Königswinterer fuhren nach Bremen

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1986

Königswinterer fuhren nach Bremen

"Die Hansestadt Bremen war am letzten Aprilsonntag voll in der Hand der Königswinterer. 950 Bürger aus der Altstadt und den einzelnen Stadtteilen nahmen an der Aktion 'Eine Stadt geht auf Reisen' teil. Im Zug mit 15 Wagen, darunter zwei Gesellschaftswagen und als 'Schlußlicht' ein Sonderwagen mit einem 'Rollenden Kindergarten', wurden die vielen Fahrtteilnehmer von einem Vertreter der Bundesbahn willkommen geheißen. Er teilte mit, daß die Stadt Königswinter die erste Stadt im Bezirk der Bundesbahndirektion Köln sei, die diese Aktion, ansonsten auf Bundesebene schon mit Erfolg praktiziert, durchführe.

Kurz vor Bremen begrüßte dann Bürgermeister Günter Hank die vielen Königswinterer Bürgerinnen und Bürger, die sich spontan zu dieser Fahrt beim Städtischen Fremdenverkehrsamt angemeldet hatten. Die meisten Reisenden kamen aus den Vereinen, aber auch Kegelclubs und Kaffeekränzchen hatten sich auf diese Fahrt gefreut. Ein weiterer Willkommensgruß des ersten Bürgers der Stadt galt dem Seniorenkreis aus Oberpleis. Hank würdigte damit die Aktivitäten der Senioren im Stadtgebiet. Und wenn Engel reisen, so meinte der Bürgermeister, scheine die Sonne. So war es denn auch, von der Abreise in Königswinter bis zur Rückkehr war die Sonne ständige Begleiterin der 'Reisenden vom fröhlichen Rhein'.

Auf dem Bahnhofsvorplatz in Bremen nahmen Bürgermeister Hank, Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz und die Helfer des Verkehrsamtes und der Verwaltung die Gelegenheit war, den beiden Damen des Verkehrsamtes aus Bremen für ihre Organisationsarbeit zu dieser Reise den Dank auszusprechen. Kleine Präsente wurden überreicht: Den Stadtwimpel, Wein vom Siebengebirge und Bildbände über die Stadt am Siebengebirge. Auch wurden Zuglaufschilder ausgetauscht, die die Aufschrift trugen: 'Sonderfahrt Bremen - Königswinter'. Hank und Schmitz konnten aber auch Bildbände über Bremen in Empfang nehmen. Danach standen 18 Hostessen bereit, die 950 Königswinterer, in Gruppen aufgeteilt, durch die Innenstadt zu führen. Dabei lernten die Siebengebirgler das alte und das neue Bremen kennen. Rathaus, Kirchen, Denkmäler und viele weitere Sehenswürdigkeiten wurden in Augenschein genommen. Besonderes Interesse fanden die winkeligen und kleinen Bauten mit den Kunstlädchen im sogenannten 'Schnoor-Viertel'. Aber auch die Böttchergasse mit den vielen Töpfer- und Kunstgeschäften wurde besichtigt. Anziehungspunkt war ferner das Seemannsliederglockenspiel am Nachmittag. Überwältigt war man vom Besuch des Überseemuseums und des Roseliushauses.

Die Bremer Stadtmusikanten waren leider den Besuchern verwehrt. Das Bremer Wahrzeichen wurde gerade restauriert und war somit den Blicken der Königswinterer und den anderen Bremenbesuchern verwehrt. Dafür klickten die Kameras der Fotografen aber beim Gang durch die Sögestraße. Dort laden bronzene 'Bremer Schweine', groß und klein, zum Verweilen ein.

Lehrreich und interessant war auch eine Hafenrundfahrt mit der 'Deutschland'. Deshalb interessant, weil auch an diesem wunderschönen Aprilsonntag die vielen Riesenfrachter be- und entladen wurden. Frachter aus Südamerika und Indien zogen im Europa- und Überseehafen die Blicke an.

Auf der Hin- und Rückfahrt im Sonderzug beaufsichtigten Kindergärtnerinnen die Kinder, die mit vielen Überraschungen, auch von Seiten der Bundesbahn, erfreut wurden. Kurt Trommeschläger stellte für diesen Tag das Spielzeug zur Verfügung. Königswinterer Wirte sorgten im Zug für das leibliche Wohl. Abends auf der Rückfahrt wurde auch eifrig getanzt. Für die Nichttanzenden fand über die Lautsprecheranlage ein Wunschkonzert statt. Was lag da näher, als in Anbetracht der Nähe eines bekannten Meeres mit dem Schlager 'An der Nordseeküste' zu beginnen.

Auch die Bundesbahn hatte ihren Spaß an der Freude der Königswinterer. So lag es nahe, dem Stadtdirektor ebenfalls ein Zuglaufschild zu schenken. Die weiteren acht am Zug hängenden Schilder wurden an die Königswinterer Vereine als Andenken verteilt. Doch wie wollte man acht Schilder unter 20 Vereine aufteilen. Da hatte der Reiseleiter eine Idee. Die Vereine, die bei einem Quiz der Zahl der Zuglänge am nächsten kamen, sollten diese Schilder erhalten. Beim Gemütlichkeit-Gesangverein Rauschendorf müssen wohl Eisenbahner oder Hobby-Eisenbahner dabei gewesen sein, denn die fröhlichen Sänger schätzten 414 Meter und lagen damit goldrichtig.

Geehrt wurden neben dem ältesten und dem jüngsten Reisenden auch diejenigen, die an diesem Reisetag Geburtstag hatten: Therese Lehmacher aus Oberpleis und Wilhelm Simon aus der Altstadt. Einen Jux erlaubte sich Reiner Lichtenberg von der Narrenzunft. Er 'entkleidete' einen Zugschaffner und kontrollierte dann selbst seine mitfahrenden Freunde.

Hank: 'Wir haben einen schönen Tag erlebt und wollen dafür auch etwas Gutes tun. Die Cäcilia-Sänger kommen rund und sammeln nach dem Tode von Hermann Gmeiner für die SOS-Kinderdörfer.' Später gab er das Ergebnis bekannt: 1009,53 DM.

Und weil es allen so gut gefallen hatte — eine zweite Fahrt findet am 25. Mai statt - wurde gleich bei der Bundesbahn für 1987 gebucht. Dann soll Würzburg das Ziel sein."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 19 vom 7. Mai 1986
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper
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