Aufnahme: 1986
100 Jahre Kirchenchor Heisterbacherrott
Erster Bericht aus der Siebengebirgs-Zeitung
gst. Im Jahre 1886 fanden sich die ersten Männer aus dem damals 430 Einwohner zählenden Dörfchen Heisterbacherrott zusammen, um den Gottesdienst in der kleinen Kapelle am Weiher des Fronhofes durch ihren Gesang zu verschönern.
Das war vor 100 Jahren die Geburtsstunde des heutigen katholischen Kirchenchores, der am kommenden Wochenende sein 100-jähriges Bestehen feiern wird. Zu den Mitgründern des Chores gehörten Wilhelm Minten, Christian Schonauer, Christian Nietzer, Peter-Josef Scheuren, Hermann Thomas und Wilhelm Nietzer.
Als erster Dirigent nahm sich ein Kaplan aus der Nachbarpfarre Stieldorf der jungen Sängerschar an. Dann übernahm Wilhelm Nietzer, ein Landwirt, die Leitung des Chores. Er erwarb sich in den folgenden Jahren große Verdienste um das kulturelle Leben des kleinen Dörfchens.
In den ersten Jahren wurden nur Choralmessen geübt und gesungen. Geprobt wurde in Privathäusern, meistens in der Wohnung des Dirigenten.
Nietzer wurde von dem damaligen Rektor Franken weiter ausgebildet und erlernte von diesem tüchtigen Geistlichen das Geigenspiel. Nun wurden auch vierstimmige Kirchenlieder mit deutschem Text geübt und gesungen. Nietzer war insgesamt über 30 Jahre Dirigent und Vorsitzender des Chores. Eingeübt wurden die Gesänge mit der Geige. Und wenn es gar nicht so recht klappte, dann wanderte der Geigenbogen auch schon mal auf die Köpfe der Sänger.
Weitere Gründungsunterlagen oder Chroniken aus der Zeit bis zum zweiten Weltkrieg sind beim Brand des Saales Lehmacher im Beschuss verbrannt. Verbrannt ist damals auch die Vereinsfahne. Auch die Noten wurden ein Opfer der Flammen.
Eine besonders wichtige Aufgabe hatte beim Choral der Vorsänger. Dieses Amt übte als erster Christian Schonauer aus, der 1918 sein Amt Matthias Steffes übertrug. Nach Wilhelm Nietzer wurde Hermann-Josef Willnecker der Dirigentenstab übergeben. Willnecker schrieb neben verschiedenen Messen, die der Chor aufführte, auch ein Weihespiel zu Ehren des hl. Judas Thaddäus, welches einen ganzen Sommer lang aufgeführt wurde.
Infolge Sängermangels wurde der reine Männerchor um 1934 in einen gemischten Chor umgewandelt. Diese Umstellung war von großem Vorteil, denn bald hatten fast alle Sänger den Waffenrock angezogen.
1940 übernahm Peter Zens die Leitung des Kirchenchores; bis auch er 1941 den Gesang mit der Waffe tauschen musste. Doch es fanden sich stets Idealisten, die den Chor am Leben hielten.
Gleich nach dem Krieg hatte Heinrich Nietzer schnell einige alte Sänger und junge Mädchen für die gute Sache begeistern können. Im Jahre 1945 kehrte Peter Zens aus der Kriegsgefangenschaft zurück und übernahm wieder die Leitung der Sängerinnen und Sänger.
Nun trat der Chor, der bisher rein kirchlichen Charakter hatte, auch in der Öffentlichkeit auf und übernahm in gewisser Hinsicht die Tradition des Gesangsvereins.
Neben der Verschönerung des Gottesdienstes wurden auch Konzerte und Veranstaltungen durchgeführt. Es gab kein Dorffest, bei dem der Kirchenchor nicht mitwirkte. Dass der Kirchenchor nicht weltfremd ist beweist die Tatsache, dass gerade aus dem Kirchenchor ein Damentanzcorps hervorgegangen ist.
Im Jahre 1969 gründete der Dirigent Peter Zens einen Jugendchor, der Bestandteil des Kirchenchores wurde.
1973 konnte Peter Müller auf 70 Jahre Mitgliedschaft zurückblicken. Er wurde Ehrenmitglied des Kirchenchores.
Neben seinen kirchlichen Aufgaben singt der Chor auch gerne weltliche Lieder. So ist es nicht verwunderlich, dass er auch bei der Siebengebirgslangspielplatte mitmachte. Der Chor sang „Die Heisterbacherrotter" und ein Lied über die ehemalige Heisterbacher Talbahn.
Am 1. August 1979 starb unerwartet Dirigent Peter Zens. Er hatte fast 40 Jahre die Geschicke des Kirchenchores meisterhaft geleitet.
Heute übt Ulrich Brassel das Dirigentenamt als zehnter Dirigent aus. Inzwischen ist der Chor auf rund 50 Sängerinnen und Sänger angewachsen. Präses ist Pfarrer Paul Woelki und das Vorsitzendenamt bekleidet Rudi Steiner.
Zweiter Bericht aus Siebengebirgs-Zeitung
Festkommers 100 Jahre Kirchenchor
„Ihr Jubiläum ist ein Tag froher Erinnerung, aber auch Gelegenheit zur Besinnung auf die Aufgaben der Gegenwart, auf Ihren Dienst in der Liturgie, der heute ebenso wichtig ist wie vor 100 Jahren. Die Kirchenmusik ist Erhellung, Deutung und Auslegung des liturgischen Geschehens und des Wortes Gottes."
So begann ein Glückwunschschreiben des Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Höffner zum 100-jährigen Jubiläum des Heisterbacherrotter Kirchenchores. Das Schreiben verlas beim Festkommers im „Haus Schlesien" der Vorsitzende der Chorgemeinschaft, Rudi Steiner. Der Kardinal schreibt weiter:
„Sie singen nicht für sich allein, sondern für die Gemeinde, in der Gemeinde und mit der Gemeinde des Volkes Gottes.
Steiner verlas auch ein Glückwunschschreiben des Weihbischofs Dr. Josef Plöger, zuständiger Bischof für die Kirchenmusik.
Die Glückwünsche der beiden Pfarrgemeinden Heisterbacherrott und Thomasberg überbrachte in Anwesenheit des gemeinsamen Pfarrgemeinderates der beiden Pfarreien Pfarrer und Präses Paul Woelki. Er dankte dem Kirchenchor, der nunmehr seit 100 Jahren zur größeren Ehre Gottes und zur Erbauung der Menschen singt. Das sei wahrhaft ein froher Anlass zu feiern und zu danken. Chor und Pfarrgemeinde seien gewachsen und miteinander verwachsen.
Wie aller Chorgesang integrierender Teil der Liturgie ist, so sei der Chor integrierender Bestandteil des so guten Pfarrlebens. Er könne sich die Gemeinde ohne den Jubiläumschor nicht vorstellen.
Für den Pfarrgemeinderat an St. Judas Thaddäus sprach Frau Wiesmann die Glückwünsche aus.
Schriftlich gratulierte Diözesanpräses Ernst Savelsberg. Er betonte, dass wer bereit ist, seine musikalischen Fähigkeiten in den Dienst des Gotteslobes zu stellen, damit einer speziellen Berufung folge, die vergleichbar sei mit anderen Diensten im Bereich des Altares.
Vize-Bürgermeister Herbert Losem überbrachte die Glückwünsche der Stadt Königswinter. Er blickte zurück auf das Jahr 1886, was da alles in der weiten Welt geschah, als in Heisterbacherrott die Chorgemeinschaft gebildet wurde.
Als Geschenk brachte er unter dem Jubel der Sängerinnen und Sänger zehn Mark pro Jahr. also 1000 Mark mit. Auch die übrigen Gratulanten hatten alle finanzielle Spritzen für den Kirchenchor mitgebracht.
Für den Rhein-Sieg-Kreis gratulierte Landrat Dr. Franz Möller. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass der Kirchenchor auch seit vielen Jahren auf dem weltlichen Liedsektor manches geleistet habe.
Für die SPD gratulierte Wolfgang Krämer und für die CDU sprach Hans-Georg Gilka die Gratulation aus.
Im Namens des Bürgerfestausschusses erschien Vorsitzender Hans-Willi Gathen, der zugleich die Vorstände der Ortsvereine mitgebracht hatte.
Aus dem Nachbarort Thomasberg waren Vertreter des dortigen Kirchenchores und des Gemischten Chores erschienen. Die Redner wiesen in humorvoller Art auf die Freundschaft der beiden Orte und auf die Gemeinsamkeit der Chöre hin, auf eine Freundschaft, die sich in letzter Zeit entwickelt habe.
Im Mittelpunkt des Kommers stand die Ehrung von drei Jubilaren: Jean Pütz, Katharina Spessart und Gertrud Lehmacher. Jean Pütz und Gertrud Lehmacher singen bereits seit einem halben Jahrhundert im Chor. Katharina Spessart seit 45 Jahren. Sie alle erhielten Urkunden, die Ehrennadel und Geschenke des Chores und des Präses. Jean Pütz und Gertrud Lehmacher wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Der Festkommers begann und endete mit gesanglichen Beiträgen des Jubiläumschores und wurde umrahmt von Dina Leonhardt (Cello), Dorit Schmitz (Geige) und Clemens Keller (Klavier).
Zuvor zelebrierte der Präses ein Festhochamt in der Wallfahrtskirche. Der Chor sang unter Ulrich Brassel die C-Dur-Messe von Bruckner mit Solisten und einem Streichorchester der Musikhochschule Köln, an der Orgel Peter Zens.
Dem Gottesdienst schloss sich am Ehrenmal unter Beteiligung der Fahnenabordnungen aller örtlichen Vereine eine Kranzniederlegung an.
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