Aufnahme: 2017

Kalender „Alt-Rauschendorf 2017"

Der Kalender „Alt-Rauschendorf 2017" wurde anlässlich der 900-Jahr-Feier des Dorfes von den fünf Rauschendorfer Vereinen herausgegeben. 

Herausgeber:
Brauchtumsverein Rauschendorf e.V. 
Bürgerverein Rauschendorf-Scheuren e.V. 
KG Neues Rauschendorf e.V.
Männergesangverein „Gemütlichkeit" Rauschendorf e.V. 
Turnverein „Gut Heil" 1913 Rauschendorf e.V.

Gemälde:
Alle Bilder wurden 1999 von dem Künstler Manfred Kaiser, Rauschendorf, in Öl gemalt.
Wir danken ihm und der Familie Krüger, Rauschendorf, für die unentgeltliche Zurverfügungstellung.

Fotos und Texte: Robert Simon, Rauschendorf

Layout und Texte: Dagmar Ziegner, Rauschendorf

Design Titelblatt: Annette Wilhelmi

Wappen von Rauschendorf: © Carsten Ernst, Robert Simon

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Kleine Historie von Rauschendorf

Der Ort Rauschendorf wurde um das Jahr 911 erstmals erwähnt, als ein gewisser Luitfrid dem damals schon existierenden Bonner Cassiusstift einen Weingarten zu Ruzindorp schenkte. Und wenn es um 911 schon einen Weingarten in Ruzindorp gab, ist Rauschendorf folgerichtig noch viel älter. Vermutlich gab es das Dorf schon während der Karolinger Zeit, die von 751 bis 911 dauerte. Gottfried Emans, ehemaliger Hauptschullehrer an der katholischen Volksschule Rauschendorf, vermutete, dass Rauschendorf bereits um 600 seinen Ursprung hat - allerdings nicht als Ort, sondern als eine kleine Ansammlung von Gehöften und Katen. Urkundlich und damit ganz offiziell erwähnt wurde Rauschendorf erstmals in einer Urkunde der Stadt Siegburg vom 29. März 1117. Diese Urkunde wurde 1995 von Prof. Dr. Raymund Kottje aus Rauschendorf übersetzt, der damals am Historischen Seminar der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn tätig war. Und somit ist dieses Datum die offizielle Geburtsstunde des Dorfes.

Die ersten Rauschendorfer hatten sich ein schönes Fleckchen ausgesucht: Der Boden auf dem Hügelland war stets fruchtbar und die warmen Winde und die Überschaubarkeit des Wetters ließen Mensch und Tier bis heute hier gut leben. Der nahe Lauterbach wurde für den Betrieb einer Getreidemühle genutzt und diente mit seinem Wasser als Viehtränke. Das Dorf blieb durch seine Hanglage stets vor Hochwasser verschont, lediglich die Bewohner im unteren Lauterbachtal waren ab und zu der Macht des Wassers ausgeliefert. Im Jahrbuch für Nationalökonomie und Statistik, Band 108, aus dem Jahr 1917 ist nachzulesen, dass die Honnschaft Rauschendorf im Kirchspiel Stieldorf die Dörfer Rauschendorf, Oberscheuren und Niederscheuren umfasst: „Diese Dörfer liegen in einem recht guten Boden, haben wohlgebaute Häuser, ziehen Korn, Weizen und besonders viel Obst und Flachs, wobei in dem einzigen Dorfe Rauschendorf sich 40 Webstühle befinden. Obst und besonders Kirschen werden in großer Menge nach Bonn zu Markte gebracht." (Dr. Goldschmidt, Amtliche Statistik am Niederrhein im 18. Jahrhundert)

Rauschendorf ist einer der wasserreichsten Orte des Rhein-Sieg-Kreises. In einer Tiefe zwischen fünf und elf Metern ist der ganze Ort von bis zu vier Meter breiten Wasseradern durchzogen. Der Dorfbrunnen vor der Kapelle hat stündlich einen Wasserdurchfluss von etwa 5000 Litern und seine Wassermenge ist unerschöpflich. Das überschüssige Quellwasser der mächtigen unterirdischen Wasseradern tritt heute noch an vielen Stellen offen zu Tage, so zum Beispiel am Kachelstein, am Otenbergweg und an der Straße Zur Mühle. Das überschüssige Wasser fließt östlich des Dorfes bei Scheuren in den Weidenbach bzw. Pleisbach und westlich in den Lauterbach. Bis 1955 waren noch über 60 Brunnenanlagen in Betrieb.

Bilder aus dem alten Rauschendorf

Die Bilder dieses Kalenders, die der Rauschendorfer Künstler Manfred Kaiser nach alten Fotografien gemalt hat, scheinen aus einer weit zurückliegenden Zeit zu stammen. Und doch können sich viele der älteren Rauschendorfer noch sehr gut an diese Zeiten erinnern, denn viele Straßen sahen noch bis weit in die 1960er Jahre genauso aus wie auf Manfred Kaisers Ölgemälden.

Um 1949 hatte das Dorf etwa 100 Häuser und knapp 500 Einwohner. Es gab keine Straßennamen, nur Hausnummern. Alle Straßen und Gässchen waren naturbelassen, sie hatten weder einen gepflasterten noch einen asphaltierten Straßenbelag. Und wenn abends die Sonne unterging, wurde es im Dorf stockfinster, denn es gab keine Straßenbeleuchtung.

Allerdings wurde bereits im Jahr 1911 die erste Stromleitung nach Rauschendorf gelegt, das erste Telefon kam ein Jahr später. Der erste öffentliche Bus fuhr 1951 und die Müllabfuhr sorgt seit 1952 für Ordnung. Dank der vielen Brunnen mussten die Rauschendorfer nie über Wassermangel klagen. Aus der Leitung floss das Wasser allerdings erstmals 1956. Als erste Straße wurde 1957 die Durchgangsstraße (heute: Rauschendorfer Straße und Am Tor) asphaltiert. Der weitere Ausbau folgte dann allerdings sehr zögerlich und wurde im Wesentlichen erst 1980 abgeschlossen. Seit 1962 gibt es eine Straßenbeleuchtung und ab dem Jahr 1982 wurde das Dorf dann auch endlich an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen.

Ein Blick in die alten Adressverzeichnisse belegt, dass die Rauschendorfer sich in ihrem Dorf immer wohl gefühlt haben: Viele Nachkommen der vor über 100 Jahren aufgeführten Familien leben heute noch im Dorf. Rauschendorf war nie ein Ort mit ausgeprägter bäuerlicher Struktur. Viele Dorfbewohner verdienten ihren Lebensunterhalt als unselbständige Erwerbstätige. Bereits um die Jahrhundertwende arbeiteten viele Dorfbewohner in den umliegenden Ortschaften und den dort ansässigen Fabriken und Manufakturen. In der Liste aus dem Jahr 1894, in der auch die Berufe der Dorfbewohner aufgeführt sind, finden sich vor allem Tagelöhner und Ackerer. Daneben gab es einige Handwerker wie Schneider, Bäcker, Stellmacher, Maurer und Ziegler und nur wenige Händler wie die Spezereihändlerin Witwe Heinrich Schnitzler und den Holzhändler Matthias Schmitz. Nur wenige Mädchen und Frauen wurden als Schneiderinnen oder Weißnäherinnen ausgebildet. Die meisten wurden als Haushaltshilfen oder Kindermädchen in reiche Familien in die Rheinstädte geschickt. In den darauffolgenden Jahrzehnten erreichte der industrielle Wandel auch Rauschendorf: In den Adresslisten aus den Jahren 1910 und 1925 ist nachzulesen, dass immer mehr Rauschendorfer als Fabrikarbeiter ihren Lebensunterhalt verdienten.

Durch die außerhalb der Dorfgrenzen erzielten Einkommen konnten im Dorf relativ viele Einzelhandelsgeschäfte gegründet werden. Zeitweise hatte man im Dorf die Auswahl zwischen vier verschiedenen Lebensmittelgeschäften, hinzu kamen eine Metzgerei und drei Bäckereien. Auch Haushaltswaren, Bekleidung, Blumen und Zeitschriften konnten die Rauschendorfer vor Ort kaufen. Es gab auch eine Poststelle. Doch all diese Geschäfte und Einrichtungen sind seit vielen Jahren geschlossen. Heute gibt es im Dorf zwar kaum noch Einkaufsmöglichkeiten, aber dafür einige Handwerker und Dienstleister.

Im Jahr 2017 hat Rauschendorf rund 1300 Einwohner, die in ca. 740 Haushalten leben.

Zur Verfügung gestellt von
Robert Simon
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