Aufnahme: 1986

Neue Funde in Heisterbach

"Große Mengen Tierknochen sowie Glas- und Keramikscherben, die der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zuzurechnen sind, wurden bei Ausgrabungen im Portalbereich der ehemaligen Abteikirche Heisterbach gefunden.

Dipl.-Archäologin Maria Wolters berichtete vor der Presse über die Funde. Mit den Ausgrabungen wurde auf Veranlassung der Genossenschaft der Cellitinnen am 1. Juli 1986 begonnen. Es handelt sich dabei um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Arbeitsamtes, befristet bis zum 30. April 1987. Da man jedoch bis zu diesem Zeitpunkt mit den Arbeiten nicht fertig wird, wurde bereits jetzt eine Verlängerung der Maßnahme beantragt.

Ausgrabungsbereich ist die Westfassade, also das ehemalige Hauptportal der 88 Meter langen und 44 Meter breiten Abteikirche. Die Ausgrabungen werden durchgeführt, weil im Klostergelände Wegebaumaßnahmen geplant sind. Bei den Grabungen wurden die Fundamente des Hauptportals freigelegt. An einigen Stellen der Außenwand befinden sich noch die Sockel- und Verblendsteine. Die Außenwand war mit weißem Mörtel verputzt. Die Höhe des erhaltenen Mauerwerkes beträgt ein Meter.

Bei den Ausgrabungen im Innenbereich - südliches Querschiff - wurde festgestellt, daß dieser Bereich offensichtlich unterkellert war. Dort wurde nach dem Wegräumen von Gesteinsmassen ein Tuffstein-Gewölbe entdeckt. Bis zum Keller konnte man jedoch noch nicht vorstoßen. Maria Wolters, die dort mit vier Helfern die Ausgrabungen unter fachlicher Beratung des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege vornimmt, erklärte, daß beim endgültigen Abriß der Westfassade im Innenbereich die restlichen Schuttmassen abgelagert wurden. In 1,50 Meter Tiefe wurde eine gepflasterte Rinne gefunden, die wahrscheinlich der Entwässerung diente. Sie führte vom Hauptportal in nordwestlicher Richtung. In der oberen Schicht von etwa 1,30 Meter Dicke wurden nach der Freilegung viele roh und einige gut bearbeitete Andesitblöcke sowie große Mörtelmengen gefunden. Die zweite Schicht besteht aus Humusboden. Sie ist wahrscheinlich aus Küchenabfällen und Kehricht entstanden. Erst unter diesen beiden Schichten liegt ein gepflasterter Weg, der vermutlich zum Klostereingang der Laienbrüder führte.

Die Glas- und Keramikscherben deuten auf die Reste kirchlicher Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände hin, die Tierknochen wohl auf den Küchenzettel der Mönche. Maria Wolters hofft, daß es einem guten Restaurator gelingen möge, die Scherbenreste zusammenzusetzen."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 51 vom 18. Dezember 1986
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper
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