Der Saal von Theodor Raths wurde am 1. Mai 1865 zur ersten Schule in Thomasberg

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Aufnahme: 1910

Der Saal von Theodor Raths wurde am 1. Mai 1865 zur ersten Schule in Thomasberg

Nach Einführung der Schulpflicht schlossen die Pfarreien von Oberpleis und Niederdollendorf als Schulträger eine Vereinbarung, wonach ein Teil der Strücher Kinder in die Heisterbacherrotter Schule aufgenommen wurde. Der andere Teil musste zur an sich zuständigen, aber nicht voll aufnahmefähigen Schule in Oberpleis gehen. Welche Kinder aus welchen Orten das waren, ist in den zu Rate gezogenen Quellen unterschiedlich angegeben, vermutlich wechselte das, je nachdem an welcher Schule es wieder mal viel zu eng wurde. Anfangs der 60er Jahre des vorigen Jahrhundert gingen jedenfalls die Kinder aus Bennert, Wiese, Thomasberg und Busch nach Heisterbacherrott. Damals ist der Schulbesuch aber noch recht unregelmäßig gewesen, besonders bei den Mädchen. Viele Arbeits- und Bauersleute hielten den Schulbesuch noch für überflüssigen Luxus, zumal auch noch Schulgeld erhoben wurde, wenn auch mit Befreiung für die Armen.

Ein besonders beredtes Zeugnis für die Belastung der Kinder in dieser Zeit finden wir im Kapitel über das 19. Jahrhundert, dort wird im Zusammenhang mit dem Bau der Chaussee von Dollendorf nach Kircheip von einem Bittgesuch der Bürger der Gemeinde Hasenpohl zur Verlegung der Trassenführung über die Strüch berichtet.
Das geht zu Herzen! Als die Enge an der Heisterbacherrotter Schule mal wieder bedrückend geworden war, sah sich die übergeordnete Behörde zum Eingreifen gezwungen. Sie verlangte von Oberpleis, endlich eine weitere Schule zu bauen und damit einen neuen Schulbezirk zu schaffen. Der Gemeinderat wehrte sich mit Hinweis auf die erbärmliche Finanzlage, sah sich aber schließlich gezwungen, für den Bereich der "Katastergemeinde Hasenpohl", wie es damals in den Beratungen hieß, irgendeine Lösung zu finden. Darum kam ihr zupass, daß der Gastwirt Theodor Raths seinen Tanzsaal als übergangsweisen Schulraum anbot, denn die Miete sei billiger als die Zinsen für ein Schulbaudarlehen, fand man. Außerdem verlangte der Gemeinderat, daß in Oberpleis dafür eine Klasse eingespart werden müsse.

Bei der Abstimmung hierüber stimmten 6 von 14 anwesenden Gemeinderatsmitgliedern für diese Lösung, 4 waren dagegen und 4 enthielten sich der Stimme. Bürgermeister Heuser, der mit der vom Gemeinderat angestrebten Lösung selbst nicht ganz einverstanden schien, berichtete am 21.09.1864, daß das vorgesehene Schullokal am Rande des geplanten neuen Schulbezirks läge, aber genommen werden müsse, weil kein anderes zur Verfügung stand. Er machte aber den Vorbehalt, daß hieraus die Bewohner von Thomasberg keinen Anspruch herleiten dürften, am Ende auch das neue Schulhaus zu bekommen, das gehöre in den Mittelpunkt, und der sei in Bennert.

Die Königliche Regierung meldete dann auch Bedenken gegen den Plan der Oberpleiser an. Es störte, daß die Schenkwirtschaft direkt neben der Schule liege, daß die Fenster zu klein seien und damit nicht genügend Licht geben und daß bei einer Fenstervergrößerung und einem notwendigen zusätzlichen Türdurchbruch es im Winter zu kalt wäre. Doch ein Gutachten des Communalen Baumeisters aus Siegburg zerstreute die Bedenken. Am 1. Mai 1865 war es dann soweit: Die Gemeinde Oberpleis mietete beim Gastwirt Theodor Raths für 60 Taler Jahresmiete einen Saal an und eröffnete dort eine Schule für alle Kinder aus den eingangs aufgezählten Orten. Der Schulbezirk Kuxenberg war geboren!  Für die Schulen in Oberpleis und Heisterbacherrott war das ein arger Aderlaß. Heisterbacherrott mußte 70 Kinder abgeben, also nahezu die Hälfte der vorhandenen Schüler. Von Oberpleis müssen hiernach 31 Kinder übernommen worden sein, denn die Gesamtschülerzahl der neuen Schule wurde mit 101 angegeben.


Quelle
Willi Schmidt: "Die Strüch eine Chronik von Thomasberg" (s. Link)
Zur Verfügung gestellt von
Klaus Gödt Die Strüch, von Willi Schmidt - Ansichtskarte
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