Aufnahme: 1992

125 Jahre „Gemischter Chor"

"'Der Gemischte Chor Thomasberg hat 125 Jahre lang das musikalische Leben in Thomasberg und weit darüber hinaus mitgestaltet. An ein Leben ohne Musik ist nicht mehr zu denken', betonte Bürgermeister Herbert Krämer in seiner Festansprache anläßlich des 125jährigen Bestehens des Chores in der Aula des Thomasberger Verwaltungsgebäudes. Die Stadt sei stolz darauf, einen solchen Verein in seinen Mauern zu haben, da die Musik im Leben eines Menschen eine große Rolle spiele. Der Jubiläumschor habe in seinem Repertoire eine Vielzahl von Musikrichtungen, von der Volksmusik bis zur Klassik, über die Operette bis zu Gesängen der Traurigkeit.

Krämer skizzierte kurz die Chronik und würdigte die Idee der Kuxenberger Männer, die am 1. Juni 1867 den Chor ins Leben riefen. Er erinnerte auch an die damaligen strengen Sitten. Hinsichtlich des Probenbeginns war festgelegt, daß die Uhr des Dirigenten, welche sich nach der Turmuhr der Oberpleiser Pfarrkirche richten sollte, maßgebend war. Wer mehr als eine Viertelstunde zu spät kam, wurde nicht mehr reingelassen. Wem das dreimal passierte, der konnte mit dem Ausschluß aus dem Chor rechnen.

Der Verein hatte Höhen und Tiefen zu verzeichnen. Am 1. Januar 1924 hatte man keinen Kassenbestand, aber 200 Milliarden Mark Schulden. Jedes Mitglied mußte zehn Milliarden beisteuern, um sie zu begleichen. Nicht mit Milliarden wie zur Zeit der Inflation, sondern mit einem Geschenk von 700 DM kam jetzt der Bürgermeister.

Von Träumen, Heimatliebe und Vaterland sang der Chor zu Anfang des Festkommers. Landrat Dr. Franz Möller wünschte, der Chor möge noch weitere 125 Jahre bestehen. Er habe einen langen und erfolgreichen Weg hinter sich. Der Chor sei bei zahlreichen Veranstaltungen immer dabei gewesen. Man könne sich Thomasberg ohne den Chor und ohne den Gesang nicht mehr vorstellen. Möllers Dank galt aber nicht nur dem Chor, sondern auch der Dirigentin Hildegard Süper, die allein im Rhein-Sieg-Kreis noch fünf andere Chöre dirigiert. Der Landrat brachte ein Geldgeschenk mit, aber nicht so viel wie die 'reichere' Stadt Königswinter, nämlich 600 DM.

Mit weiteren Geldgeschenken, die Hildegard Dahm, die seit 20 Jahren für die Finanzen des Chores sorgt, dankbar in Empfang nahm, gratulierten auch die Ortsvereine und die befreundeten Chöre sowie die Parteien im Stadtrat. Die Karnevalsgesellschaft hatte zum Jubiläum eine Erinnerungsplakette anfertigen lassen und als Geschenk mitgebracht.

Im Mittelpunkt des Festaktes stand die Ehrung von Jubilaren. So singen seit 25 Jahren im Chor Doris Schild und Karl-Josef Effelsberg. Seit 50 Jahren ist Hildegard Dahm dabei. Lothar Krause, Mitglied des Vereins und Vorsitzender des Bürgervereins, der als Moderator für den erkrankten 1. Vorsitzenden Paul Otto durch das Programm führte, überreichte Andenken in Form von Notenschlüsseln an die Jubilare. Geschenke gab es für die Sängerinnen und Sänger, die infolge Alters aus dem 'aktiven Dienst' ausschieden: Gertrud Reusch, Franziska Reusch, Liesbeth Schild und Gerd Wirtz.

Verschönert und umrahmt wurde der Festakt durch Harfenmusik sowie Kompositionen für Oboe und Klavier. Die Harfenistin Annette Kämmerling war eigens aus Leverkusen angereist. Der Chor selbst, der im vorhergegangenen Gottesdienst Werke von Groll, Klein, Mozart und P.E. Bach gesungen hatte, gab dem Festakt einen feierlichen Rahmen mit den Liedern 'Abendruhe' und 'Weihegesang' sowie mit Heimatmelodien und dem 'Land der Träume' von Offenbach. Hildegard Süper erfreute als Mezzosopranistin, wobei sie am Klavier von René Backhausen begleitet wurde. Zum Vortrag kam 'Die Uhr' und das Lied 'Männer versuchen stets zu naschen, wenn sie allein gelassen'.

Eine Kranzniederlegung mit der Feuerwehr und dem Tambourcorps fand zwischen Gottesdienst und Festkommers statt.

Die Stirnwand der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes war mit zwei restaurierten Fahnen des Chores und einer Gedenktafel an Lehrer Schonauer, der viele Jahre mit dem Chor eng verbunden war, geschmückt. Lothar Krause überreichte zum Schluß des Abends der Dirigentin Hildegard Süper einen Blumenstrauß. Hildegard Dahm bedankte sich als Kassiererin für die vielen Spenden und betonte, daß der Chor aber nicht nur nehmen, sondern auch geben könne. Sie bedankte sich mit einem Weinpräsent bei Lothar Krause für die Conference des Abends, und für seine Frau hatte Hildegard Dahm einen Blumenstrauß parat. Frau Otto erhielt einen Blumenstrauß, den sie ihrem erkrankten Gatten und Vorsitzenden des Chores, Paul Otto, mit den besten Genesungswünschen ans Krankenbett stellen möge. Der Abend ging zu Ende mit einem Umtrunk und einem kalten Büffet sowie einem gemütlichen Beisammensein in zwangloser Runde. Am Sonntag fand für die aktiven Sänger im Vereinslokal ein Essen statt."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 37 vom 10. September 1992
Zur Verfügung gestellt von
Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter (SZ) / Verein Gutenberghaus Bad Honnef (Foto)
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