Aufnahme: 2000

In Richtung Süden verschwindet die Bahn bei Ittenbach in einen Tunnel

 Alle 70 Meter neun Meter hohe ICE Strommaste

.Am 1. Juni 2002 soll die  Premierenfahrt mit Gästen stattfinden
st. Die Bauarbeiten an der ICE-Neubaustrecke haben trotz vieler Schwierigkeiten sehr große Fortschritte gemacht und werden voraussichtlich innerhalb des geplanten Fertigstellungstermins (Januar 2002) ihren baulichen Abschluss finden. Nachdem nun fast alle Tunnel und Ingenieurbauwerke kurz vor der Fertigstellung stehen, hatte Landrat Frithjof Kühn die Gelegenheit genutzt, der Presse und den Politikern der Region den Sachstand im besonders schwierigen Bereich des Siebengebirges und die Ergebnisse der intensiven Bemühungen des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Königswinter zum Schutz von Mensch und Umwelt im Rahmen einer Information vor Ort darzulegen.

Karl-Heinrich Hosang, Abschnittsleiter des Projektes, hofft, dass in wenigen Monaten die Baustellenbereiche ein anderes Aussehen haben als jetzt noch. Sie sollen so weit wie möglich wieder begrünt werden. Hosang gab während der Busfahrt entlang der ICE Strecke von Ittenbach bis Niederscheuren viele Erläuterungen aus der Sicht der Bahn und Hans-Adolf Schmidt, ICE Koordinator beim Kreis, aus seiner Sicht.

Zuvor betonte der Landrat, dass die Bahn vollkommen neu planen musste, nachdem sich der Kreis und die Stadt Königswinter mit den vorgelegten Plänen nicht einverstanden erklärt hatten. Daraus entstand im Januar 1997 die sogenannte Konsenstrasse. Es wurde festgeschrieben, dass der Trassenverlauf an verschiedenen Stellen tiefer gelegt und Tunnel verlängert werden müssten. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Belästigung der Bevölkerung durch den Baustellenverkehr. Wie Hasang mitteilte, verliefen die Arbeiten bisher ohne größere Unfälle und auch ohne massive Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger. Dies konnte Kühn bestätigen, denn die Claeringstelle habe in den letzten Monaten nicht mehr zu tagen brauchen.

An den vorbezeichneten Stellen werden nun im Siebengebirgsbereich von einer Fachfirma mit Baukränen die Strommasten aufgestellt. Sie sind neun Meter hoch über der Erde, wiegen 1,7 Tonnen und haben einen Durchmesser von 37 Zentimeter. Für jeden einzelnen Mast müssen fünf Meter tiefe Löcher gebohrt werden. Nach dem Einsetzen der Maste werden die Löcher mit Beton ausgegossen. Alle 70 Meter wird so ein Mastenpaar rechts und links der Schienen errichtet. Zwischen Köln und Frankfurt müssen 2 885 Masten aufgestellt werden. In den Tunneln erfolgt die Stromzufuhr alle 50 Meter durch Anlagen, die von der Decke abgehängt werden und auf den Brücken durch Stahlgittermasten. Wann mit den Schienenarbeiten begonnen wird, steht noch nicht fest. Das hänge vom Wetter ab, so Udo Kampschulte, Pressesprecher der Deutschen Bahn. Ins Auge gefasst wird der Januar 2001. Die einzelnen Schienenstücke sind 120 Meter lang.

Im Januar 2002 beginnen die Testfahrten sowie die Schulungen. Die Premierenfahrt für die ersten Gäste soll am 1. Juni 2002 stattfinden. Weil ab sofort nur noch einmal im Jahr der Fahrplan gewechselt wird, wird die Neubaustrecke erst im Dezember 2002 in den europäischen Fahrplan aufgenommen. Zwischen Stieldorferhohn und Sonderbusch wurde eine 15 Meter hohe Seitenablagerung aus Bodenaushub aufgeschüttet. Dieser Erdwall östlich der ICE-Strecke soll die Anlieger vor dem von der A 3 ausgehenden Lärm schützen. Zum Schutz vor dem ICE-Lärm wird zusätzlich westlich der Strecke eine 150 Meter lange Lärmschutzwand gebaut.

Die Bahn wird dann demnächst durch den leicht gekrümmten Ittenbach-Tunnel fahren, weiter in Richtung Süden über eine freie Strecke und über die Logebachtalbrücke, bevor sie im Aegidienberg-Tunnel verschwindet und damit das Königswinterer Stadtgebiet verlässt.

Quelle
Siebengebirgs- Zeitung vom 02.11. 2000
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