Aufnahme: 1995

Senior der Lokaljournalisten ging in den Ruhestand

"'Der Senior der lokalen Berichterstatter am Siebengebirge, Wolfgang Mayrhofer, ist von Bord gegangen.' Mit diesen Worten umriß Kollege Klemens Hoffstadt in seiner Laudatio den Abschied des 'Sprachrohrs der Stadt Königswinter'. Wolfgang Mayrhofer trat nun 74jährig in den wohlverdienten Ruhestand.

In seiner humorvollen Rede wußte Klemens Hoffstadt viele nette Anekdoten aus dem gemeinsamen Wirken über 30 Jahre zu berichten. Für den Politischen Redakteur beim Bundespresseamt seien zu Anfang die kommunalen Haushaltspläne ein Buch mit sieben Siegeln gewesen. Auch der rheinische Dialekt habe dem Österreicher Wolfgang Mayrhofer Schwierigkeiten bereitet, besonders während der Karnevalszeit. Die Pointen der Büttredner habe er (Hoffstadt) dem nun aus dem Beruf Scheidenden zuerst übersetzen müssen, ehe der Unkundige darüber lachen konnte. Dazu habe dann einmal ein Büttredner bemerkt: 'Do sitz ene Spätzünder.'

Die Verabschiedung im Haus Bachem, zu der viele Gäste aus der Verwaltung und den Medien gekommen waren, wurde eingeleitet mit einer Laudatio des Stadtdirektors. 1982 habe Wolfgang Mayrhofer bei der Stadt Königswinter angefangen, dies auf Bitten des damaligen Bürgermeisters Günter Hank. Damals noch als Nebentätigkeit, aber seit 1984 mit dem Ruhestands-Abschied aus dem Bundespresseamt als Hauptbeschäftigung. In diesen 13 Jahren hat Mayrhofer für die Stadt rund 6000 Meldungen, Berichte und Reportagen an die Medien weitergegeben. Er schrieb an die 100 Grußworte für den Stadtdirektor und den Bürgermeister zu den verschiedensten Anlässen. Mayrhofer habe sich auch einen Namen gemacht als 'Ghostwriter' für die deutschenglischen Gespräche oder als Schreiber zu vielen Publikationen der Stadt. Über seine Ein-Mann-Pressestelle lief auch die Werbung für das Siebengebirgsmuseum und die Volkshochschule Siebengebirge, in deren Auftrag er selbst kulturelle Studienfahrten leitete.

Nach den Worten des Stadtdirektors wollte Wolfgang Mayrhofer gar nicht Journalist werden. Er ist ausgebildeter Pilot und arbeitete zunächst bei Junkers als Testflieger. Im Krieg war er Fernaufklärer im Mittelmeerraum und im Osten, geriet bei einer Notlandung 1943 in russische Gefangenschaft, aus der er 1947 heimkehrte. In Königswinter lebte der gebürtige Österreicher seit 1961, seit einigen Jahren in Thomasberg. Nach dem Krieg wollte Mayrhofer wieder zur Fliegerei, doch damals standen die Chancen schlecht. Also verdiente er sich als Maler und Schreiber das erste Geld und wurde ein Vollblutjournalist. Bis zu seinem 65. Lebensjahr arbeitete Wolfgang Mayrhofer in der Nachrichtenabteilung des Bundespresseamtes, über zehn Jahre als Chef der damaligen 'DDR-Redaktion'. Nebenbei schrieb er für die Süddeutsche Zeitung und für die Bonner Rundschau.

Bürgermeister Herbert Krämer würdigte Mayrhofer, dessen Hobby das Tennisspielen ist, als 'Rasenden Reporter'. Während Schmitz ein Bild des Drachenfels mit Blick vom Bundespresseamt überreichte, hatte Krämer ein süffiges Geschenk mitgebracht und Klemens Hoffstadt für alle Kollegen von der schreibenden und fotografierenden Zunft eine lustige Urkunde. Der scheidende Journalist Wolfgang Mayrhofer bedankte sich und kündigte an, daß man auch weiterhin von ihm Geschriebenes lesen könne. Mit seinem Abschied aus dem Dienst wolle er mithelfen, 'die Verwaltung schlanker zu machen'."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 3 vom 19. Januar 1995
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper
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