Paias beherrschte Kirmeszeremonie

Aufnahme: 1988

Paias beherrschte Kirmeszeremonie

gst. Der Kirmeskerl mußte sogar Motorrad fahren. Nach seiner Fertigstellung setzten ihn die Junggesellen von Heisterbacherrott auf ein Motorrad, damit er sich noch einmal ausruhen konnte, bevor er einen Zug durch den Ort mitmachen musste, um anschließend am Maibaum aufgehängt zu werden, bis er am Kirmesmontag dem Feuertod überliefert wurde.
Im Anwesen des Baumschulisten W. Radermacher stellten die Mitglieder des Heisterbacherrotter Junggesellenvereins in feuchtfröhlicher Arbeit den Kirmeskerl her und verpassten ihm einen Monteuranzug. Die Sitte um den Kirmeskerl ist uralt. Selbst die ältesten Heisterbacherrotter haben dieses Brauchtum schon von ihren Vätern und Großvätern übernommen. Am Samstagnachmittag führten die Junggesellen ihren Paias durch die Straßen. In der Stammkneipe wurde der Kirmeskerl  begossen und die Ledigen tranken auf ihn, bevor er dann an den Maibaum auf dem Parkplatz zu hängen kam, wo eine bunte Kirmesstadt aufgebaut war.

Am Montagmorgen verdonnerten die Junggesellen den Paias. Er sei schuld gewesen, dass die Heisterbacherrotter ihr ganzes Geld auf der Kirmes ausgegeben hätten. Doch diese Schuldzuweisung trifft in der Realität heute nicht mehr zu. Denn gerade die Heisterbacherrotter Kirmes - wie auch viele andere - hat seit Jahren wesentlich von ihrer Attraktion verloren. Beim Begräbnisgang mit dem Paias hatte sich ein Mitglied des Junggesellenvereins als Pastor verkleidet und stimmte eine Trauerlitanei an. Auf dem Kirmesplatz angekommen, wurde der Kirmeskerl dem Flammentod überantwortet.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 27 v. 07.07.1988
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller / Winfried Görres
Räume & Galerien
Aus Siebengebirgs-Zeitung Vereine Heisterbacherrott
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