Aufnahme: 2016 (2)
Innenraumsanierung der Kirche St. Margareta in Stieldorf
Vom Beginn der Planung bis zum Abschluss der erforderlichen Arbeiten wurde die Sanierung der Kirche St. Margareta vom Architekturbüro Gerhard Standop aus Köln begleitet.
Eine von diesem Büro erstellte Zusammenfassung der wichtigsten Sanierungsmaßnahmen veröffentlichte Rudolf Pieper in seinem 2017 herausgegebenen Heft „Bilder der Kirche St. Margareta in Stieldorf nach der Renovierung".
Zur Fertigstellung
Planungsbeginn zur Innensanierung der Kirche war im Frühjahr 2011, als man die Frage an die Architekten herantrug, ob man das Innere der Kirche neu anstreichen könne. Die weiße Farbe sei verschmutzt, von manchen Fenstern laufe das Wasser an der Wand lang herunter.
In der Folge wurde eine Fülle von Untersuchungen zum historischen Aussehen des Innenraums aus der Entstehungszeit der Kirche um 1850 und einer ergänzenden Innenraumgestaltung um 1890 gemacht, alte Schriftquellen, Aufzeichnungen und Fotos aus den Archiven gesichtet, großformatige Muster angelegt. Vor Ort wurden alte Farbschichten durch die Restauratoren Kartäuserhof freigelegt und in einem ausführlichen Gutachten bewertet.
Der anschließende Abstimmungsprozess, an dem die Kirchengemeinde, Denkmalpflege, das Erzbischöfliche Generalvikariat, die Bezirksregierung, Restauratoren, weitere Sonderfachleute und die Architekten beteiligt waren, verlief intensiv und dauerte seine Zeit.
Zum Zustand des Kirchendachs wurde ein Gutachten erstellt, das Empfehlungen für Reparaturen enthielt.
Für die Gesamtmaßnahme wurde die denkmalrechtliche Erlaubnis beantragt und ein Finanzierungsplan erstellt.
Nach intensiver Planung und dem Einholen von Kostenanschlägen wurden schließlich die denkmalrechtliche Erlaubnis und die kirchliche Baugenehmigung erteilt, und am 1. September 2015 begannen mit dem Ausräumen der Kirchenbänke und dem Aufstellen eines Innengerüstes die Sanierungsarbeiten.
Das Grundkonzept für die farbige Fassung der Kirchenwände, Architekturglieder, Figuren und Ausstattungen soll wieder so nah wie möglich an die ursprüngliche Fassung herankommen, wie sie von ihrem Architekten, dem damaligen Dombaumeister Zwirner, vorgesehen war, weg von der zwischenzeitlichen Ausmalung in hartem Grau-Weiß-Kontrast und hin zu den warmen Ocker- und Brauntönen, unterstützt durch Gold und Rot.
Die kräftige blaue Farbe der Decken geht auf einen Vorschlag von Herrn Dr. Martin Seidler vom EGV zurück, der anfangs die Planung gewohnt engagiert begleitete, leider aber im vergangenen Jahr verstorben ist. Er hat sich sehr für das jetzt zu sehende Gesamtkonzept eingesetzt, wofür an dieser Stelle ausdrücklich gedankt sei.
Die wichtigsten Maßnahmen im Einzelnen
• Das historische Portal des romanischen Kirchturms hat durch Nässe und Tausalz viel Schaden erlitten und wurde in seiner Substanz konservatorisch gesichert und gefestigt (nicht ergänzt), sodass es die nächsten Jahre unbeschadet überstehen wird. Hier hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit einem maßgeblichen finanziellen Beitrag zur Erhaltung und Konservierung des Portals beigetragen.
• Ausmalung der Kirche nach historischem Befund. Die Architekturelemente des Triumphbogens, der Säulen- und Pfeilerkapitelle und des Wulstgesimses wurden den vorgefundenen Befunden gemäß vergoldet und bilden so einen sehr feinen und edlen Akzent.
• An zwei Stellen in der Kirche gibt es gleichermaßen historische 'Fenster', die einen Blick auf den alten Zustand der Kirchengestaltung erlauben. a) Am Pfeiler unter der Empore zwischen Mittelschiff und nördlichem Seitenschiff wurde ein Stück der Ausmalung aus der Zeit um 1900 erhalten. b) Die Säulen zwischen Mittelschiff und Seitenschiff wurden um 1900 mit einer recht groben Scharrierung versehen. An der Stelle, wo ehemals die Kanzel gestanden hat, war man damals zu bequem, diese vor der Steinbearbeitung abzubauen. So gibt es hier mit einer ganz feinen Oberflächenstruktur noch ein Gestaltungselement aus der Kirchenbauzeit, und Reste der Farbfassung der Kapitelle sind hier auch noch zu sehen. Ganz bewusst wurde auch diese Stelle dieses Mal nicht überarbeitet, sondern in der Originalfassung belassen.
• In den Turmgeschossen fand man unter dickem Staub Fragmente von Figuren und Seitenaltären, und in minutiöser Puzzlearbeit hat der Restaurator Gassen alles gereinigt und wieder zusammengesetzt, teilweise ergänzt und farbig neu gefasst, der Holzbildhauer Diczig hat einige fehlende Elemente ergänzt, und all das, was noch an Fragmenten übrig war, sieht man jetzt wieder an ihren originalen Stellen in den Seitenschiffen, ergänzt durch einfache und nicht historisierende Unterbauten.
• Die Apostelfiguren wurden ebenfalls untersucht und nach den Befunden, die man aus der Herstellungszeit gefunden hat, restauriert. Die Namenschriftzüge, die lange Zeit verborgen waren, hat man wieder sichtbar gemacht. Zwei Figuren (Petrus und Paulus) hat man an die Pfeiler des Triumphbogens gestellt, sodass alle Figuren wieder vereint in der Kirche stehen. Die Stelle an der Kanzel war ursprünglich frei, und man lässt sie zukünftig auch frei, zeigt hier aber den ursprünglichen Zustand der Säulen.
• Das Altarkreuz hat einen neuen Balken bekommen und hängt jetzt, wie es für solche Kirchen üblich war, frei im Altarraum und ist nicht mehr an der Wand befestigt. Gleichzeitig wurde der Tabernakel von der rechten Seite in die Kirchenachse an die Apsiswand versetzt und dort auch eine neue Halterung für das Ewige Licht gestaltet.
• Damit der Taufstein nicht den Blick auf den Seitenaltar verstellt, wurde er in die Mittelachse versetzt und bildet so, wie bei einer sog. Wegekirche üblich, den Beginn des christlichen Weges von der Taufe über Kreuz und Altar zum Herrn im Tabernakel. Folgerichtig wurde der Tabernakel von seiner alten Stelle rechts an einem Pfeiler jetzt in die Kirchenachse an die Apsiswand versetzt.
• Die Pieta, die lange Zeit im Turm gelagert war, wurde ebenfalls aufgearbeitet und hat ihren neuen Platz in der Turmhalle gefunden.
• Beleuchtung: Die alte Kirchenbeleuchtung, die sehr zurückhaltend in den Bögen zwischen Mittel- und Seitenschiffen hängt, wurde bewusst nicht erneuert, sondern es wurden die Leuchten technisch und von der Oberfläche her instandgesetzt und mit neuen Leuchtmitteln versehen, die ein wesentlich besseres Licht als bisher bieten.
• Gleichzeitig wurden die Punktbeleuchtungen für den Altarraum erneuert.
• Die Apostelleuchter wurden technisch überarbeitet und wieder an ihren angestammten Stellen angebracht, ebenso die Kreuzwegstationen.
• Die historische Glocke aus dem 15. Jahrhundert hatte einige Risse und nicht gut ausgeführte Reparaturstellen aus der Vergangenheit. Die Glocke wurde daher auf Initiative von Herrn Dr. Seidler vom EGV (der übrigens als ausgewiesener Glockenfachmann auch die zweite Glocke dieses zusammengehörenden Glockenpaares in einer Kirchengemeinde nicht weit von hier wiedergefunden hat) in der Glockengießerei Eijsbouts in Holland in einem recht komplizierten Verfahren aufgeheizt, dann spannungsfrei geschweißt und wieder abgekühlt. Sie findet ihre Aufstellung jetzt im hinteren nördlichen Seitenschiff und ist zum Beispiel als Wandlungsglocke, bei Exequien oder zu sonstigen besonderen Anlässen durch Anschlagen mit einem Holzklöppel von Hand nutzbar.
• Die Glockenanlage erhielt eine neue Steuerung, die auch von der Orgel aus oder bei Begräbnissen vom Friedhof aus steuerbar ist, die Antriebsmotoren wurden auf den neuesten technischen Stand gebracht.
• Sanierung aller Kirchenfenster. Sie wurden komplett ausgebaut, in der Werkstatt von Staub und Ruß gereinigt, defekte Scheiben ausgetauscht, das Metallwerk entrostet und gestrichen. Die Glasscheiben erhielten, soweit notwendig, eine neue Bleieinfassung. Auf der Innenseite wurde aus Blei eine Rinne auf der Fensterbank geformt, die Kondenswasser auffängt, sodass es dort verdunsten oder durch einen schmalen Schlitz unterhalb des Fensterprofils nach draußen ins Freie ablaufen kann. Auf der Außenseite wurden die Fugen zwischen Fenster und Mauerwerk mit Blei abgedichtet, ebenso wurden die Fensterbänke mit einem Schutz aus Bleibahnen versehen.
• Die Dachflächen von Haupt- und Seitenschiffen sowie die Dachrinnen wurden komplett überarbeitet. Eine Vielzahl defekter Schiefersteine wurde ausgetauscht, neue und vorschriftsmäßige Dachhaken befestigt. Die Übergänge zwischen Dachflächen und Mauerwerk wurden mit Blei erneuert, Rinnen und Traufbleche repariert.
• Die Dachgauben erhielten neue Fenster, die alten waren nicht mehr reparabel. Ebenso wurde der Anstrich des Holzwerks an den Gauben erneuert.
• Die Blitzschutzanlage wurde überarbeitet, Ableitungen auf dem Dach und Anschlüsse an Fallleitungen wurden teilweise erneuert.
• Das Turmkreuz wurde an Ort und Stelle anlässlich einer Untersuchung gesäubert und mit Spezialfarbe gestrichen. Das Apsiskreuz wurde ebenfalls gesäubert und mit zwei Lagen Dickschicht-Rostschutzanstrich versehen.
• Im Bereich des Außenmauerwerks wurden viele ausgebrochene Fugen mit neuem Mörtel verschlossen, lose Ziegelsteine gefestigt und fehlende oder zerbrochene Ziegel ersetzt.
• Im Bereich des Innenmauerwerks wurden größere Risse und auch Hohlräume, die teilweise unter den Fensterbänken zu finden waren, mit Mörtel kraftschlüssig verpresst. Einige Putzflächen mit Feuchteschäden im Sockelbereich wurden abgeschlagen und durch einen feuchte-unempfindlichen Putzaufbau ersetzt.
• Es gibt jetzt eine moderne Lautsprecheranlage, die mit nur zwei Schallzeilen auskommt und dennoch eine deutliche akustische Verbesserung der Verstehbarkeit bietet.
• Die elektrischen Anlagen wurden ertüchtigt, es gibt einen neuen Verteiler- und Schaltschrank sowie eine neue Glockensteuerung.
• Die Versorgung der Heizungen wurde von Öl auf Gas umgestellt. Der Kellertank wurde entsorgt, der Raum als zusätzlicher Lagerraum hergerichtet. Die Sakristei erhielt eine separate kleine Heiztherme und Heizkörper, sodass hier effizienter und ohne Benutzung der großen Luftheizung des Kirchenraums geheizt werden kann.
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