Aufnahme: 2006

Heisterbacherrott mit Neubaugebiet unterhalb des Weilberges

Heisterbacherrott ist  824 Jahre alt – Fronhof heute Haus Schlesien –
- Ort war stets Steinhauer und Bauerndorf

Seit langem heißen sie „Ledderköpp“
Von Günther Steeg   Ein Bericht von 1967 

Noch vor 45 Jahren war Heisterbacherrott ein schlichter Bauernort. Doch die Zeiten sind vorbei. Heute hat der kleine Ort mitten im Siebengebirge eine gute Infrastruktur. Viele neue Wohngebiete wurden oder werden zur Zeit erschlossen, so unter anderem am Fronhof weit über hundert Häuser, gelegen zwischen dem heutigen Haus Schlesien und dem Weilberg.

Heisterbacherrott ist 824 Jahre alt. 1173 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, und zwar durch ein Dekret des Kölner Erzbischofs Philipp. Aber schon vor dem Jahre 1173 haben sich Menschen in der „Roda" (Heisterbacherrott) angesiedelt. Zum Bau der Oberpleiser Probsteikirche wurde Gestein des Stenzelberges benutzt - ein Beweis dafür, daß es um 1100 schon Steinbrüche in der Flur Heisterbacherrott gegeben hat.

Ein Kleinod im Ort ist die Kapelle am Fronhof. Die Nikolauskapelle wurde in der Stilepoche der Romantik errichtet. Sie ersparte manchem Heisterbacherrotter den Weg zur Kirche nach Niederdollendorf, denn die Bewohner von Heisterbacherrott mußten, um ihrer Sonntagspflicht zu genügen, nach Niederdollendorf pilgern. Später, als das Kloster Heisterbach gegründet wurde, gingen die Männer in die Klosterkirche. Bis 1750 durften die Frauen sie nicht betreten.

Die Nikolauskapelle wurde im 30jährigen Krieg schwer beschädigt. Noch heute sind Teile der Schäden zu erkennen. Die Kapelle wurde damals teilweise erneuert. Bis dahin war Markus der Kapellenpatron, seitdem ist es der heilige Nikolaus.

Am 14. April 1888 wurde die Kapellengemeinde zu einem Rektorat erhoben. Jetzt konnte in der Kapelle täglich eine Messe zelebriert werden. Inzwischen war Heisterbacherrott auf 400 Einwohner angewachsen. Für die rein katholische Gemeinde war die Kapelle zu klein geworden, und so wurde für ein größeres Gotteshaus am 28. Oktober 1890 der Grundstein gelegt. Der erste Gottesdienst darin fand am 31. Januar 1892 statt. Die Kirche erhielt als Patron den heiligen Judas-Thaddäus, einen der zwölf Apostel. Die evangelische Kirche entstand erst sehr viel später. Nachdem 1975 in Heisterbacherrott ein evangelisches Gemeindehaus geschaffen worden war, wurde am 18. Juni 1989 die Emmauskirche eingeweiht.

Heisterbacherrott war stets ein Steinhauer- und Bauerndorf. Judas-Thaddäus wurde deshalb als Patron genommen, weil er ein Bauer gewesen sein soll. Er arbeitete auf dem Acker und hütete Vieh. Im Jahre 1985 wurde an der Kirche als Vorbau eine Gnadenkapelle angebaut, zu Ehren von Judas-Thaddäus.

Zwar gab es erst ab 1825 die Schulpflicht, doch in Heisterbacherrott wohnte ein Mann namens Lambert Klein, der den Jungen und Mädchen Lesen, Rechnen und Schreiben beibrachte. Als Lohn bekam er von den Eltern ein paar „Stüber" und Verpflegung.
Die Zahl der Schüler nahm zu, so daß ein Raum im Hause des Andreas Thomas in der heutigen Petrusstraße für den Unterricht gemietet wurde. 1848 dann wurde eine Schule errichtet. Der damalige Oberkasseler Bürgermeister Graf zur Lippe machte für den Bau 1700 Thaler aus dem bergischen Schulfonds locker. Beim Bezug des neuen Hauses zählte die Gemeinde 72 Schüler. Die heutige Stenzelberggrundschule wurde übrigens im Jahre 1987 ihrer Bestimmung übergeben.

Für den Bau der heutigen L 288 durch den Ort mußten die Anlieger um 1850 ihre Grundstücke hergeben. Jahrelang wurden Prozesse um das Land für den Straßenbau geführt, doch schließlich konnte es doch noch losgehen. Im Ort gab es dann eine Barriere - Straßenbenutzer mußten ein „Chausseegeld" bezahlen. Die Landstraße zerschnitt den Ort in ein Unter- und ein Oberdorf.

Dann kam Dr. Otto Lange auf die Idee, eine Bahn zu bauen, um den Transport der Steine aus den Brüchen zu verbessern. Am 28. Februar 1891 wurde die Heisterbacher Talbahn dem Verkehr übergeben. Mit der Stillegung des Steinbruchs am Weilberg stellte auch die Bahn 1942 ihren Betrieb wieder ein.

Bürger suchen in Stollen Schutz vor den Bomben

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges suchten die Menschen in den Stollen der Steinbrüche Schutz vor dem Beschuß. Etwa 2000 Bürger waren dort, der Ort war fast menschenleer. Jeden Tag wurden in den Stollen heilige Messen gelesen. Erst als die Amerikaner da waren, gingen die Menschen wieder nach Hause.

Ein Steinbruch war auch der Weilberg, der heute Auskunft gibt über die Entstehung des Siebengebirges. Eine große Schautafel erläutert, was in der Nordwand des Steinbruchs zu sehen ist. Da die Erschließung des Steinbruches von oben erfolgte, wurde die Kuppe vollkommen abgetragen. Ein Glücksfall: Die Arbeiten wurde gerade zum richtigen Zeltpunkt eingestellt um die Entstehungsgeschichte des Siebengebirges zu erläutern.

Auch der vielbesuchte Stenzelberg, ein Kletterparadies für „Bergsteiger", liegt auf Heisterbacherrotter Gebiet. Viele Jahre war er im Besitz der Königswinterer Steinhauergewerkschaft und der Königswinterer Steinhauerfamilie Bachem (daran erinnert noch heute das Haus Bachem in der Altstadt, in dem ein Teil der Stadtverwaltung untergebracht ist). Mit Stenzelberger Latit wurden die Kirchen in Heisterbacherrott und Thomasberg gebaut. Steine gebrochen wurden am Stenzelberg schon um 1100; die Arbeiten wurden 1931 eingestellt. Heute gehört der Berg der Forstbehörde von Nordrhein-Westfalen.

Das Ausbrechen der Säulen in den Steinbrüchen war nicht nur eine schwere, sondern mitunter  eine gefährliche Arbeit. Gegen eventuell nachstürzende Steine schützten sich die Arbeiter mit einem Lederhelm oder einer Lederkappe. Darin ist wohl auch der Ursprung der Bezeichnung „Leddeköpp" (Lederköpfe) für die Heisterbacherrotter zu erkennen - ein Name, der bereits Generationen überdauert hat.

In Heisterbacherrott gab es bis zum Kriegsausbruch 1939 17 landwirtschaftliche Betriebe. Einer davon war der Fronhof. Dessen Pächter hatten nach der Auflösung des Klosters Schwarzrheindorf 1803 ständig gewechselt. Im Jahre 1960 dann zeigte die Stadt Köln Interesse am Fronhof und 1964 die damals noch selbständige Gemeinde Heisterbacherrott für eine Teilfläche. Aber dann wurde im Fronhof eine Schweinezucht aufgemacht Immer wieder gab es Beschwerden über Geruchsbelästigungen und Verschmutzungen der Bachläufe. Nach vielem hin und her wurde das Gelände 1972 von der Stadt Königswinter erworben. 1978 wurde dann im Fronhofgelände das Haus Schlesien eröffnet, nachdem es von der Schlesischen Landsmannschaft erworben worden war. 

Die Heisterbacherrotter verstehen nicht nur zu feiern, sie haben auch ein ausgeprägtes Vereinsleben. Seit über 100 Jahren gibt es den Junggesellenverein, der die Maifeiern und die Kirmes gestaltet. Der Musikzug „Bergklänge" verschönert fast alle Dorffeste. Der Bürgerfestausschuß ist für die Altenfeste und für die Organisation der Karnevalsveranstaltungen mit dem TuS verantwortlich. Der Ausschuß stellt auch jedes Jahr das Tollitätenpaar. Seit mehr als 110 Jahren besteht der katholische Kirchenchor. Das Tanzcorps „Siebengebirgsperlen" ist weit über die engeren Grenzen der Heimat bekannt. Neben dem Junggesellenverein gibt es die „Waldbuben“, die im Frühjahr Eier im Dorf sammeln und die Senioren des Ortes mit einem Eierkuchenessen erfreuen. In dem 1966 entstandenen Pfarrheim ist nicht nur die seit 1910 bestehende Pfarrbücherei untergebracht, sondern auch die Pfadfinder, die Katholische Frauengemeinschaft der Seniorenclub und der Kirchenchor haben hier ihr Domizil. Aus dem heute nicht mehr bestehenden Männergesangverein „Gemüthlichkeit" ist der katholische Kirchenchor hervorgegangen. Ebenfalls der Vergangenheit gehören inzwischen der Theaterverein „Edelweiß", der Karnevalsverein und der Mandolinenclub an.

Wohnen In Heisterbacherrott:
In dem 1948-Einwohner-Ort wurden und werden zahlreiche Wohngebiete erschlossen. So entstehen zur Zeit allein in der Nähe des Fronhofes über hundert Häuser. Vor 45 Jahren war der Königswinterer Stadtteil noch ein Bauerndorf.

Statistik
Einwohner: (Stand)30.9.97)  1948
davon männlich                      941
weiblich                               1007
katholisch                            1059
evangelisch                           509
ausländische Mitbürger            52
Haushalte                             911
Wichtige Einrichtungen: katholische
Kirche  St. Judas Thaddäus, evangelische
Emmauskirche, Haus Schlesien,
Kindergarten Siebengebirge

Zur Verfügung gestellt von
Karte: Heinz Klein, Fotograf: unbekannt (Postkarte)
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