Aufnahme: 1990

Minister Matthiesen zur ICE-Trasse durch das Siebengebirge

"'Eine Zerstörung des Siebengebirges kann nicht hingenommen werden. Von der Landesregierung werden alle vorgeschlagenen Varianten und Trassen in die Prüfung einbezogen.' Dies versicherte der Landesminister NRW für Umweltschutz und Landesplanung, Dr. Klaus Matthiesen, bei seinem zweiten Besuch im Siebengebirge, der auf Einladung der SPD und der Landtagskandidatin Inge Hagemann erfolgte. Bei diesem erneuten Besuch galt die Hauptsorge aller Anwesenden und auch des Ministers der Wasserversorgung und der Wassergewinnungsanlage des Wasserbeschaffungsverbandes Thomasberg. Der Minister kam aber nicht umhin, den Bürgerinitiativen gegen die Schnellbahn und den Kommunalpolitikern mitzuteilen, daß zwar das Land alle vorgeschlagenen Trassen in eine Umweltverträglichkeitsprüfung einbeziehen wolle, doch der Bundesverkehrsminister als Hauptinstanz für die ICE-Linie strikte nur die beiden Varianten über Vilich und Siegburg prüfen lassen will.

Matthiesen erklärte aber auch, daß die Landesregierung einer neuen Schnellbahntrasse grundsätzlich zustimme. Schließlich sei erwiesen, daß die Bahn das umweltfreundlichste Verkehrsmittel sei. So laute die Devise: 'Weg von der Straße und aus der Luft auf die Schiene.' Doch bei allen Planungen dürfe das älteste deutsche Naturschutzgebiet, das Siebengebirge, nicht angetastet werden.

Neu für den Minister war allerdings eine Variante, die Ingmar Gorissen von den Rheinischen Naturschutzverbänden vorlegte. Diese Verbände favorisieren eine Trasse über den Bahnhof Beuel mit vollständiger Untertunnelung des Siebengebirges. Auf die Frage des Ministers, ob diese Variante schon geographisch untersucht worden sei, teilte Gorissen mit, der Vorschlag liege schon seit drei Monaten dem Regierungspräsidenten vor. Dem zuständigen Landesminister sei diese Alternative aber noch nicht übersandt worden. Auf die Frage, wie tief dann die Untertunnelung sein müsse, meinte Gorissen etwa in Höhe des Weilberges 100 Meter und unter dem Ölberg 150 Meter. Im Logebachtal käme die von den Naturschutzverbänden vorgeschlagene Trasse wieder ans Tageslicht und würde dann mit der A3 gebündelt.

Heinz Lindlar, Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbandes Thomasberg: 'Egal welche Trasse, sie schadet dem Wasserbeschaffungsverband, der sein Wasser aus dem Siebengebirge in zwei Grundwasserströmen bezieht. Die Trassen würden genau quer zu diesen Wasserströmen verlaufen. Und auch Tunnel sind für die Brunnenanlage tödlich.' 'Die Sorgen des Wasserbeschaffungsverbandes sind auch die Sorgen der SPD', betonte Vizebürgermeisterin Dr. Renate Heck seitens der Stadt Königswinter. Matthiesen gab der Bundesregierung die Schuld daran, daß nur die zwei Varianten über Vilich und Siegburg überprüft werden, alle anderen Trassen seien für den Bund uninteressant. Deshalb dürfe man die ablehnende Haltung von NRW-Minister Zöpel nicht als seine Schuld bewerten. Er könne nicht anders, wenn der Bundesverkehrsminister nicht anders wolle.

Hans Remig meinte, Bund und Land könnten doch nicht so ohne weiteres 36000 Unterschriften gegen die Schnellbahn ignorieren. Noch einmal trugen die Vertreter der einzelnen Initiativen von Vinxel, Aegidienberg und Bellinghausen ihre Ansichten dem Minister vor."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 19 vom 10. Mai 1990
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Rudolf Pieper
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