Aufnahme: 1996

Eugen Koch feiert Alters- und Berufsjubiläum

"Ein Doppeljubiläum begeht der Thomasberger Zimmermann Eugen Koch, genannt 'De Eu', am 26. August. Er wird an diesem Tag nicht nur 70 Jahre alt, sondern kann auch auf 50 Jahre seines Berufslebens zurückblicken, davon 43 Jahre als selbständiger Zimmerer. Noch heute arbeitet er in seinem Beruf und denkt nicht ans Aufhören.

'De Eu' erblickte am 26. August 1926 in Küdinghoven das Licht der Welt. Nach dem Schulabschluß mit der Mittleren Reife wurde er schon mit 15 Jahren Soldat, kam mit 18 Jahren zum Fronteinsatz und wurde zweimal verwundet, ehe er zum Schluß in englische Gefangenschaft geriet. Am 2. August 1945 wurde er entlassen und am 2. August 1953 machte er sich in der Siebengebirgsstraße 108 in Thomasberg selbständig.

Am 28. Februar 1946 begann Eugen Koch seine Lehre als Zimmerer bei der Oberdollendorfer Firma Franz Pütz und bestand 1948 die Gesellenprüfung. 1949 baute er an der Thomasberger Kirche mit, 1954 wirkte er mit beim Bau des Oberpleiser Kinos. Doch dann ereilte ihn ein berufliches Mißgeschick: 1955 fielen von 17 Prüflingen 11 bei der Meisterprüfung durch, darunter Eugen Koch. Die Folge war, daß 195S seine inzwischen gegründete Firma geschlossen wurde und er bei der betriebseigenen Baukolonne der Firma Brune als Polier eine neue Arbeit fand. Doch nach vier Jahren konnte sein Geschäft als GmbH mit Franz Pütz als Betriebsleiter wieder eröffnet werden.

Ab dieser Zeit war Eugen Koch mitverantwortlich bei der Erstellung zahlreicher privater und öffentlicher Bauten in Thomasberg und der näheren und weiteren Umgebung. Mit Hilfe seines besten Freundes Adi Vanselow wurde eine Maschine konstruiert, die den Zimmermann Eugen Koch in die Lage versetzte, ohne viele Arbeitkräfte in kürzester Zeit Dachstühle zu verzimmern. Neben seinem Beruf pflegt 'De Eu' das Vereinsleben. Er war zweiter und später erster Vorsitzender des Tambourcorps Thomasberg."

Nach diesem Bericht in der Siebengebirgs-Zeitung folgte eine Woche später ein weiterer mit der Überschrift
Eugen Koch baute auch zwei Kirchtürme

"Eugen Koch aus Thomasberg, der als 70jähriger auch sein goldenes Berufsjubiläum feiern kann, ist besonders stolz darauf, daß er als besondere Herausforderung in seinem Berufsleben die Kirchtürme von St. Pankratius in Oberpleis und an der evangelischen Kirche in Aegidienberg ausführte. An diese schwierigen Aufgaben wollte sich damals kein anderer heranwagen. Eugen Koch war übrigens der erste Zimmerer in Nordrhein-Westfalen, der Kirchtürme in eigener Werkstatt und in Eigenarbeit herstellte.

Für den Oberpleiser Kirchturm benötigte 'de Kochs Eu' mit seinen Mitarbeitern drei Wochen in seiner Werkstatt und vier Stunden für die Montage auf dem Kirchvorplatz. Der Turm ist 14 1/2 Meter hoch und hat einen Durchmesser von acht Metern. Das Gewicht beträgt 26 Tonnen. Die Arbeiten erfolgten im Sommer des Jahres 1968.

12 Jahre später erhielt Eugen Koch den Auftrag für die Herstellung des Aegidienberger Kirchturmes, der freistehend 20 Meter hoch ist. Während der Oberpleiser Turm aus Eichenholz gezimmert ist, wurde für Aegidienberg Schwarzwälder Tannenholz mit Holzschindelbedachung verarbeitet. Für den Turm der evangelischen Kirche wurden 8,5 Kubikmeter Bauholz, 1 Tonne Eisen, 200 qm Spanplatten und 150 qm kanadisches Zedernholz für die Schindeln verarbeitet. Der Turm, der auf einem Tieflader von Thomasberg nach Aegidienberg transportiert wurde, wiegt 19 Tonnen, hat einen durchschnittlichen Durchmesser von fünf Meter und wurde in vierwöchiger Arbeitszeit hergestellt. Beide Türme passen sich architektonisch in Form und Proportion dem Kirchengebäude und der Landschaft an."

Zu den zwei Turmbauten siehe auch die beiden Links unten 'Turmhelm für die Kirche St. Pankratius' und 'Kirchturm aus Holz'.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 33 und 34 vom August 1996
Zur Verfügung gestellt von
Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter Turmhelm für die Kirche St. Pankratius - Kirchturm aus Holz
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