Michael Reusch wurde 100 Jahre alt

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1985

Michael Reusch wurde 100 Jahre alt

"'480.000 Mitbürgerinnen und Mitbürger des Rhein-Sieg-Kreises lassen Ihnen, Herr Michael Reusch, durch mich die herzlichste Gratulation zu Ihrem heutigen 100. Geburtstag überbringen.' So Landrat Dr. Franz Möller am Samstagnachmittag in der Thomasberger Wiesenstraße, als er dem ältesten Einwohner von Thomasberg und dem Zweitältesten der Stadt Königswinter die besten Wünsche für das volle Jahrhundert überbrachte. Möller überreichte neben einem prachtvollen Blumenangebinde 300 Mark des Kreises und weitere 200 Mark des Ministerpräsidenten von NRW, Johannes Rau, der ebenfalls seine Glückwünsche übermittelte.

Mit dem Landrat kamen auch Vizebürgermeister Herbert Losem und der Beigeordnete Erich Lichtenberg, die namens des Rates und der Verwaltung gratulierten. Sie überreichten einen prachtvolllen Frühstückskorb, einen Bildband über das Siebengebirge und je 200 Mark an Geldgeschenken der Stadt und des Bundespräsidenten.

Viele weitere Gratulanten gaben sich in der Wohnung des Jubilars ein Stelldichein und wünschten dem recht rüstigen 100-Jährigen noch viele weitere Jahre Gesundheit und Zufriedenheit. So sprachen ihre Glückwünsche aus: Der Bürgerfestausschuss, der Bürgerverein, der gemischte Chor, Pfarrer Paul Woelki mit dem Pfarrgemeinderat und die Raiffeisenbank Oberpleis, der Michael Reusch nunmehr seit 75 Jahren angehört. Sie alle gratulierten mit Frühstückskörben, eingefangenem Sonnenschein und flüssigem Korn, was Michael Reusch so jung gehalten hat, wie er selber betonte. Pfarrer Paul Woelki überraschte das Geburtstagskind mit einem Messingrelief, darstellend die Thomasberger St. Josefs-Kirche.

Mit süffigen Geschenken sprachen ihre Glückwünsche auch Hans-Georg Gilka und der Landtagsabgeordnete Franz Riscop aus.

Die Dorfgemeinschaft des Unter- und Oberdorfs hatte das Haus mit Fahnen und Grün geschmückt. Auf einer 'Schürreskaar' beförderten sie zwei Frühstückskörbe, hoch gefüllt mit Delikatessen, zum Haus des Jubilars. Das Gefährt sollte an die Zeit vor 100 Jahren erinnern, als Schürreskaare noch die Arbeit in der Landwirtschaft bestimmten. Herbert Losem hatte sich mit der Geschichte vor 100 Jahren befaßt und beleuchtete in seiner Glückwunschansprache die Geschehnisse des Jahres 1885. Nach dem offiziellen Teil feierte die Familie unter sich.

Nach dem Schulbesuch trat Michael Reusch bei seinem Bruder Hermann als Steinmetz in Grengelsbitze in die Lehre. Sein Bruder hatte das Geschäft 1902 gegründet, das Michael im Jahre 1930 übernahm. Vor 28 Jahren übergab er den Betrieb an seinen Sohn Hermann, der bereits verstarb. Auf fast allen Friedhöfen in der näheren und weiteren Umgebung befinden sich Grabsteine, die Michael Reusch schuf. Bis vor 17 Jahren half er noch fleißig bei der Arbeit mit.

Den ersten Weltkrieg machte Michael Reusch an allen Fronten mit. Weil nach Ansicht der damaligen Machthaber im zweiten Weltkrieg das Herstellen von Grabsteinen nicht wichtig war, wurde er trotz seiner damals 59 Jahre wiederum eingezogen. Neun Monate leistete er Kriegsdienst in Holland.

Aus seiner Ehe mit Elisabeth geborene Haachs, die im November des vergangenen Jahres verstarb, gingen drei Söhne und drei Töchter hervor. Alle Söhne machten den zweiten Weltkrieg mit und kehrten ebenfalls wie der Vater gesund wieder nach Hause zurück. 25 Jahre gehörte der Altersjubilar dem Thomasberger Gesangverein an."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 10 vom 7. März 1985
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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