Aufnahme: 1990

Herbert Krämer neuer Bürgermeister der Stadt Königswinter

"Elf Jahre hat Herbert Krämer den zurückgetretenen Bürgermeister Günter Hank bei vielen Anlässen vertreten. Am Montagabend übernahm er nun die Aufgaben des ersten Bürgermeisters. 'Ich werde meine ganze Kraft in das mir neue Amt einbringen, bin mir jedoch bewußt, daß ich nicht in der Lage bin, Günter Hank als Bürgermeister zu ersetzen', meinte der neue Chef des Rates vor seiner Wahl. Herbert Krämer bittet die Verwaltung und alle Bürger der Stadt, die Ratsmitglieder und auch die Presse, ihn in seiner neuen, schweren Aufgabe zum Wohle der Stadt zu unterstützen.

In der Vakanzzeit von Juli bis November dieses Jahres hatte Frau Dr. Renate Heck als Vizebürgermeisterin viel Arbeit übernommen. Herbert Krämer dankte ihr für diesen Einsatz und ist der Hoffnung, daß er auch in Zukunft gut mit ihr zusammenarbeiten wird.

Rückblick

Herbert Krämer blickte zurück auf 21 Jahre Stadt Königswinter, in denen Günter Hank sich einzigartig für das Wohl der Stadt eingesetzt habe. In dieser Zeit sei viel erreicht worden. Neue Einrichtungen wurden geschaffen, andere ausgebaut. Das gelte vor allem für den Bereich der Schulen, des Sports, der Kultur, der Jugend- und Altenpflege, der Grünanlagen und Freizeiteinrichtungen sowie gleichermaßen für den Ausbau von Straßen und Plätzen, der Straßenbeleuchtung, der Parkplätze, der Wasserversorgung, der Entwässerungseinrichtungen, der Friedhöfe, des Siebengebirgsmuseums und der Rathäuser. Der neue Bürgermeister bedauerte in einem Interview mit dem Mitarbeiter unserer Zeitung, daß es um so schmerzlicher sei, daß im Bereich 'Schulen' Veränderungen vorgenommen werden mußten oder andere Einrichtungen aufgrund der großen Kosten den Bürgern nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Zielsetzungen

Zu diesen Veränderungen kommen nun neue Aufgaben hinzu. Krämer nannte die Verwirklichung von Gewerbegebieten, die Erschließung neuer Wohngebiete, mehr Verkehrssicherheit und die Erhaltung und Verbesserung der Umweltqualität. Krämers Zielsetzung bei der künftigen Aufgabenbewältigung ist es, bei den Bürgern ein noch größeres Gemeinschaftsbewußtsein zu erreichen. Weiter müsse erreicht werden, daß die Arbeit des Rates durchschaubarer werde. Mit den Bürgern müsse über alles geredet und versucht werden, sie zu beteiligen und ihnen dadurch eine stärkere Identifikation und ein noch stärkeres Heimatgefühl zu geben. Krämer lobte den aktiven Stadtrat. Die menschliche Begegnung, die Beteiligung der Bevölkerung und die Stärkung des Heimatgefühls werde auch durch die vielen Vereine, Parteien und Organisationen mitgetragen. 'Daneben haben wir', so Krämer, 'die seltene Chance, über die Vielzahl der Dörfer und Orte im Stadtgebiet den Bürgern noch stärker eine Mitverantwortung für die ganze Stadt zu übertragen.'

Trotz dieser optimistischen Prognosen ließ Herbert Krämer nicht unerwähnt, daß auch künftig schwierige Aufgaben zu bewältigen seien. Dazu gehören Probleme im Schulbereich und im Bereich des Haushalts sowie der Konflikt zwischen Bebauung und Umweltschutz. Aber auch dazu äußerte sich der neue Bürgermeister zuversichtlich: 'Ich bin sicher, daß die herrliche Landschaft unserer Stadt mit dem ältesten deutschen Naturschutzgebiet, dem Siebengebirge, dem Rhein und die fröhliche Stimmung in dieser Stadt sich auch weiterhin auf die Ratsarbeit positiv auswirken.'

Krämer kam auch auf die Wiedervereinigung zu sprechen. Er dankte allen Institutionen und den Bürgern, die sich schon jetzt persönlich eingesetzt und mit finanziellen Mitteln oder durch Beratung sowie anderweitige Aktionen für schnelle Hilfe gesorgt haben. 'Für die Hilfe können in unserer Stadt einzelne Projekte um ein oder zwei Jahre zugunsten dieser Situation verschoben werden.' Krämer will die Bevölkerung animieren, in die neuen Bundesländer zu fahren, dort zu helfen und Kontakte zu knüpfen. Über der Freude der Wiedervereinigung dürfe man aber nicht die Freundschaft mit den Partnerstädten Cleethorpes und Cognac vergessen. 'Die Partnerschaft mit Cognac entwickelt sich seit einem Jahr besonders gut. Welch andere Stadt in der Bundesrepublik hat schon eine solch weltbekannte Stadt als Partner.'

Arbeitsteilung

Herbert Krämer übernimmt das Bürgermeisteramt von seinem Parteifreund Günter Hank nur schweren Herzens. 'Es ist nicht einfach, in die Fußstapfen von Günter Hank zu treten, aber die Welt darf deshalb nicht stille stehen.' Auf die Frage, wie er seinen neuen Job mit seinem Beruf als Bezirksdirektor bei der Kreissparkasse vereinbaren kann, sagte Krämer: 'Ich werde nicht morgens und nachmittags ins Rathaus gehen, sondern nur in den späteren Nachmittagsstunden, um die Post zu erledigen. Nach Möglichkeit werde ich viele Veranstaltungen selbst besuchen, für Tagestermine werde ich mir Urlaub anschreiben müssen. Im übrigen hoffe ich auf gute Zusammenarbeit mit Frau Dr. Heck sowie den Herren Gerd Klant und Prof. Peter Gola. Mein Vorstandsvorsitzender bei der Kreissparkasse ist mit meinem Entschluß einverstanden. Meine Familie hingegen war zunächst nicht besonders begeistert, toleriert aber meine persönliche Entscheidung. Am 15. Januar werde ich meinen Posten als Stadtverbandsvorsitzender der CDU niederlegen. Dafür hat sich bisher jedoch noch kein Nachfolger gefunden.'"

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 48 vom 29. November 1990
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper
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Aus Siebengebirgs-Zeitung Kommunales
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