Aufnahme: 1998
Neubaugebiet Frohnhof, ein neuer Bestandteil von Heisterbacherrott
Für zweigeschossige Reihenhäuser gab's „keine Extrawurst.
Königswinterer Wohnungsbau-Gesellschaft feierte Richtfest am Fronhof - Preisnachlässe für Familien - „Zukunftssicherung für Kinder“
„Wir sind von der Aufteilung sehr angetan. Sie gibt auf kleiner Fläche viel her", sagt Dagmar Hupperich, Baby Lena, sechs Monate, auf dem Arm. Die Chancen, dass sie, ihr Mann Bernd, Lena und Jana (3) Ende Oktober ihr Reihenendhaus am Fronhof beziehen können, stehen gut. Die Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbau-Gesellschaft (WWG) der Stadt Königswinter jedenfalls erfüllt ihren Part: „Wir sind dem Zeitplan weit voraus", hieß es am Montag beim Richtfest.
Ein mit bunten Bändern geschmücktes Bäumchen schmückt den zweiten Bauabschnitt der WWG-Häuser. 23 Reihenhäuser stampft die WWG an der Straße „Am Fronhof" insgesamt aus dem Boden, alle mit einer Wohn- und Nutzfläche von rund 130 Quadratmetern plus etwa 30 Quadratmeter unausgebautem Dachgeschoss und 25 Quadratmeter Kellerfläche zum Selbstausbau. Im ersten Abschnitt wurden bereits acht Häuser fertig gestellt und auch schon komplett verkauft. Nun folgt der „zweite Streich": Weitere sieben Wohneineinheiten, für die es „eine Vielzahl von Bewerbungen gab", wie der nebenberufliche WWG-Geschäftsführer Erich Lichtenberg der festlich gestimmten Runde berichtete. „Zwei sind abgesprungen. Es sind aber bereits neue Interessenten vorhanden. Die Häuser können in Kürze ebenfalls verkauft werden", gab sich Lichtenberg optimistisch.
„Nachlässe für Kinderreiche" und die „Möglichkeit zur Eigenarbeit" sind nach Worten des WWG-Aufsichtsratvorsitzenden Franz Riscop das besondere Merkmal der WWG-Bauten. Am meisten verlockt wohl der moderate Grundstückspreis: Wer zwei Kinder hat, im Monat netto nicht mehr als 5 000 Mark verdient und unter 40 Jahre alt ist, kommt in den Genus eines Quadratmeterpreises von 190 Mark. Der „Normalpreis" für Kaufinteressierte, die diese Konditionen nicht erfüllen, liegt bei immer noch günstigen 255 Mark.
Die an der Straße „Am Fronhof" wie an einer Perlenschnur aufgereihten WWG-Reihenhäuser - der dritte, letzte Abschnitt sieht weitere acht Wohnungen vor - kamen überdies in den Genuss eines weiteres „Privilegs": Im Gegensatz zu den anderen, zumeist sehr individuell gestalteten Eigenheimen verfügen sie über zwei Geschosse und eine Firsthöhe von neun Metern, alle anderen Häuslebauer in dem Neubaugebiet mussten sich an die Firsthöhe von 6,50 Meter und eingeschossige Bauweise halten.
Der Unmut darüber erreichte auch Architekt Karl-Heinz Görres, der im Auftrag der WWG die Reihenhäuser hochzieht: „Es wurde kritisiert und gefragt: Warum darf die Stadt höher bauen? Ich kann diese Kritik überhaupt nicht teilen. Im Bebauungsplan steht alles auf den Zentimeter genau festgeschrieben. Wir haben keine Extrawurst bekommen." Mit der Festsetzung auf zwei Geschosse für die Reihenhäuser habe man jungen Familien eine bessere Raumausnutzung ermöglichen wollen, erläuterten Vertreter von Stadt und WWG. „Hier gibt's nur junge Familien", gibt dazu ein Nachbar zu bedenken. „Ich hätte für meine Kinder auch gerne Dachfenster in die Zimmer gebaut, durfte aber nicht, weil die Sonne ins Naturschutzgebiet reflektieren könnte", so ein anderer Anwohner. Und: „Mit einem halben Meter mehr an Firsthöhe wäre ich ein glücklicher Mensch."
Von den Festsetzungen für ihre eigenen Vorhaben wussten die Häuslebauer, bevor sie loslegten. Dass für die gegenüberliegende WWG-Häuserreihe andere Spielregeln gelten, überraschte, zumal dort auch kleine Dachfenster, so genannte „Schornsteinfeger-Ausstiegsluken", entstanden. Dies alles sei zwar ärgerlich, aber mittlerweile „akzeptiert", so die Nachbarn. Man hoffe nun auf einen ausreichend großen Spielplatz für das gesamte Neubaugebiet sowie ausreichende Versorgung mit Kindergartenplätzen.
„Wir verzeichnen in Königswinter steigende Einwohnerzahlen. Unser Endziel ist es, die 47 000-Einwohner-Marke anzustreben. Wenn junge Familien sich Eigentum zulegen, ist das auch eine gute Zukunftssicherung für die Kinder", sagte Bürgermeister Herbert Krämer beim Richtfest. Zimmermann Stefan Fröhlig von der Niederzissener Zimmerei Adamas ließ zum Richtspruch sein Bierglas in einem der Rohbauten zerschellen. Mitte September will die WWG mit dem zweiten Bauabschnitt fertig sein.
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