Aufnahme: 1985
Eindrucksvolle Ausstellung zum 8. Mai
"Vor einiger Zeit kamen die Pfarrgemeinderäte von Thomasberg und Heisterbacherrott auf Pfarrer Theodor Helten, der von 1931 bis 1937 in Heisterbacherrott wirkte und dann von den Machthabern des Dritten Reiches verhaftet und in einem Konzentrationslager zu Tode gefoltert wurde. Den Mitgliedern der Pfarrgemeinderäte kam der Gedanke, jetzt zum 40. Jahrestag der Kapitulation eine Ausstellung über die Zeit des Nationalsozialismus in Heisterbacherrott zu gestalten.
Viele Dokumente, Bilder und Bücher über das Dritte Reich, auch aus der Umgebung von Heisterbacherrott, bereicherten die Schau im Pfarrheim, die bei der Bevölkerung großen Anklang fand. Der Besucher sah noch vorhandene Feldpostbriefe und Soldatenzeitungen. Die Bilder sämtlicher Heisterbacherrotter Gefallener waren ausgestellt. Vieles veranschaulichte das Leben der Gemeinde vor, während und kurz nach dem Krieg. Auch das Werk Maximilian Kolbes war vertreten. Anhand der gezeigten Bilder bekam der Betrachter einen Einblick in die Konzentrationslager. Eine Toncollage informierte über das Dritte Reich.
Heisterbacherrott war vor und während des Krieges ein kleines, unbedeutendes Dorf. Dort wurden keine Schlachten geschlagen, dort ist nichts Spektakuläres passiert, wenn man vom Schicksal des Rektors Theodor Helten absieht. 1939 hatte Heisterbacherrott 624 Einwohner, 1950, fünf Jahre nach der Kapitulation 758. Davon waren 92,7 Prozent katholisch, 6,9 Prozent evangelisch und 0,4 Prozent gehörten einem anderen Glauben an.
Es gab in Heisterbacherrott nicht überraschend viele Nationalsozialisten. In der Partei und auch in der Hitler-Jugend waren Heisterbacherrotter vertreten. Der Krieg ging insgesamt gesehen in gemäßigter Form über Heisterbacherrott hinweg. Artilleriebeschuß und Bomben richteten nur wenig Schaden an, einige Häuser brannten aus. Der Ort hatte einige zivile Tote zu beklagen. Auf dem Rhein wurde ein Boot von Tieffliegern beschossen, dabei kam ein Junge aus Heisterbacherrott ums Leben. 60 Personen starben an der Front oder in der Heimat oder werden vermißt.
Als die Amerikaner vom Buschhof und von Dollendorf her auf Heisterbacherrott zustießen, liefen ihnen einige Heisterbacherrotter mit der weißen Fahne entgegen. Pfarrer Arnold Schürgers trug das Allerheiligste wieder in die Kirche zurück, nachdem es vorher in einem Tunnel aufbewahrt worden war. Dieser Tunnel diente vielen Ortsansässigen auch als Luftschutzraum bei den Angriffen.
Nach dem Zusammenbruch fanden schnell wieder Kirchenchorproben statt. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der 'Military Police' wegen Übertretung des nächtlichen Ausgangsverbotes.
Der am 9. April 1897 in Köln-Ehrenfeld geborene Theodor Helten kam am 23. Marz 1931 als Rektor nach Heisterbacherrott. Nur wenige Bilder und Dokumente sind von ihm erhalten. Er setzte sich sehr für Heisterbacherrott als Wallfahrtsort ein und brachte die Wallfahrtsbewegung ins Rollen. Damals wurde in der Oktav ein Singspiel aufgeführt mit Laienschauspielern aus der Ortsbevölkerung. Noch kurz vor seiner Verhaftung bereitete er die Ausmalung der Kirche vor. Politisch zeigte er sich neutral und predigte nie gegen das Dritte Reich. Ihm wurde von der Gestapo die Veruntreuung von Kirchengeldern und sexueller Mißbrauch von Minderjährigen vorgeworfen. Rektor Helten starb im KZ Oranienburg. Er wurde das Opfer einer persönlichen Intrige."
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