Aufnahme: 1983 (Text)
Nach 37 Jahren erstes Lebenszeichen
"Große Freude bei der Familie Raths-Eiter in Thomasberg, denn 37 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt man jetzt ein Lebenszeichen eines Soldaten, der bei der Familie in Quartier war und heute in Polen lebt. Briefe von hüben und drüben kamen nie an. Erst durch Liebesgabenpakete Thomasberger Kinder entspann sich nun ein fruchtbarer Briefwechsel.
Kinder der Klasse 9 der Thomasberger Hauptschule packten im Frühjahr des vergangenen Jahres mehrere Pakete und schickten diese an eine polnische Familie nach Szczedrzyk. Doch die Empfängerfamilie konnte kein Wort deutsch. Nebenan wohnte eine Familie, die in Schlesien blieb, als es unter polnische Verwaltung gestellt wurde. Josef S. hat die deutsche Sprache nicht verlernt und so bat die polnische Familie ihren Nachbarn, doch den Brief der Thomasberger Lehrerin und ihrer Schüler zu übersetzen.
Als dann Josef S. den Namen Thomasberg las, entsann er sich der letzten Kriegsjahre, als er bei einer Familie Heinrich und Elisabeth Raths in Quartier lag. Im Namen der polnischen Familie schrieb Josef S. an die Lehrerin Dagmar Bandel einen Dankesbrief. Das war bereits am 24. Juni 1982. Doch erst zur Jahreswende erhielt die Familie Raths-Eiter Kenntnis von diesem Schreiben, in dem es u. a. hieß: 'Als ich Ihr Schreiben las, überraschte mich zuerst am meisten der Ort Thomasberg. War ich doch zweimal dort. Ein paar Tage Einquartierung vor der sogenannten 'Rundstedt-Offensive' Mitte Dezember 1944. Dann nach der Gefangenschaft im August 1945. Ich ließ mich ins alte Quartier entlassen, zu liebevollen Leuten: Heinrich Raths. Damals war Pflaumenernte. Ich habe dabei geholfen. Es drehte sich ja damals alles ums Essen. Doch dann zog es mich wieder in die Heimat zurück, nach Osten, wo meine Mutter lebte und meine junge Frau. Ich war damals erst drei Jahre verheiratet.
Beim Fortgang gab mir Heinrich Raths sein Familienbild zum Andenken. Ich habe es 37 Jahre aufbewahrt und schicke es nun Ihnen, Frau Bandel, zurück.
Ich habe auch damals Decken, Schuhe und eine Uhr zurückgelassen, die Uhr, die ich aus einem Flugzeug ausmontiert hatte.' 'Und die Uhr geht heute noch genau', dokumentieren die Raths ihre Freude beim Besuch unseres Mitarbeiters.
Auf ihren Brief haben sie noch keine Antwort aus Polen. Sie wollen alles unternehmen, die Familie Josef S. nach Thomasberg einzuladen und später auch einmal nach Schlesien reisen. Die Uhr wollen die Raths ihrem Freund bei seinem ersten Besuch überreichen.
Josef S. in seinem Brief an die Lehrerin weiter: 'Ich habe die Familie Raths in bester Erinnerung behalten. Wie sieht es in Thomasberg nach diesen 37 Jahren aus?'"
Bemerkung zum Familienfoto: Es entstand im 2. Weltkrieg, ca. 1943.
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