Aufnahme: 1988
„Sommerloch" in Thomasberg gegraben
Skandal aufgedeckt? - Spielentchen kamen zutage
"Senatsrat a.D. Dr. Wolf Mohr hatte die glänzende Idee, einmal mit Freunden in seinem Garten ein 'Sommerloch' zu graben. Dazu gewann er schnell seine Freunde, z.B. den Journalisten und freien Schriftsteller Helmut Herles sowie den Königswinterer Bauunternehmer Manfred Stützer. Mehr als 60 Personen gaben sich im Anwesen von Dr. Mohr in Thomasberg ein Stelldichein.
Bereits vor dem humorvollen Ereignis hatte Dr. Mohr ein Loch gegraben und dort etwas Geheimnisvolles versteckt. Und abends wurde dann gegraben. Erster 'Grabungsmeister' oder 'Lochheber', wie Helmut Herles später in einer witzigen Ansprache vom Dach der Garage Mohr diese Tätigkeit bezeichnete, war er selbst. Dies hatte natürlich einen besonderen Grund. Herles, Bonner Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, war vor acht Jahren der Erfinder des neudeutschen Wortes 'Sommerloch', womit er das 'Bonner Sommertheater' ablösen oder ergänzen wollte, was ihm auch einmalig gut gelungen ist, wie Dr. Mohr bemerkte. Als dann Helmut Herles seine 'Lochansprache' hielt und auf lustige Art und Weise die verschiedensten Löcher karikierte, übergab er den Spaten an Manfred Stützer, der dann lustig in Poliertracht weitergrub. Bevor Stützer dann auf das kleine Sommerloch (20 Zentimeter tief) sein Glas leerte, referierte er über die Schwerkraft der Löcher sowie über die 'Lochologie'.
Beim Graben des Loches kamen fünf kleine gelbe Spielentchen zutage. An ihnen hing jeweils ein Schüttelreim von Dr. Mohr alias Thomas Berg, in dem er die fünf großen Parteien unserer Republik aufs Korn nahm. Herles hielt die Entchen in die Höhe und philosophierte so: 'Alle meine Entchen schwimmen auf dem Loch und wir Journalisten finden sie doch. Alle Zeitungsenten schwimmen auf dem Loch, die Politiker glauben es auch noch.'
Der Schüttelreimer Thomas Berg hatte ein Lied auf das Bonner Sommerloch geschrieben und sang es selbst vor. Dabei nahm er viele Bundes-Politiker unter die Lupe. Und alle Gäste des Abends sangen eifrig und frohgelaunt den Refrain mit. Danach wurde das Loch wieder zugeschüttet und in der Scheune - wegen des regnerischen Wetters - weitergefeiert.
Im Laufe des Abends fand auch die Generalprobe zum 'Bonner Lied' von Thomas Berg statt: 'Du kleine Hauptstadt, du Städtchen am Rhein' soll im nächsten Jahr bei der 2000-Jahrfeier Bonns seine Premiere erleben. Dem Fest wohnte auch Bürgermeister Hank bei. Den Abend verschönerten José Julien und Helga Hamm-Albrecht mit spanischer Folklore."
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