Aufnahme: 1990
Paias war geklaut
st. Die Heisterbacherrotter Bevölkerung feierte am ersten Juliwochenende ihre Kirmes. Auf dem Parkplatz war eine bunte Kirmesstadt mit zahlreichen Verlosungs-, Schieß- und Imbißbuden aufgebaut. Anziehungspunkt für die Kleinen war ein Kinderkarussel. Die Jugendlichen und Erwachsenen amüsierten sich auf der Raupenbahn.
Der Junggesellenverein „Frohsinn" bemühte sich auch in diesem Jahre wieder, die Tradition der Kirmes aufrechtzuerhalten. Die Junggesellen bastelten am Samstagnachmittag in einer einstündigen Aktion einen Paias aus Stroh. Lumpen und alten Kleidungsstücken. Nach getaner Arbeit zogen sie mit dem Kirmeskerl durch die Straßen. In der Gaststätte Hunzinger wurde die Geburt des Paias begossen. Kirmesfreudige Heisterbacherrotter schauten danach einem weiteren kleinen Umzug der Junggesellen mit ihrem Paias zu. Mit einer Leiter kletterten die Junggesellen mit dem Paias am Maibaum hoch. Dort wurde der Kirmeskerl befestigt und sollte dort bis zum Kirrnesmontag in luftiger Höhe baumeln.
„.Drei Dag lang hätt er ein Boom jehange“. So sollte der Klageruf beim Paiasbegräbnis in Heisterbacherrott beginnen. Doch dem war dann nicht so. Der Paias war über Nacht vom Maibaum geklaut worden. Im Briefkasten des Vorsitzenden des Junggesellenvereins "Frohsinn“, Christof Wybenga, fand sich ein Brief, der unterzeichnet war von einer Gruppe "Freichäler". Diese bekannten sich als die Diebe und wollten das Sinnbild der Kirmes erst nach der Spende von drei Kästen Bier wieder herausrücken. Der Tausch sollte am Rothberg erfolgen. Doch die cleveren Junggesellen gingen zwar auf den Kuhhandel ein. Doch sie tranken vorher das Bier selber, füllten die Flaschen mit Wasser und verschlossen sie wieder vorschriftsmäßig. Die „Freischärler“ fielen darauf herein und so konnte das Begräbnis mit der Verbrennung des Kirmeskerls am Abend des letzten Kirmestages programmgemäß stattfinden.
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