Aufnahme: 1990
Siebengebirgswanderburschen von Konstanz bis Flensburg unterwegs
"'Wir wandern, wir wandern von einem Ort zum anderen' und 'Mein Vater war ein Wandersmann und mir steckt's auch im Blut'. Diese beiden Lieder hatten Günter Thomas aus Thomasberg und sein Vetter Friedhelm Steeg aus Oberpleis auf den Lippen, als sie 1987 etappenweise zu einer Deutschlandwanderung von Süd nach Nord in Konstanz aufbrachen. Sie wanderten mehrere Tage, kehrten dann wieder nach Hause zurück, per Auto oder Bahn, um dann irgendwann von dem Ort, in dem sie die Wanderung abbrachen, zur zweiten Etappe zu starten. Endziel war nach 39 Wandertagen mit einem Wanderprogramm von durchweg 40 bis 50 Kilometer pro Tag die Stadt Flensburg im hohen Norden.
'Geboren' wurde die Wanderung 1986 beim Geburtstag der Ehefrau von Friedhelm Steeg, Anni. 'Wir sind zwar nicht abenteuerlich veranlagt, aber wir wollten einmal etwas Ausgefallenes unternehmen,' sagte uns jetzt Friedhelm Steeg. So etwas Außergewöhnliches war es allerdings auch wieder nicht, denn Günter Thomas gehört seit 15 Jahren dem Thomasberger Wanderclub 'Hasensprung' an und Friedhelm Steeg ist ein begeisterter Jogger. Sein Ziel ist es jährlich 3000 Kilometer zu joggen, bisher hat er in diesem Jahre 'erst' 2300 Kilometer geschafft. Er zog jüngst Bilanz: 12000 Kilometer. Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur joggt auch auf seinen Dienstreisen, so bereits in Budapest und Moskau. Immer sind Jogginganzug und entsprechende Schuhe mit im Reisegepäck.
Zurück zur Deutschlandtour: Gewandert wurde bei Kälte, Hitze, Schnee und Regen. So zeigte an einem Januartag das Thermometer minus 20 Grad, aber auch 35 Grad Hitze machte den beiden Wanderern aus dem Siebengebirge nichts aus. Nur einmal haben sich Günter und Friedhelm verlaufen. Von der Siegquelle wanderte man zunächst bei Regen und immer höher steigend zum Ederkopf. Hier ging der Regen in dichtes Schneetreiben über. Die beiden verloren die Orientierung und wanderten einige Stunden in die falsche Richtung.
Begonnen hatte die Wanderung in Konstanz. Sie führte dann durch den Schwarzwald und das Nagoldtal an Pforzheim vorbei zum Donauquellgebiet und nach Heidelberg. Dort verloren die Beiden nicht ihr Herz und wanderten weiter durch das Pfälzer Weinanbaugebiet nach Bingen über den Höhenweg an Linz, der Bunten Stadt am Rhein, vorbei, selbstverständlich durch das Siebengebirge, an der Sieg entlang, durch das Rothaargebirge, das Sauerland, das Eggegebirge, den Teutoburger Wald, durch Niedersachsen am Steinhuder Meer vorbei und schließlich wurde mittels einer Fähre die Elbe überquert. Nur in wenigen Nächten hatten die Wanderer keine Unterkunft. Das lag aber in den meisten Fällen daran, daß weit und breit kein Gasthaus in Sicht war.
Bei den 39 Wandertagen mussten 25 Übernachtungen mit in Kauf genommen werden. Der Neckar wurde allein zweimal überquert. Die höchste Erhebung, die es zu bewältigen galt, war der 'Hörnli' südlich von Balingen. Übrigens: Auf der gesamten Wanderstrecke galt es Höhenunterschiede bis zu 900 Meter zu bezwingen.
Die beiden Ehefrauen akzeptierten das Vorhaben ihrer Männer, doch wanderten sie selbst nicht mit. An vielen Orten ließen sich Günter und Friedhelm ihren Aufenthalt durch Stempel bestätigen. Jetzt wird ein Wanderbuch geschrieben. Die Wanderung wurde zuvor anhand von mehr als 40 Wanderkarten der Landesvermessungsämter ausgearbeitet. Und nun hat Günter Thomas bereits die zweite große Wanderung begonnen: Von der belgischen Grenze bei Hellenthal bis zur polnischen Grenze bei Görlitz. Diese etwa 1000 Kilometer-Strecke macht Günter allein. Dafür hat er sich drei Jahre Zeit genommen.
Bei der Wanderung von Süd nach Nord hat jeder nur ein paar Schuhe verschlissen."
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