Aufnahme: 1993
Burkhard Mohr aus Thomasberg stellt in der Friedrich-Naumann-Stiftung aus
"Großen Anklang fand die Eröffnung der Ausstellung 'Burkhard Mohr - Grotesken' am 6. April in der Galerie im Margarethenhof in Ittenbach. Ausgestellt sind Plastiken, Ölbilder, Gouachen und politische Karikaturen.
'Eigentlich haben wir nichts zu lachen, wenn wir über die vielen Wahrheiten nachdenken und sie analysieren', stellte Dr. Birgit Kröhle, Leiterin der Bildungsstätte der Naumann-Stiftung, bei ihrer Begrüßungsrede fest und sprach hierbei die politischen Karikaturen Burkhard Mohrs an. Er lege die Finger in die politischen und gesellschaftlichen Wunden, und die Frage von Dr. Birgit Kröhle 'Köpfe können rollen, Wahrheiten auch?' beschäftigte nachhaltig die vielen Besucher.
Vielseitig sind die Themen von Mohrs Karikaturen. Politiker, Krieg und Öl, Honecker, die Stasi und die ehemalige DDR-Prominenz, Rechtsextremismus, Parteigerangel, Asylpolitik, Umwelt, Solidarpakt, Barschel und viele andere brennende Aktualitäten. Treffend beschrieb Prof. Dr. Walther Keim, Leiter der Pressedokumentation des Deutschen Bundestages, den Künstler und dessen Werke bei der Eröffnungsrede. 'Künstler wie Burkhard Mohr sind Chronisten und Propheten zugleich, Menschen, die wie Musiker ihre Themen variieren, denen Fläche, Ausdruck und Bewegung dazu dienen, Spielräume auszuloten und Grenzverletzungen zu riskieren.' Hierbei verwies Professor Keim darauf, daß sich in der Karikatur mehr Weltbild in einem Rechteck zutage fördern lasse, als mitunter in Stunden wissenschaftlicher Beschäftigung. Burkhard Mohr sei das Menschenbild als Fragezeichen. Er sei, wie er selbst sage, ein notorischer Eulenspiegel mit den melancholischen Zügen eines Sisyphos.
Burkhard Mohrs Schaffen ist vielseitig. Neben den Karikaturen befaßt er sich mit Plastiken, Ölbildern und Gouachen. Er kann zeichnen und schmieden. 'Grimmig oder gar tödlich kann Burkhard Mohr nicht sein', so Dr. Keim, 'bei ihm gibt es weder Agamemnons Angst noch eine inhumane Bitterkeit. Aber fasziniert wirft er den Blick in oder hinter die Maske, den Blick in die Lächerlichkeiten, Häßlichkeiten, Eitelkeiten, Gemeinheiten oder auch Brutalitäten des großen Welttheaters.'
Mit Bildergeschichten karikiert Mohr die Verkehrtheiten dieser Welt. Er liebt den satirischen Widerhaken, der zugleich zum Schmunzeln und zum Nachdenken anregt. Das Florett, nicht der Säbel ist die Waffe. Allerdings demaskiert er die Schwächen und Fehler seiner Opfer im Interesse künstlerischer Wesenserforschung und Wesensenthüllung. Da verletzt er Normen, stupst mit einem gehörigen Schuß Emotionalität und Intellektualität in Richtung Wahrheit, ohne Gift, ohne Hohn, aber mit Humor.
'Ich würde gerne nur ernst sein', sagt der junge Künstler von sich selbst. 'Aber es geht nicht, weil ich zuviel Humor habe, ich würde auch gerne nur lachen, aber es geht nicht, weil ich zu ernst bin.' Der vielseitige Künstler mit Pinsel, Zeichenstift und Schmiedehammer wurde 1959 in Köln geboren. Er arbeitet seit 1988 in seinem Bonner Atelier. Von 1978 bis 1984 studierte er Malerei und Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1984 begann er mit dem Studium der Bildhauerei an der Akademie des Beaux-Arts, Charleroi in Belgien. Darüberhinaus erlernte er noch die Fertigkeiten des Bronzegusses und des Schmiedehandwerkes. In der Kunstwerkstatt eines belgischen Freundes lernte Burkhard Mohr das Schmieden von Kerzenhaltern und Treppengeländern. Heute sind es Plastiken. 'Wenn ich in der Schmiede an einer Plastik arbeite', so Mohr, 'so ist das, als wenn ein Vulkan ausbricht.'
Prof. Dr. Keim beschreibt den schmiedenden Künstler so: 'Man muß Burkhard Mohr erlebt haben, wie er lederbeschürzt, schweißgebadet in seiner Schmiede steht, um in einem auch körperlichen Kraftakt mit Hilfe des Eisens, einem Werkstoff, der ja eigentlich der weichen Körperlichkeit entgegensteht, eine harte, eckige Manifestation zu gestalten.' Die Wahrheit zu suchen, darum geht es Mohr auch bei seinen Schmiedearbeiten, bei der ausgestellten mächtigen Silhouette Helmut Kohls ebenso wie bei der eines Richard von Weizsäckers oder eines Hans-Dietrich Genschers.
Auf zahlreiche Ausstellungen kann Burkhard Mohr zurückblicken. Seit 1984 sind seine Arbeiten in vielen deutschen und belgischen Orten gezeigt worden. Er erhielt viele Preise und Auszeichnungen. Seine Schmiedearbeiten, Gemälde, Zeichnungen, Bronzeplastiken und Karikaturen sind noch bis zum 9. Mai in der Galerie der Naumann-Stiftung auf der Margarethenhöhe ausgestellt. Die Öffnungszeiten sind samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, oder auch nach telefonischer Vereinbarung unter 02223/701146."
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