Aufnahme: 1983
Immer mehr Verfall auf dem Petersberg - SPD veranstaltete eine Ortsbesichtigung
"Der Petersberg und seine Außenanlagen, die Stätte, wo vor 35 Jahren die Bundesrepublik in ihren Geburtswehen lag, vergammeln immer mehr. Edmund Schute, Oberdollendorfer Bürger und SPD-Ratsmitglied, hat sich nun dafür eingesetzt, daß wenigstens für den Touristenverkehr etwas geschehen soll. Er hat die Stadtverwaltung gebeten, die Bäume zu beschneiden, damit wenigstens die Aussicht ins Rheintal wieder gegeben ist. Ferner will Schute sich bei den zuständigen Stellen dafür einsetzen, daß Tafeln aufgestellt werden, an denen sich die Ausflügler und Touristen über die historische Entwicklung des Petersberges informieren können.
Nunmehr hatte die SPD zu einer Ortsbesichtigung auf den historischgeschichtlichen Berg eingeladen, auf dem zuletzt vor zehn Jahren Breschnew während seines Aufenthaltes in der Bundesrepublik residierte. Danach vergammelte der Petersberg immer mehr. Was sich nun den Politikern da oben bot, war ein Bild des Entsetzens. Eine Aussicht auf den Drachenfels und auf den Rhein besteht durch den dichten Bewuchs nicht mehr. Zwar wurden die Bäume, die vor vielen Jahren den Besuchern auf den Rheinterrassen Schatten spendeten, geschnitten. Doch seit Wochen oder Monaten liegen die Zweige wild umher. Die Umfassungsmauern zerbröckeln, die Steine fallen aus dem Mauerwerk heraus und riesige Löcher lassen den Zusammensturz der Mauer über kurz oder lang vermuten. Die einzige Stelle, die noch einen Blick auf die Bundeshauptstadt freigibt, ist bei schlechtem Wetter nicht zu betreten. Durch einen Rohrschaden bleibt das Wasser tagelang am Aussichtspunkt stehen, so daß die Besucher auch in nördlicher Richtung keinen Ausblick genießen können.
Selbst die Bäume rund um das Hotel sterben allmählich ab. Die Kommunalpolitiker mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Wim Nöbel an der Spitze waren entsetzt über diese Zustände. Der Rundgang führte auch am Hotel vorbei, wo man zertrümmerte Fenster, verbogene Fensterrolläden und herabfallenden Putz sah. Die Feuchtigkeit steigt an den Wänden immer höher. 'Bald ist nichts mehr zu retten', war der Tenor der SPD-Politiker.
Der Rundgang führte dann zur Ausgrabungsstätte. Im Herbst wurden Folien über die Ausgrabungsstelle gelegt. Diese sind im Winter entzweigegangen und liegen jetzt wild in der Gegend umher. 'Es sieht aus wie auf einer Müllkippe.'
Auf dem Parkplatz hoch oben auf dem Berg unterrichteten die Politiker die Presse über die Folgen, die entstehen, wenn nicht bald etwas zur Rettung des Petersberges geschieht.
Landrat und MdB Dr. Franz Möller, der sich während der SPD-Regierungszeit schon immer für die Erhaltung des Petersberges eingesetzt hat, soll nun, da er jetzt auf der Regierungsbank sitzt, an seine Worte erinnert werden. Die Stadt Königswinter hat zwar kein Machtwort zu sprechen, doch soll sie die entsprechenden Behörden beim Bund auf ihre Pflichten aufmerksam machen."
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.