Aufnahme: 1976
90 Jahre Kirchenchor Heisterbacherrott
"Ehrungen für vieljährige Treue zur Musica sacra standen im Mittelpunkt einer Feierstunde im Saale Lichtenberg anläßlich der 90-Jahrfeier des Kirchenchores 'Cäcilia' an der St. Judas-Thaddäus-Gemeinde in Heisterbacherrott.
Dechant Kochem und Präses Pfarrer Dr. Anton Ly ehrten Gertrud Lehmacher für 40-jährige Treue zum Kirchenchor. Seit 25 Jahren sind Käthe Spessart und Hermine Winterscheidt aktive Sängerinnen zum Lobe Gottes. Sie erhielten aus den Händen der beiden Geistlichen die Ehrennadeln sowie die Urkunden des Cäcilienverbandes, Blumen und Geschenke des Chores.
Karl Eßer, der viele Jahre den Chor vorbildlich leitete, wurde für seine Verdienste um den Kirchengesang zum Ehrenvorsitzenden der Chorgemeinschaft ernannt.
Der Bürgerfestausschuß, die örtlichen Vereine sowie befreundete Sängergemeinschaften aus Thomasberg und Rauschendorf sprachen dem Kirchenchor, der nun fast ein Jahrhundert besteht, die Glückwünsche zum 90-jährigen Jubiläum aus. Sie alle überreichten dem Jubelchor Blumen, Geldgeschenke und nette Angebinde. Die Grüße und Glückwünsche der Stadt Königswinter übermittelte Bürgermeister Hank, der in seiner launigen Ansprache eine Verbindung der heiligen Cäcilia zum heiligen Judas Thaddäus herstellte. Die heilige Cäcilia habe etwa 100 Jahre nach Judas Thaddäus gelebt, so daß die Großeltern der Cäcilia zu Zeiten des Heisterbacherrotter Ortsheiligen gelebt haben müßten. Hank überreichte dem Vorsitzenden des Jubelchores, Rudi Steiner, ein 'Stück' Papier aus seinem 'unerschöpflichen Vergnügungsfonds'.
Anläßlich des Jubiläums fand im Saale Lichtenberg ein musikalischer Abend statt. Der Bläserchor der 'Bergklänge' eröffnete den Abend mit der Ouvertüre von Franz von Suppés 'Dichter und Bauer'. Den ersten Beifall des Publikums für den Jubelchor erhielten die 36 Sängerinnen und Sänger für den Vortrag 'Hochamt im Walde' von Josef von Werth. Bläserkorps, Jubelchor und die Gemütlichkeitssänger aus Rauschendorf gestalteten das weitere musikalische und gesangliche Programm des Abends mit Werken von Neumann, Ignatius Heim, Otto Fischer, Halter, Freivogel, Walter Schneider, Rische, Gus Anton, F. Zimmer und Boris Rubaschkin.
Besonderen Beifall spendeten die Besucher des Abends für die Darbietungen 'Droben im Oberland', Eviva Espana, 'Die 12 Räuber' und eine Zusammenstellung italienischer Melodien von Hans Kodlitz unter dem Namen 'Bella Italia'. Einen Sonderapplaus erhielt Heinrich Scheidhauer, der bei den '12 Räubern' die Solopartien zum Vortrag brachte.
Das Bläserkorps spielte unter der Leitung von Michael Stenz. Die Einstudierung der Chöre oblag Peter Zens sen. und die Klavierbegleitung besorgte Peter Zens jun.
Dem Festakt voraus ging ein feierlicher Abendgottesdienst, den Präses Pfarrer Dr. Ly zelebrierte. Der Chor brachte die lateinische Messe in Es-Dur von Kraft zum Vortrag und sang als Einlage einen Lobgesang.
Am Sonntagmorgen wurde nochmals eine Messe besucht, die der Kirchenchor mit einigen Einlagen verschönerte. Eine Gedenkfeier am Ehrenmal beendete die zweitätigen Feierlichkeiten.
1886 wurde der Kirchenchor gegründet. Die Gesänge wurden von einem Kaplan aus Stieldorf einstudiert.
Zu den Gründern des Chores gehörten Wilhelm Minten, Christian Schonauer, Christian Nietzer, Peter-Josef Scheuren und Hermann Thomas.
Dirigent und Vorsitzender des Chores wurde Wilhelm Nietzer. Er leitete den Chor 30 Jahre. Während dieser Zeit hatte er den Chor zu einem beachtlichen Kulturträger der Dorfgemeinschaft aufgebaut. Geprobt wurde in Privathäusern.
Zweiter Dirigent des Chores wurde Hermann-Josef Willnecker, der als Lehrer in Thomasberg tätig war. Willnecker schrieb neben verschiedenen Messen, die der Chor aufführte, ein Weihespiel zu Ehren des heiligen Judas Thaddäus. Nach Willnecker übernahm Peter Zens den Dirigentenstab. Da die Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden, war schließlich der Chor ein reiner Frauenchor geworden. Doch auch Zens wurde 1941 zu den Waffen gerufen. Bernhard Mohr übernahm nunmehr die Ausbildung der Sängerinnen. Auch ihm war es schließlich infolge der Kriegswirren nicht mehr möglich, nach Heisterbacherrott zu kommen.
Nach dem Krieg war es Heinrich Nietzer, der schnell Sänger und Sängerinnen wieder gewinnen konnte. Ein Fräulein Müller aus Essen, das in Heisterbacherrott wohnte, übernahm die musikalische Leitung des Chores. Sie übte in der Kirche. In diese Zeit fällt ein Ereignis, das wert ist, festgehalten zu werden. Die Bürger durften nur zu bestimmten Zeiten ihre Häuser verlassen. Da sich jedoch die Proben etwas länger hinzogen, wurden die Sängerinnen von einer amerikanischen Polizeistreife erwischt. Wer nicht flüchten konnte, mußte einige Tage ins Zuchthaus nach Siegburg.
Noch 1945 kehrte Zens aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Er übernahm wieder die Leitung des Chores. Nun trat der Chor, der bisher rein kirchlichen Charakter hatte, auch in der Öffentlichkeit auf."
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