zwischen der Kapelle auf dem Hartenberg und Jüngsfeld die ersten Erdbeeren geerntet werden. Dabei ist dem Landwirt durchaus bewusst, dass die Tunnel, besonders wenn sie später mit Folien bespannt werden, das Landschaftsbild nicht verschönern, zumal man von Oberpleis einen freien Blick auf die Anlage hat. „Das wollen wir nicht schönreden“, so Schmitt. Für eine bessere Optik hat er dort eine Hainbuchenhecke gepflanzt, die aber erst einmal wachsen muss.

Für seinen Betrieb, den der 42-Jährige mit seiner Frau Irene vor zweieinhalb Jahren von den Eltern übernommen hatte („Meine Eltern sind aber weiter voll mit dabei. Wir sind ein echter Familienbetrieb“), sind die Tunnel inzwischen zur Existenzgrundlage geworden. Bis zur Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 baute die Familie noch Erdbeeren in Bodenkulturen rund um Vinxel an. Damals wurde der Mindestlohn auf 8,50 Euro festgelegt. Ab dem 1. Januar 2024 steigt er weiter auf 12,41 Euro. „Ich bin generell für die Erhöhung des Mindestlohns. Für uns hat das damals im ersten Jahr aber dazu geführt, dass wir nur noch Verluste gemacht haben“, sagt Schmitt. Seinerzeit habe es intensive Diskussionen in der Familie darüber gegeben, den Erdbeerenanbau ganz aufzugeben. Stattdessen habe man sich aber für den Stellagen-Anbau, das heißt unter geschützten Bedingungen, entschieden.

Erhöhung des Mindestlohns bedeutet Verluste für den Familienbetrieb

Eine ganze Reihe von Faktoren habe dafür gesprochen. Zum einen die bessere Qualität der Früchte, es gebe jetzt praktisch keine Ausschussware mehr. Für den gleichen Ertrag werde auch nur etwa die Hälfte der Fläche gebraucht wie beim Bodenanbau. Außerdem könnten Erdbeeren viel länger und Brombeeren sogar bis Ende Oktober geerntet werden. Auch die Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels seien drastisch gestiegen. „Als es in diesem Jahr im Juli und August viel geregnet hat, wurden nur noch Früchte aus dem geschützten Anbau angenommen“, berichtet Schmitt.

Durch die Anlagen habe man zudem die äußeren Einflussfaktoren wie Frost-, Hagel- oder Wasserschäden weitgehend ausschalten können. Durch die Folien und eine Vliesbedeckung könnten die Erdbeeren Frost bis zu minus vier Grad aushalten. „Das sind aber trotzdem im April oft bange Nächte für uns“, sagt der Landwirt. Die Tunnel werden nicht beheizt, die Pflanzen werden aber bewässert, wobei mit einer Messvorrichtung exakt der Grad der Verdunstung gemessen und die Bewässerung bei Erreichen eines Grenzwertes eingeschaltet werde.

Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann laut Schmitt weitgehend reduziert werden. Herbizide und Insektizide würden in den Anlagen rund um den Sonnenberger Hof überhaupt nicht mehr gebraucht. Stattdessen würden Insekten wie die Raubmilbenarten Californicus oder Phytoseiulus gegen Spinnmilben sowie Larven der Florfliegen oder Marienkäfer gegen Blattläuse gezielt eingesetzt. Auch der Einsatz von Fungiziden zum Beispiel gegen Mehltau konnte erheblich reduziert werden. „Wir machen zwar weiter einen konventionellen Anbau, sind durch die Tunnel jedoch in der Lage, viele biologische Mittel einzusetzen“, so Schmitt.

Biologische Helfer gegen Blattläuse statt Herbizide und Insektizide

Zum Bestäuben der Erdbeerenblüten werden ab Ende März oder Anfang April heimische Hummelarten von drei Firmen in den Tunneln eingesetzt, die zum Teil in den Folgejahren neue Völker bilden. Pro Tunnel reichen dabei 20 Hummeln. „Sie haben gegenüber Bienen den Vorteil, dass sie auch bei geringeren Temperaturen und bei weniger Licht fliegen“, berichtet Schmitt. Durch ihre Größe könnten sie auch deutlich mehr Blüten bestäuben. Auch bei Frostphasen im Frühjahr könnten sie in den geschlossenen Tunnel weiter ihre Arbeit verrichten.

Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 07.12.2023 - siehe Link unten.

Quelle
General-Anzeiger vom 07.12.2023; Foto: Frank Hohman; Bericht: Hansjürgen Melzer Zum vollständigen Bericht im General-Anzeiger vom 07.12.2023
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