Ideenreiche Elterninitiative mit neuen Plänen

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1972

Ideenreiche Elterninitiative mit neuen Plänen

Zur Situation der Kindergärten in der Stadt Königswinter, von Wilhelm Scheffen

"Die Elterninitiative Kindergarten Thomasberg/Heisterbacherrott hatte gehofft, daß die Stadt Königswinter ihren Plänen, in der alten Schule in Heisterbacherrott einen Kindergarten einzurichten, zustimmen werde. Sie hatte sich in dieser Hoffnung gewiegt, weil sie mit einem großen Arbeitsaufwand Pläne für die Instandsetzung der alten Schule erstellt hatte und auch angenommen hatte, daß die Finanzierung möglich sein werde. Hinzu kommt, daß die Elterninitiative das gewichtige Argument ins Feld zu führen wußte, der geplante Kindergarten, den die Stadt zu bauen beschlossen hat, werde nicht ausreichen, alle Elternwünsche zu befriedigen. Zudem werden bis zur Fertigstellung dieses Kindergartens wenigstens zwei Jahre vergehen. Die Elterninitiative aber möchte möglichst noch in diesem Jahr einen Kindergarten.

Nun kam aber der Schul- und Kulturausschuß in Übereinstimmung mit den zuständigen Verwaltungsstellen zu der Einsicht, daß die Instandsetzung der alten Schule die Stadt einen weit höheren Betrag kosten werde als die rund 100000,— DM, die die Elterninitiative dafür angesetzt hatte. Wenn auch von den Mitgliedern der Elterninitiative mit Hand angelegt werde, so müßten doch eine Toilettenanlage und der Kanalanschluß bis zur Straße über den Schulhof erstellt werden, erklärten die Vertreter der Stadt den Eltern. Das aber koste Geld, das die Stadt zur Zeit nicht aufbringen könne.

Die Elterninitiative hat sich diesen Argumenten — wenngleich nicht gerne — gebeugt und verfolgt nun den Plan, einen Fertigbau-Pavillon zu bekommen, den die Stadt stets dort einsetzen kann, wo er benötigt wird. Die Eltern hatten zuerst für die Renovierung der alten Schule plädiert, weil es das einzige Gebäude war, das für den Zweck zur Verfügung stand und — bei entsprechender Instandsetzung — geeignet schien, einen Kindergarten zu beherbergen.

Einige Monate beschäftigten sich die Eltern aus Thomasberg und Heisterbacherrott intensiv mit diesem Gedanken. Man bildete einen Arbeitskreis. Bei jeder Sitzung wurde Geld gesammelt. Man bestellte einen Architekten, der die Pläne für die Renovierung herstellte. Auch die Errichtung von sanitären Anlagen wurde vorgesehen. Kostenvoranschläge für den Umbau, für die laufenden Betriebskosten, für die Bezahlung der Kindergärtnerinnen und die erforderliche Einrichtung und sogar für einen Spielplatz im Freien wurden erarbeitet.

Dabei ermittelten die Mitglieder der Elteriniatitive einen Preis von DM 100000,—. Darin waren allerdings die notwendige Ausbesserung des Dachstuhls und der Anschluß an die Kanalisation nicht berücksichtigt. Die Eltern waren jedoch der Ansicht, daß die Mittel für eine Renovierung der Schule auch deshalb aufgewendet werden sollten, um dadurch den Wert der alten Schule außerordentlich zu erhöhen. Man argumentierte, daß den Bürgern damit ein Haus zur Verfügung stünde, das auch — nicht nur als Kindergarten — genutzt werden könnte. Außerdem hatte man gehofft, die Umbaukosten durch Eigenarbeit der Eltern senken zu können. Man hatte auch bereits Angebote von Unternehmern, die die Arbeit der Elterninitiative tatkräftig unterstützen und die Arbeiten zum Selbstkostenpreis durchführen wollten. Die Elterninitiative konnte sich bei ihrem Plan auf die Unterschriften von 344 Bürgern aus Thomasberg und Heisterbacherrott stützen.

Umso schwerer traf die Eltern die Absage durch die Stadt. So erklärt die Elterninitiative: 'Sicher sind die Einwände der Stadt nicht von der Hand zu weisen, überzeugt worden sind wir allerdings nicht. Es erscheint uns so sinnlos, das massive Gebäude einfach verkommen zu lassen oder gar abzureißen. Nach Aussagen mehrerer von uns zu Rate gezogener Architekten wäre das Gebäude der alten Schule jetzt noch zu retten. Wir Eltern sind sehr enttäuscht. Aber wir resignieren nicht.'

Die Elterninitiative weist im weiteren auf die Unterstützung weiterer Bevölkerungskreise hin und erwähnt besonders die SPD, die 'offenbar begriffen und durch ihre Hilfe, die sich nicht nur in freundlichen Worten erschöpfte, deutlich gemacht hat, daß hier an einem Einzelfall und ganz konkreten Thema aktive Bürgermitarbeit und Bürgerselbsthilfe demonstriert wird.' Kritik übt die Elterninitiative an den Bürgervereinen, die von 'der Elterninitiative offensichtlich kaum Notiz genommen haben. Das ist bedauerlich, denn gerade von ihnen hätten wir Unterstützung erwartet.'

Die Elterninitiative hat sich nun damit abgefunden, daß die alte Schule als Kindergarten zumindest vorerst aus dem Gespräch ist. Deshalb verfolgt sie umso intensiver den Plan, einen Pavillon zu bekommen, der als Kindergarten dienen kann. Sie ist der Ansicht, daß berechtigte Aussichten bestehen, daß der Elterninitiative von der Stadt zur Errichtung eines Kindergartens ein Pavillon zur Verfügung gestellt wird."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 26 vom 23. Juni 1972
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper
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Aus Siebengebirgs-Zeitung Kindergärten
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