Aufnahme: 2000

Schlossereibetrieb muss mit Schließung rechnen

Nachbarschaft läuft Sturm gegen Betriebslärm

"Die Thomasberger Schlosserei Huhn besteht seit 39 Jahren. Jetzt soll sie geschlossen werden. Die Stadt äußert Umweltbedenken. Seit fünf Jahren läuft das Verfahren gegen den jetzt 67-jährigen Schlossermeister. Vor einigen Wochen reichte er eine Klage beim Verwaltungsgericht gegen eine Ordnungsverfügung der Stadt ein.

Alfred Huhn ist schockiert und traurig, als er die fast 40 Jahre seines Unternehmens Revue passieren lässt. Damals hatte er von der Gemeinde Oberpleis den Gewerbeschein bekommen. Wenige Jahre später hätte er bei der Stadt einen Bauveränderungsantrag stellen müssen. Das hat er jedoch verpasst und somit habe er nun den Betrieb 39 Jahre illegal geführt, wirft man Alfred Huhn vor. Vor fünf Jahren hat Huhn seinen Betrieb mit Werkstatt an Detlef Mendel verpachtet. Dieser firmiert seitdem unter 'Kunstschmiede und Metallbau'. Huhn behielt aber seinen Gewerbeschein und bietet einen Schlüsseldienst an.

Dann die 'liebe' Nachbarschaft. Sie beschwerte sich über zunehmenden Lärm. 34 Jahre haben Alfred Huhn und die Bewohner des gegenüberliegenden Grundstückes einmütig nebeneinander gelebt. Jetzt häuften sich die Beschwerden. Eines Morgens erschienen Mitarbeiter des Staatlichen Umweltamtes vor der Werkstatt und führten Lärmmessungen durch. Weil Huhn sich weigert, die Werkstatt zu schließen, habe er schon Verwarnungsgelder aufgebrummt bekommen, berichtet er. Huhn: 'Ich habe Widerspruch beim Kreis eingelegt. Dieser hat der Stadt Recht gegeben. Ich müsse den Betrieb schließen.'

Die Nachbarschaft wollte gegenüber der Presse nichts sagen. Aber die Verwaltung äußerte sich durch den städtischen Beigeordneten Hubert Kofferath: 'Nachdem die Werkstatt an Detlev Mendel verpachtet worden war, wurden mehr Maschinen und auch mehr Personal eingesetzt und eingestellt. Entsprechend stiegen auch die Lärmemissionen, die zu den Klagen der Nachbarn führten. Alfred Huhn hat immer nur drei Mann beschäftigt. Probleme hat es zu seiner Zeit nicht gegeben. Jeder neue Betrieb oder Betriebswechsel ist gemehmigungspflichtig. Da sich der alte und jetzige erweiterte Betrieb in einem Wohngebiet befindet und das Gebäude erhebliche Mängel aufweist - keine Sanitäranlagen -, kann eine Genehmigung nicht ausgesprochen und erteilt werden. Dass Nachbarn bei der Stadt beschäftigt sind, habe nichts zu sagen. Man habe lange genug Geduld mit Huhn gehabt. In zahlreichen Gesprächen habe man versucht, zu einer Lösung zu kommen. Huhn habe zugesagt, eine besonders laute Maschine abzuschaffen, aber sein Versprechen nicht gehalten. Huhn und Mendel sei eine Verlagerung ihres Betriebes nahegelegt worden. Das wurde aber aus persönlichen Gründen abgelehnt. Erst dann hätte sich die Nachbarschaft beim Umweltamt beschwert und den Behördengang in Szene gesetzt.

Zu den Lärmproblemen befragt, gab Alfred Huhn zwar zu, dass die Trennsäge, um die es letztendlich geht, etwas lauter ist als die anderen Maschinen, aber in der Woche lediglich 20 Minuten laufe. Zudem habe Mendel schon Personal abgebaut.
Vielleicht erledigt sich aber die ganze Angelegenheit bald von selbst, denn gegen Mendel läuft ein Insolvenzverfahren und Huhn hat sich mittlerweile damit abgefunden, dass er seinen Betrieb schließen muss. Wenigstens für die Dauer des Verfahrens will er aber die Werkstatt weiter betreiben lassen. Nach der Schließung will er aus dem Haus Mietwohnungen bauen. Doch da gibt es ein weiteres Problem. Im November 1999 wurde wegen des Lärms eine Mauer errichtet, und wer will schon hinter einer Mauer leben?"

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 19 vom 11. Mai 2000
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller (SZ) / Verein Gutenberghaus Bad Honnef (Foto)
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