Gaststätte auf dem Oelberg 50 Jahre in Familienpacht

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1970

Gaststätte auf dem Oelberg 50 Jahre in Familienpacht

"Zahlreiche Gratulanten hatten sich in dem gastlichen Haus auf dem Oelberg eingefunden, um dem Ehepaar Hans Prinz und Frau Waltraud die herzlichen Glückwünsche zu ihrem 50jährigen Dienstjubiläum in Familienpacht ihre Glückwünsche auszusprechen.

Am 31. Juli 1920 verpachtete der Verschönerungsverein für das Siebengebirge die barackenähnliche Gaststube an das Ehepaar Steeg-Bergweiler.

Unter den Gratulanten befand sich fast der gesamte Vorstand des VVS mit dem Vorsitzenden Dr. Horster an der Spitze. Mit ihm waren vom Vorstand erschienen: Oberstadtdirektor i. R. Langendörfer, Dr. Offner und der Geschäftsführer Peter Hilger, der Nachfolger des verstorbenen Karlheinz Eschweiler, dem gerade der Ausbau des Oelberghauses sehr am Herzen gelegen hat. In seinem Lieblingszimmer fand auch die Gratulationscour statt. Weiter sprachen ihre Glückwünsche aus: Regierungsdirektor Beuke als Vertreter des Regierungspräsidenten (Höhere Naturschutzbehörde), stellvertretender Landrat August Müller, der ein Freund des Hauses ist, Oberkreisdirektor Kieras, die Wirtevereinigung, Altbürgermeister  Haacks, Oberforstmeister Schoo und Verkehrsdirektor Hoffmann. Sie alle überreichten dem Ehepaar Prinz zum Jubiläum Blumen und Bücher.

Dr. Horster gab einen kurzen Abriß des 50jährigen Gasthauses.

Im Jahre 1921 wurde ein Wohnhaus der Baracke angegliedert und nach und nach baute das Ehepaar Steeg die Gaststätte auf dem höchsten Berg des Siebengebirges zu der heute weithin bekannten Ausflugsstätte aus. Ein Höhepunkt des Ausbaues fand im Jahre 1953 statt, als eine Wasserleitung auf den Berg gelegt wurde. Nach dem Tode von Herrn Steeg übernahm die auf dem Oelberg geborene Nichte Waltraud, die inzwischen Hans Prinz geehelicht hatte, im Jahre 1958 die Gaststätte und baute sie immer noch weiter aus. Das Gästebuch weist Namen aller Bevölkerungsschichten auf. Horster überreichte dem Ehepaar Prinz einen prächtigen Strauß gelber Teerosen.

'Hausfreund' Müller erinnerte sich gerne der frohen Stunden, die er auf dem Oelberg verbracht habe und sagte, daß in den Anfangsjahren die Spezialität des Hauses Speckpfannekuchen gewesen sei. Bereits 1834 sei auf dem Oelberg ein Weinverkaufsstand gewesen. Im Krieg hat der Oelberg mehrere Male den Besitzer gewechselt und viele Verwundete wurden dort oben gepflegt. Bettücher seien für Verbandszwecke zerrissen worden. Frau Steeg habe sich auch um die Toten, die rings um den Oelberg lagen, gekümmert. Im Auftrage des Landesverbandes des Gaststätten- und Hotelgewerbes NRW überreichte Erich Krebs dem Ehepaar Prinz eine Ehrenurkunde für vorbildliche Organisations- und Berufstreue.

Es gab Zeiten, da wurde das Wasser noch mittels Ochsenkarren oder Pferdedroschken zum Gipfel des Oelberges gefahren, und zwar in 500-Liter-Behältern. Die Fuhre kostete damals viel Geld, nämlich 16 Mark. An diese Zeiten erinnerte sich das Ehepaar Prinz auch bei der Gratulationscour, als August Müller davon sprach.

Jährlich wandern Zehntausende auf den Oelberg. Nicht nur um die herrliche Sicht bis weit nach Köln, in die Eifel und in den Westerwald zu genießen. Man kommt, weil ein gastliches Haus wartet. Bei Sommerwetter kann man bei Kaffee und Kuchen auf der Freiterrasse sitzen, man kann sich der gepflegten Küche bedienen, man kann auch manchen guten Tropfen genießen. Schön ist es aber auch, wenn im Herbst der Wald sich bunt gefärbt hat. Genußreiche Stunden kann man aber auch im Winter erleben, wenn im Kamin das Feuer knistert und man die Spezialität des Hauses heute, nach 50 Jahren genießt: Wildbret.

Hans Prinz erzählte in seinen Dankesworten, daß bis 1953, als die Wasserleitung gelegt wurde, im Hause mehr Bier als Wasser vorhanden war. Oft wurde Schnee geschmolzen, um Kaffeewasser zu kochen. Hanz Prinz zahlt heute für den Kubikmeter Wasser DM 4,40. Investitionen werden laufend vorgenommen. Allein in diesem Jahre sind für rund DM 40000,— neue Pumpen in Betrieb genommen worden.

Es gibt Leute, die schon mehr als 100 mal auf den Oelberg wanderten."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 31 vom 8. August 1970
Zur Verfügung gestellt von
Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter
Räume & Galerien
Aus Siebengebirgs-Zeitung Ausflugsziele
Aufrufe
1096

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.